Boltz: Ölembargo gegen Russland kommt zu einem "günstigen Zeitpunkt"

02. Dez. 2022 · Lesedauer 3 min

Am Montag beginnt das Ölembargo gegen Russland. Welche Auswirkung dieser Boykott haben werde, sei noch "nicht vorhersehbar", sagt Walter Boltz. Der ehemalige Chef der E-Control und Berater der Bundesregierung hält den Augenblick allerdings für "günstig".

Boltz zufolge handle es sich hier zweifelsohne um ein Experiment der Europäischen Union (EU). Doch seit einigen Tagen und Wochen gebe der Ölpreis nach, weshalb jetzt ein "günstiger Zeitpunkt" für den Start das Embargo gegen russisches Öl sei. Derzeit sei der Ölmarkt "recht gut versorgt", daher seien die negativen Auswirkungen auf die EU "sehr überschaubar", sagt Boltz.

Erlöse aus Ölexport verringern

Ziel des Embargos sei es, die Kriegsmaschinerie Russlands weniger mit Geld zu versorgen. Das könne man durch Einschränkungen des Ölexports schaffen. In der EU erhoffe man sich, dass Russland 20-30 Prozent ihres Erlöses aus dem Ölbereich verliert. Durch das Embargo müsse Russland nun sein Öl an Länder verkaufen, die Einfuhrsperre nicht unterstützen.

Das sei allerdings mit "längeren Transportkosten und längeren Schiffsmieten" verbunden, was den Erlös sinken lasse, erklärt der ehemalige E-Control-Chef. Die potenziellen Käufer würden wissen, dass Russland unter Druck stünde und Öl nur mit einem Rabatt kaufen. 

Worst und Best Case des Einfuhrstopps

Im besten Fall würde Russland nur mehr die Hälfte des Erlöses, dass es durch den Verkauf an europäische Länder sonst verdient, erhalten, sagt Boltz. Zudem würde es "idealerweise auf 15-20 Prozent" des Öls "sitzen bleiben". Nach einer kurzen Phase höherer Preise hätte Europa durch das Embargo die Chance, dass wieder "normale" Ölpreise entstehen würden.

Im Worst Case käme es zu "punktuellen Engpässen für drei bis vier Wochen", so Boltz. Außerdem würden sowohl global als auch europaweit die Ölpreise steigen, doch das sei zu verkraften, glaubt der Berater der Bundesregierung. Auch eine kurzfristige Anhebung der Inflation wäre eine mögliche Folge. Er glaubt aber nicht, dass es zu solchen Auswirkungen kommen werde. 

Sanktionen noch nicht ausgeschöpft

Technisch gesehen seien die Sanktionen gegen Russland noch nicht ausgeschöpft, meint Boltz. Es gebe noch "eine Fülle an Produkten und Rohstoffen", die man sanktionieren könnte. Politisch sei man im Europa allerdings "relativ stark" am Ende angekommen. Boltz ist überzeugt, dass die Sanktionen im Summe eine "ziemliche Wirkung zeigen".

Trotzdem ist er der Ansicht, dass noch "die ein oder andere Sanktion in einigen Bereichen" dazukommen werde. Allerdings sollten vor allem die bisherigen Sanktionen "ordentlich durchgesetzt" werden - da sei noch Luft nach oben.

Astrid PozarekQuelle: Redaktion / poz