APA - Austria Presse Agentur

Bildungsdirektor und Elternvertreter fordern Perspektive

31. März 2020 · Lesedauer 4 min

Der Wiener Bildungsdirektor Heinrich Himmer fordert ebenso wie Elternvertreterinnen eine klare Perspektive, wie lange die Schulen wegen der Coronakrise geschlossen bleiben. "Man muss eine zeitliche Perspektive definieren, um den Eltern und auch den Schulen eine gewisse Planungssicherheit zu geben", sagte Himmer am Dienstag im Ö1-"Morgenjournal". Die FPÖ will heuer eine Aussetzung der Matura.

Der Wiener Bildungsdirektor Heinrich Himmer fordert ebenso wie Elternvertreterinnen eine klare Perspektive, wie lange die Schulen wegen der Coronakrise geschlossen bleiben. "Man muss eine zeitliche Perspektive definieren, um den Eltern und auch den Schulen eine gewisse Planungssicherheit zu geben", sagte Himmer am Dienstag im Ö1-"Morgenjournal". Die FPÖ will heuer eine Aussetzung der Matura.

Es brauche "Klarheit, wie das Schuljahr in diesen kommenden Wochen und Monaten aussehen soll", ergänzte Himmer. Er erklärte, dass in der Überbrückungszeit in den Schulen die Kinder nicht nur betreut werden, sondern auch Unterrichtsstoff vertieft und wiederholt würde. Sollte diese Phase länger dauern, "muss man sich Gedanken machen", was im Bildungsministerium auch geschehe.

Zudem bedeutet die Beschulung daheim für viele Familien eine große Belastung - vor allem für jene, die ohnehin schon weniger Ressourcen und damit schlechtere Bildungschancen haben. Dieses "In-den-Tag-Hineinarbeiten" sei für Familien sehr stressig und auch angesichts der nötigen Ausstattung etwa mit Laptops eine große Herausforderung.

Lehrer stünden gerade vor einem Spagat, wie eine Volksschullehrerin aus Wien-Meidling der APA schildert: Während die Eltern vor einer Überforderung der Kinder mit zu vielen Aufgaben warnen, hieß es von Schulleitung und Bildungsministerium: "Ihr werdet weiter bezahlt, ihr müsst leisten." Eine Verlängerung der Schulsperren nach Ostern werde die Eltern vielfach an die Grenzen bringen, fürchtet sie. "Das Konfliktpotenzial wird größer, die Frustrationstoleranz geringer."

Die Ganztagsvolksschule Vereinsgasse in Wien-Leopoldstadt hat unterdessen auf ihrer Facebook-Seite selbst an die Eltern appelliert, die Schule in der aktuellen Situation nicht zu ernst zu nehmen. Es sei in Ordnung, wenn die Kinder nicht alle Lernübungen schaffen oder die Eltern ihnen nicht alles erklären können. Die Familien sollten auch keinesfalls wegen der Lernaufgaben streiten. "Wenn Corona vorbei ist, wird sich kein Kind daran erinnern, welche Lernübungen es daheim gemacht hat. Aber jedes Kind wird sich daran erinnern, wie es sich in dieser Zeit daheim gefühlt hat!", heißt es hier.

"Es darf nicht eine Schule der zwei Geschwindigkeiten werden", betonte Himmer dazu. "Es darf nicht sein, dass die, die in der Schule sind, mehr bekommen, besser dran sind als die, die zuhause sind." Denn dann würde im Herbst eine Situation entstehen, wo Schüler ganz unterschiedliche Chancen und Voraussetzungen haben.

Elternvertreterinnen verweisen darauf, dass künftig mehr Kinder in den Schulen betreut werden müssten, wenn die Geschäfte vor den Schulen geöffnet werden, wie Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) am Montag bekanntgab. Evelyn Kometter, Vorsitzende des Dachverbands der Elternvereine an Pflichtschulen, sagte: "Wir vermuten natürlich, dass dann auch mehr Schüler in den Schulen betreut werden müssen, wenn die Eltern wieder ihren täglichen Ablauf haben an ihren Arbeitsplätzen."

Die Vorsitzende des Bundesverbandes der Elternvereine an mittleren und höheren Schulen (BEV), Elisabeth Rosenberger, kann sich Unterricht in den Schularbeitsfächern und mit Mundschutz vorstellen. "Wenn man in Geschäften einkaufen darf mit dieser Mundschutzmaske, warum soll dann nicht auch Unterricht stattfinden, also nicht für die ganze Schule, aber für einzelne Klassen?", fragte Rosenberger. Möglich wäre dies laut ihr auch in Maturaklassen, die sogar kleiner als normale Schulklassen seien. "

Die FPÖ verlangt in Sachen Matura mehr Autonomie für die Schulen. "Die Schulen wissen meist ganz genau, wie sie mit der Situation vor Ort am besten umgehen", so Unterrichtssprecher Hermann Brückl in einer Aussendung. Die Zentralmatura soll daher ausgesetzt und den Schulen die Möglichkeit gegeben werden, die Reifeprüfungen nach ihren Bedürfnissen selbst zu handhaben - sowohl zeitlich als auch beim Prüfungsstoff. "Unumgänglich ist es jedoch, endlich eine Entscheidung zu fällen und für Gewissheit zu sorgen."

Quelle: Agenturen