Biden sucht seine "Running Mate"

29. Juli 2020 · Lesedauer 4 min

In der ersten Augustwoche will Joe Biden bekannt geben, wen er als "Running Mate", also Vizepräsidentin, an seine Seite holt. Er könnte damit die Vorentscheidung über eine künftige Präsidentin treffen. Ein Überblick über die aussichtsreichsten Kandidatinnen.

Die Entscheidung naht. Nachdem der designierte Präsidentschaftskandidat der US-Demokraten, Joe Biden, in den letzten Monaten mit potenziellen Kandidatinnen gesprochen hat und seine Mitarbeiter ihre Hintergründe durchleuchtet haben, wird er nächste Woche bekannt geben, wer im Fall eines Wahlsiegs als Vizepräsidentin mit ihm ins Weiße Haus einziehen wird. Das bestätigte Biden bei einem Wahlkampfauftritt am Dienstag in Wilmington im US-Bundesstaat Delaware.

Diese Entscheidung wird zwar immer mit Interesse erwartet, aber von großer Bedeutung ist sie nur sehr selten. Bei Biden ist es anders, wie der USA-Experte Yussi Pick im PULS 24 Interview betont. Joe Biden sei aufgrund seines Alters nur "Staffelübergeber". Er suche deshalb nicht nur eine Vizepräsidentin für sich selbst aus. Er suche eine Kandidatin, die das Zeug habe, die nächste demokratische Präsidentschaftskandidatin zu werden, so Pick.

Da Biden bei seiner Angelobung zum Präsidenten 78 Jahre alt wäre, ist ein weiteres Szenario zu bedenken: Falls dem Präsidenten etwas zustößt oder er sein Amt aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr ausüben kann, rückt die Nummer zwei an die Spitze.

Deshalb wird Bidens "Running Mate" auch daran gemessen werden, ob sie auch für das höchste Amt geeignet ist. Das erschwert die Suche. Nicht jede Kandidatin, die im Wahlkampf bei bestimmten Wählergruppen punkten könnte, bringt die Voraussetzungen für das Amt des Präsidenten mit.

Biden hat bereits erklärt, dass er nur mit einer Frau antreten will, mit der er sich persönlich versteht. Das schränkt den Kreis der Bewerberinnen ein. Diesen drei Frauen werden die besten Chancen eingeräumt:

Kamala Harris

APA - Austria Presse Agentur

Die 55-jährige Senatorin aus Kalifornien gilt medial als Topfavoritin. Sie war Justizministerin in ihrem Heimatstaat und kennt den Politikbetrieb in Washington. Harris hatte selbst für Präsidentschaft kandidiert, stieg aber nach glanzlosen Vorstellungen aus dem Rennen aus. Gegen sie spricht vor allem, dass sie als Ministerin eine harte Linie in der Strafverfolgung befürwortete. Sie sprach sich unter anderem gegen Bodycams für alle Polizisten aus. Dies ist in Zeiten von Black Lives Matter ein nicht zu unterschätzender Nachteil.

Susan Rice

NICHOLAS KAMM / AFP

Die Regierungserfahrung die anderen Kandidatinnen fehlt, hat Susan Rice zur Genüge: Die 55-Jährige war vier Jahre lang Sicherheitsberaterin von Barack Obama. Sie gilt als ruhige und sachliche Verhandlerin, was sie unter anderem bei den Verhandlungen über das Atomabkommen mit dem Iran und beim Pariser Klimaabkommen unter Beweis gestellt hat. Außerdem vertrat sie die USA als Botschafterin bei den Vereinten Nationen. Außerdem spricht für Rice, dass Biden sie bereits seit Jahre kennt und ihr vertraut. Ihr größtes Manko ist, dass sie noch nie eine Wahl bestritten hat.

Tammy Duckworth

APA - Austria Presse Agentur

Die dritte aussichtsreiche Kandidatin ist die 52-jährige Tammy Duckworth. Die Senatorin aus Illinois wurde in den vergangenen Wochen immer wieder von Donald Trump und seinen Anhängern attackiert. Das zeigt für wie gefährlich sie von den Republikanern eingestuft wird. Duckworth verlor als Hubschrauberpilotin im Irak bei einem Beschuss beide Beine und trägt seither Prothesen. Sie ist in Thailand geboren und wäre die erste asiatisch-amerikanische Kandidatin auf das Vizepräsidentenamt. In wirtschaftlichen und ökologischen Fragen verfolgt sie keine klare Linie. Das könnte ein Nachteil für sie sein.

10 Kandidatinnen im Rennen

Insgesamt werden zehn Kandidatinnen Chancen auf die Position eingeräumt. Darunter sind unter anderem die Gouverneurin von New Mexiko, Michelle Lujan Grisham, die die einzige Latina unter den Bewerberinnen ist, die Kongressabgeordnete Val Demings, die das Impeachment-Verfahren gegen Trump vorbereitet hat, und die renommierte Senatorin Elisabeth Warren, die aber 71 Jahre alt ist und somit der der gleichen Generation wie Biden angehört.

 

Quelle: Agenturen / Redaktion / apb