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Berichte über systematische Vergewaltigung durch russische Soldaten

12. Apr. 2022 · Lesedauer 4 min

Mehrere Medien berichten über sexuelle Gewalt, welche der ukrainischen Zivilbevölkerung von russischen Truppen angetan wurde. Die UNO kündigt weitere Ermittlungen an.

Bei den Kriegsverbrechen-Ermittlungen in der ukrainischen Kleinstadt Butscha wurden schwere Fälle von sexueller Gewalt aufgedeckt, berichten der australische "The Sydney Herald" und die britische "BBC". Demnach sollen russische Truppen Frauen und Mädchen, welche in einem Keller festgehalten wurden, mehrfach vergewaltigt, gefoltert und missbraucht haben. Die beiden Medien berufen sich auf Informationen von Lyudmyla Denisova, welche die offizielle Ombudsfrau für Menschenrechte in der Ukraine ist.

Neue Berichte aus den Vororten

Laut Denisova seien nun neun Frauen schwanger. "Russische Soldaten sagten ihnen, dass sie sie bis zu dem Punkt vergewaltigen würden, an welchem sie keinen sexuellen Kontakt mit irgendeinem anderen Mann mehr wollen würden, um sie so daran zu hindern, ukrainische Kinder zu bekommen“, sagte sie der "BBC". Die Aussagen von Denisova – welche auf dem sozialen Netzwerk Facebook veröffentlicht wurden - wurden noch nicht von unabhängiger Seite überprüft.

"Das Ausmaß der Brutalität der Armee von Terroristen und Henkern der Russischen Föderation kennt keine Grenzen – vergewaltigte Kinder. (…) Es gibt keinen Ort auf der Erde oder in der Hölle, an dem sich rassistische Kriminelle vor Vergeltung verstecken können!", schreibt sie und fordert die UN-Menschenrechtskommission dazu auf, die "russischen Kriegsverbrechen in der Ukraine" als solche anzuerkennen.

Sollten diese Informationen stimmen, reihen sich diese Ereignisse in eine Ansammlung an Gewalttaten der russischen Armee in den Vororten der ukrainischen Hauptstadt ein, welche aktuell von zahlreichen offiziellen Stellen untersucht werden. Dazu zählen unter anderem Folter und Gewalttaten gegenüber der Zivilbevölkerung.

Mit Waffe aus dem Haus gebracht

Am Dienstag strahlte die "BBC" ein Interview mit einer 50-jährigen Frau aus, welche berichtet, wie sie in einer ländlichen Gegend etwa 70 Kilometer westlich von Kiew mit vorgehaltener Waffe vergewaltigt wurde. Die Frau erzählt, sie sei am siebten März mit ihrem Ehemann zu Hause gewesen, als ein ausländischer Soldat hereinplatzte.

"Mit vorgehaltener Waffe brachte er mich zu einem Haus in der Nähe. Er befahl mir: 'Zieh dich aus oder ich erschieße dich.'" Er drohte immer wieder, mich zu töten, wenn ich nicht tue, was er sagte. Dann fing er an, mich zu vergewaltigen".

Die Frau sagt, ihr Angreifer – ein junger, dünner, mit Russland verbündeter tschetschenischer Kämpfer – sei von einer separaten Einheit russischer Soldaten weggebracht worden, als sie das Verbrechen entdeckten. Ihr Mann wurde in den Unterleib geschossen und verstarb später. Die Identität der Frau wurde aufgrund des Sicherheitsrisikos für sie geheim gehalten.

UNO ermittelt - Russland bestreitet 

Die hochrangige UN-Beamtin Sima Bahous, welche die Direktorin der UNO-Frauenrechtsorganisation ist, sagte am Montag vor dem Sicherheitsrat der Vereinten Nationen, dass zwar alle Anschuldigungen unabhängig untersucht werden müssten, "die Brutalität gegen ukrainische Zivilisten" lasse jedoch "alle Alarmglocken schrillen". So höre man auch zunehmend von Vergewaltigungen und sexueller Gewalt.

Russlands stellvertretender UN-Botschafter Gennady Kuzmin wies die Vorwürfe zurück und beschuldigte die Ukraine und ihre Verbündeten "eine klare Absicht" zu haben "russische Soldaten als Sadisten und Vergewaltiger darzustellen".

Das russische Verteidigungsministerium sagte außerdem, die ukrainische Regierung werde von den Vereinigten Staaten angewiesen, falsche Beweise für russische Gewalt gegen Zivilisten zu streuen, und dass, obwohl Russland "beispiellose Maßnahmen zur Rettung von Zivilisten" betreibe.

Was im Krieg erlaubt ist

Das Kriegsrecht verbieten vorsätzliche Tötung, Vergewaltigung und andere sexuelle Gewalt, Folter und unmenschliche Behandlung von gefangenen Soldatinnen und Soldaten sowie Zivilistinnen und Zivilisten in Gewahrsam.

Wer solche Maßnahmen anordnet, vorsätzlich begeht oder sich solchen Befehlen nicht widersetzt, verübt ein Kriegsverbrechen. Kommandeure von Streitkräften, die solche Vorgänge mitbekommen haben, aber nicht versuchten sie zu stoppen oder die Verantwortlichen zu bestrafen, sind im Rahmen der Befehlsverantwortung strafrechtlich für Kriegsverbrechen haftbar.

Ermittler des Internationalen Strafgerichtshofs und unabhängige Nichtregierungsorganisationen arbeiten bereits in der Ukraine, um Beweise zu sammeln und zu prüfen.

Quelle: Redaktion