Bericht: Moskau stimmt Getreidelieferungen aus Odessa zu

06. Juni 2022 · Lesedauer 2 min

Die russische Führung hat einem Medienbericht zufolge mit Kiew und Ankara ein Schema zur Freigabe von Getreidelieferungen aus dem bisher blockierten, ukrainischen Schwarzmeerhafen Odessa abgestimmt.

"In den Hoheitsgewässern des Nachbarlands übernehmen türkische Militärs die Minenräumung und sie werden auch die Schiffe bis in neutrale Gewässer begleiten", beschrieb die kremlnahe Tageszeitung "Iswestija" am Montag unter Berufung auf Regierungskreise den geplanten Ablauf. Ende Mai verlangte Russlands Präsident Putin noch, das Getreide werde nur geliefert, wenn der Westen die Sanktionen gegen Russland aufhebt. Später würden russische Kriegsschiffe die Getreidefrachter bis zum Bosporus eskortieren.

Angst vor Hungersnot

Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine hat zu massiven Turbulenzen auf den Weltmärkten geführt und die Preise für Lebensmittel in die Höhe getrieben. Die Ukraine ist einer der größten Getreideexporteure weltweit. Die russische Blockade ukrainischer Häfen hatte deshalb speziell in den armen Ländern Afrikas zu Befürchtungen vor einer Hungersnot geführt.

Zuletzt empfing der russische Machthaber Wladimir Putin deswegen den Präsidenten der Afrikanischen Union (AU), den senegalesischen Präsidenten, Macky Sall. Während Putin eine Schuld Russlands an der Lebensmittelkrise abstritt, zeigte er sich bereit, die Getreidelieferungen zu ermöglichen.

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Lawrow reist in die Türkei

Der russische Außenminister Sergej Lawrow wird am Mittwoch in Ankara zu Gesprächen erwartet. Kreml-Sprecher Dmitri Peskow hatte im Vorfeld bereits bestätigt, dass das Thema Getreidelieferungen aus der Ukraine dabei thematisiert werde. Laut dem Zeitungsbericht soll das Schema dort im Detail abgestimmt und dann offiziell abgesegnet werden. Bisher wurde demnach nur für Odessa eine solche Freigabe vereinbart.

Bis zum Herbst können nach den Worten des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj bis zu 75 Millionen Tonnen Getreide in der Ukraine festsitzen. Kiew benötige Anti-Schiffswaffen, welche die sichere Durchfahrt seiner Exporte gewährleisten könnten, sagt Selenskyj am Montag in Kiew. Gemeinsam mit Großbritannien und der Türkei sei aber auch die Idee erörtert worden, dass die Marine eines Drittlandes die Durchfahrt der ukrainischen Getreideexporte durch das von Russland beherrschte Schwarze Meer garantiere. Der beste Garant dafür sei jedoch die Bewaffnung der Ukraine, sagte Selenskyj zu Journalisten.

Quelle: Agenturen / Redaktion / lam