APA/EXPA/JOHANN GRODER

Beinschab-Studien: Kurz ein "hinterfotziger Pfau" und die FPÖ ein Dacia

26. Jan. 2022 · Lesedauer 4 min

Das Finanzministerium hat am Mittwoch alle Umfragen der Meinungsforscherin Sabine Beinschab veröffentlicht. Politiker werden mit Tieren, Parteien mit Autos verglichen.

Nach den Hinweisen auf Finanzierung von zu Gunsten der ÖVP und Sebastian Kurz manipulierten Umfragen durch das Finanzministerium, ließ das Ministerium diesen Verdacht vor einigen Wochen durch eine interne Revision prüfen. Finanzminister Magnus Brunner (ÖVP) sprach nach Veröffentlichung des Bericht von einem "Strukturversagen". 

Negativ aufgefallen ist der internen Revision insbesondere eine Studie der Meinungsforscherin Sabine Beinschab zur "Wirtschafts- und Budgetpolitik" aus dem Jahr 2017. Nach Rücksprache mit der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft hat das Finanzministerium diese und andere Studien nun veröffentlicht. Sie hätten 34.680 Euro kosten sollen, letztendlich wurden 155.940 dafür bezahlt. Die in der Studie abgefragten Inhalte wirken skurril. 

Mehr dazu:

Welches Tier ist Kurz?

So fragte die Meinungsforscherin etwa ab, welchen Tieren die damaligen Spitzenpolitiker entsprechen würden. Sebastian Kurz etwa werde vor allem mit einem Pfau verbunden - "ist hinterfotzig, will alles übernehmen, geht über Leichen". Gleichzeitig sei er "süß" wie ein Eichhörnchen und wolle "hoch hinaus". Der ehemalige Kanzler sei aber auch wie ein Delfin, "schlau und gefährlich" sowie "bissig wie ein Dachs". 

Kurz' Vorgänger Reinhold Mitterlehner könne "gefährlich werden" wie eine Hyäne, will einen "Platz im Rudel finden" wie ein Affe, verstecke sich "wie ein Maulwurf", sei aber doch auch ein "alter Hase" und "nicht so aggressiv" wie Kern. 

Christian Kern wiederum wird als "eitler Pfau", als "schlauer" und "hinterhältiger" Fuchs und als Hirsch, der sein Revier verteidige dargestellt. 

Zu Parteikollege Hans Peter Doskozil heißt es: "Ein Wildschwein oder Eber passt zu seinem Aussehen", er können seinen Willen wie ein Bulle durchsetzen, er sei aber auch treu und scharf wie ein Hund.

Ex-NEOS-Chef Matthias Strolz springe wiederum herum und mache Wirbel wie ein Affe, sei aber auch wie ein Schildkröte: "Klein, unauffällig, geht ihren Weg". 

Der ehemalige ÖVP-Finanzminister Hans-Jörg Schelling sei ruhig und mächtig, langsam und gewichtig wie ein Bär, hat aber auch den Überblick wie ein Kauz. 

Welches Tier ist Strache?

Zu guter Letzt muss auch noch der ehemalige FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache herhalten. Er sei laut, giftig und falsch, wie eine Klapperschlange, bissig wie ein Schäferhund und gleich einer Ratte wühle er "im Mist von anderen".

Bevor Politiker mit Tieren verglichen wurden, kamen die Parteien als Ganzes dran - diese sollen aber laut der Umfrage Automarken ähneln. Die ÖVP sei etwa ein "Volkswagen" - "stehen geblieben" wie ein VW-Käfer und in Skandale verwickelt wie VW. 

Die SPÖ wäre ein Ford oder ein Opel - ein "Auto ohne Profil" oder auch ein VW-Bus. "Früher ein tolles Gefährt, jetzt steht er nur noch rum". Die FPÖ sei ein Dacia oder ein Skoda -  also "irgendetwas billiges", könnte aber auch ein tiefergelegter Golf GTI sein - "passt zu den Wählern" oder ein blauer Mini, der dynamisch ist und auffällt. 

Die Grünen wären wiederum ein VW Bus mit Insassen mit Rasterlocken und Joints oder ein Tesla, "weil bei den Grünen geht auch nicht so viel weiter". Die NEOS seien wie ein altes Pucherl von früher, der Motor macht Krach, ist laut, aber man kommt auch nicht weit damit".

Unter den veröffentlichten Studien befinden sich insgesamt 22 Dokumente aus den Jahren 2016 bis 2019. Die Studien waren bisher unter Verschluss - obwohl nach diversen Medienberichten darüber immer wieder die Veröffentlichung gefordert worden war. Jetzt kam es dazu - im Zuge der Aktenlieferungen an den U-Ausschuss. Man habe über die Finanzprokuratur explizit bei der WKStA nachgefragt, ob sie einer Veröffentlichung zustimme. Diese Zustimmung sei nun erfolgt, deshalb habe man die Studien unverzüglich online gestellt, hieß es am Mittwoch aus dem Umfeld des Ministeriums.

Ermittlungen nach Schmid-Chats

Studien stehen im Zentrum der Ermittlungen der WKStA gegen die ÖVP, die zum Rücktritt von Kanzler Sebastian Kurz, Finanzminister Gernot Blümel und einiger Mitarbeiter geführt haben. Die WKStA ermittelt wegen des Verdachts, dass Vertraute von Kurz dessen politischen Aufstieg durch manipulierte Umfragen unterstützt und dafür aus Mitteln des Finanzministerium bezahlt haben könnten. Hinweise darauf entnahmen die Ermittler sichergestellten Chats zwischen dem früheren Generalsekretär im Finanzministerium, Thomas Schmid, und der lange für die Tageszeitung "Österreich" tätigen Meinungsforscherin Beinschab. Die Ermittler glauben, dass Beinschab später in "Österreich" veröffentlichte Umfragen über Scheinaufträge an das Finanzministerium verrechnet haben könnte.

Mehr dazu:

 

Konstantin AuerQuelle: Redaktion / koa