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Barrikaden um Bauern-Protest-Camps in Neu Delhi errichtet

03. Feb 2021 · Lesedauer 2 min

In der indischen Hauptstadt Neu Delhi haben Sicherheitskräfte weitere Barrikaden um die Lager protestierender Bauern errichtet und zum Teil Straßen ausgehoben, um diese zu stoppen. Laut den Bauern wurde die Wasser-, Strom- und Internetversorgung gekappt, mobile Toiletten seien entfernt worden. Der Shutdown des Internets diente Regierungsangaben zufolge der öffentlichen Sicherheit. Vergangene Woche war es zu gewaltsamen Zusammenstößen zwischen Bauern und Polizisten gekommen.

Inzwischen haben sich auch internationale Prominente wie US-Sängerin Rihanna und die schwedische Klimaaktivistin Greta Thunberg geäußert. "Warum reden wir nicht darüber?! #Bauernprotest", twitterte Rihanna und teilte einen entsprechenden Artikel von CNN. Diesen Artikel verbreitete einige Stunden später auch Thunberg und schrieb dazu: "Wir stehen in Solidarität mit dem #Bauernprotest in Indien."

Darauf kam Kritik aus dem indischen Außenministerium: "Bevor in solchen Angelegenheiten schnell kommentiert wird, ermahnen wir, dass Fakten ermittelt und ein angemessenes Verständnis der vorliegenden Sachverhalte vorgenommen wird", hieß es in einer Mitteilung. Sehr wenige Bauern in Indien hätten Bedenken gegen die Reform, schrieb das Ministerium.

Seit November kampieren Zehntausende Bauern rund um die Hauptstadt und forderten zunächst friedlich kontroverse Marktliberalisierungsgesetze aufzuheben. In Indien wurde Getreide bisher in staatlich organisierten Großmärkten zu garantierten Mindestpreisen gehandelt. Nach der Reform sollen die Bauern ihre Ware auch direkt an Privatfirmen verkaufen können. Die Regierung argumentiert, dass die Erzeuger auf dem freien Markt höhere Gewinne erzielen können und die Reform die Landwirtschaft modernisiere. Die Bauern hingegen befürchten einen Preisverfall, weil sie in Verhandlungen mit den Agrarkonzernen in einer schlechten Position wären.

Die Landwirtschaft trägt rund 15 Prozent zur indischen Wirtschaftsleistung bei und ist Lebensgrundlage für rund 60 Prozent der mehr als 1,3 Milliarden Einwohner des Landes. Viele Bauern in Indien haben Geldsorgen. Gespräche zwischen Bauern- und Regierungsvertretern hatten bisher nicht zu einer Einigung geführt.

Quelle: Agenturen