APA/APA/TURKISH FOREIGN MINISTRY (Archiv)/HANDOUT

Außenminister Griechenlands und der Türkei verbal im Clinch

Heute, 03:02 · Lesedauer 3 min

Die Außenminister Griechenlands und der Türkei, Giorgos Gerapetritis, liefern einander dieser Tage einen verbalen Schlagabtausch. Fidan warf griechischen Politikern vor, aus innenpolitischen Interessen systematisch "antitürkische Gefühle und Propaganda" zu schüren. Gerapetritis konterte laut Medienberichten mit der Feststellung, die "guten Nachbarschaftsbeziehungen, die Griechenland seit jeher anstrebt", sollten nicht durch "unangebrachte Äußerungen gefährdet" werden.

Griechenland leide keineswegs unter Angstsyndromen und definiere sich keineswegs "über die Türkei", so der Politiker der rechtskonservativen Regierungspartei Nea Dimokratia (ND). Athen akzeptiere aber keine Anweisungen "von irgendjemandem".

In einem Interview mit dem Fernsehsender "TGRT Haber" hatte Fidan erklärt, griechische Politiker würden jedes Mal, wenn sie mit internen Problemen konfrontiert seien, Konflikte mit Türkei herbeireden, um von der eigentlichen Thematik abzulenken.

"In der Innenpolitik Griechenlands stehen Themen, die die Türkei betreffen, immer im Vordergrund", so der Politiker der islamisch-rechtspopulistischen Regierungspartei AKP von Präsident Recep Tayyip Erdoğan. "Es ist wie ein politisches Schmerzmittel: Wenn du nicht mehr weiter weißt, bringst du die Türkei, das Mittelmeer, die Ägäis ins Spiel." Diese "billige Politik" sei aber gefährlich für die bilateralen Beziehungen. "Sie schürt die Angst und führt nur zu Panik."

Griechenlands Verteidigungsminister Nikos Dendias (ebenfalls Nea Dimokratia) bezeichnete diese Aussagen seinerseits als "inakzeptabel und unangemessen" und holte zum Seitenhieb aus. Der türkische Außenminister verstoße gegen einen Grundsatz, der selbst Αnfängerdiplomaten bekannt sein sollte, polterte Dendias. Es gelte "das Prinzip der Nichteinmischung in die Innenpolitik anderer Länder".

Streit um Erdgas- und Kohlenwasserstoffvorkommen

Die Türkei und Griechenland streiten seit geraumer Zeit um Erdgas- und Kohlenwasserstoffvorkommen, die im östlichen Mittelmeer und in der Ägäis gefunden wurden. Die Regierung in Griechenland, aber auch jene der Republik Zypern, sind mit den Ansprüchen der Türkei auf Bohrrechte in der Region nicht einverstanden.

Dendias warnte Anfang August vor wachsenden Spannungen mit der Türkei. Ankara habe der UNO zuletzt Seekarten zur maritimen Raumplanung vorgelegt, auf der die umstrittene Strategie der "Blauen Heimat" vorangetrieben werde, hieß es in Athen. Auf den präsentierten Karten beanspruche die Türkei Meeresgebiete vom Fluss Evros (türkisch Meriç) bis südlich der Dodekanes-Inseln, wodurch die Ägäis praktisch in zwei Teile geteilt werden würde.

Athen wegen "Karte der Blauen Heimat" besorgt

Die von der Türkei unter Präsident Erdoğan und seiner Partei AKP gerne präsentierte "Karte der Blauen Heimat" ist seit längerer Zeit ein Zankapfel zwischen den beiden Mittelmeerstaaten. Sie sei sogar in türkischen Schulbüchern abgebildet, lautet die Kritik aus Athen.

Es handelt sich um eine auch in Armeekreisen gängige Landkarte, die grundsätzlich ein als "Mavi Vatan" ("Blaue Heimat") ausgewiesenes türkisches Hoheitsgebiet zeige, welches auch die griechischen Ägäis-Inseln Limnos, Lesbos, Chios sowie den Osten Kretas umfasst, heißt es in griechischen Medienberichten. Das Original hängt demnach in der Militäruniversität in Istanbul.

Zuletzt seien die in der "Blaue-Heimat-Karte" vermerkten Gebietsansprüche der Türkei sogar ausgeweitet worden, lautet der Vorwurf aus Athen. Ankara wolle damit die Hoheitsrechte von Inseln in der Ägäis und das internationale Seerechtsübereinkommen zunehmend infrage stellen.

Gerapetritis und Fidan hatten in der Vergangenheit bei mehreren Treffen versucht, sich in "schwierigen und entscheidenden Fragen" anzunähern. Die Positionen seien aber immer noch unterschiedlich, die Konfliktthemen müssten erneut diskutiert werden, erklärten die Minister etwa im November des Vorjahrs bei einer gemeinsamen Pressekonferenz in Athen. Zuvor waren sie etwa kurz nach ihren jeweiligen Amtsantritten 2023 in Athen zusammengekommen.

Zusammenfassung
  • Im Zentrum des Streits stehen die von der Türkei bei der UNO eingereichten Seekarten zur 'Blauen Heimat', die Meeresgebiete vom Fluss Evros bis südlich der Dodekanes-Inseln sowie mehrere griechische Inseln als türkisches Hoheitsgebiet ausweisen.
  • Die griechische Regierung kritisiert, dass die Gebietsansprüche der Türkei zuletzt ausgeweitet wurden, und warnt vor wachsenden Spannungen im östlichen Mittelmeer und der Ägäis.