Ausschreitungen bei Demo gegen Winterspiele in Mailand
Die Einsatzkräfte waren in Alarmbereitschaft, nachdem bei gewalttätigen Protesten gegen die Schließung eines Kulturzentrums in Turin am vergangenen Wochenende mehr als hundert Beamte verletzt worden waren. Gegner der Olympischen Winterspiele bemängeln vor allem deren Auswirkungen auf das fragile Ökosystem der Bergwelt sowie den wasser- und energieintensiven Einsatz von Kunstschnee.
Demonstranten hielten Transparente hoch, auf denen sie die Verwendung von Kunstschnee kritisierten oder das Fällen von Bäumen anprangerten. Auch die Wohnungsnot in der Finanz- und Modemetropole Mailand thematisierten die Teilnehmer der Kundgebung. "Die Spiele sind aus ökologischer und sozialer Sicht nicht mehr tragbar, ihre Zeit ist abgelaufen", sagte die 29-jährige Demonstrantin Francesca Missana.
"Ich bin hier, weil diese Olympischen Spiele unhaltbar sind - wirtschaftlich, sozial und ökologisch", sagte der 71-jährige Teilnehmer Stefano Nutini. Das Internationale Olympische Komitee (IOC) verweist dagegen darauf, dass die Spiele größtenteils bestehende Anlagen nutzten und daher nachhaltiger seien.
"Diese Spiele wurden als nachhaltig und kostenneutral beworben", kritisierte seinerseits Alberto di Monte, einer der Organisatoren des Protestmarsches, zu dem Gewerkschaften und Aktivisten aufgerufen hatten. Da es sich jedoch um eine geografisch besonders weit verstreute Veranstaltung handelt, seien Milliardenbeträge für den Bau von Straßen ausgegeben worden anstatt für den Schutz der Berge, sagte di Monte.
Die Winterspiele Mailand-Cortina verteilen sich auf mehrere Austragungsorte in den italienischen Alpen. Die Eröffnungsfeier fand an vier Standorten statt - in Mailand, Cortina d'Ampezzo, Predazzo und Livigno. Insgesamt sind 2.900 Athleten angereist.
Der 69-jährige Demonstrant Giovanni Gaiani kritisierte die Entscheidung, Hunderte Bäume zu fällen, um die umstrittene Bobbahn Mailand-Cortina zu bauen. Andere Demonstranten hielten Dutzende Pappbäume hoch, bevor sie diese auf dem Boden legten - so als seien sie gefällt worden.
"Freie Berge, weniger Eis, mehr Gletscher", stand auf einem anderen Banner - eine Anspielung auf den umstrittenen Einsatz von Beamten der US-Einwanderungsbehörde ICE, welche die US-Delegation nach Italien begleiten. ICE geht derzeit in den USA mit Abschiebe-Razzien massiv gegen Migranten ohne gültigen Aufenthaltstitel vor.
Zusammenfassung
- Tausende Menschen protestierten in Mailand gegen die Olympischen Winterspiele, wobei es zu Ausschreitungen mit Feuerwerkskörpern, Steinwürfen und dem Einsatz von Wasserwerfern durch die Polizei kam.
- Kritikpunkte der Demonstranten waren vor allem Umweltaspekte wie der wasser- und energieintensive Kunstschnee, das Fällen von Hunderten Bäumen sowie die Wohnungsnot in der Stadt.
- Die Winterspiele Mailand-Cortina finden an mehreren Standorten mit insgesamt 2.900 Athleten statt, während das IOC auf die Nutzung bestehender Anlagen und Nachhaltigkeit verweist.
