AstraZeneca: Kompletter Lieferausfall diese Woche - Wien ist "grantig"

08. Apr 2021 · Lesedauer 3 min

Am Mittwochnachmittag informierte der Bund die Impf-Verantwortlichen der Länder, dass es diese Woche keine Lieferung mit AstraZeneca-Impfstoff geben wird. Die Impfkoordinatoren in Wien "sind zugegeben grantig".

Es ist noch keine Woche her, da verkündete Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP), dass "in den nächsten 100 Tagen jedem, der sich impfen lassen möchte, zumindest die erste Impfung" angeboten werde. Ob das hält, bezweifeln viele – zumal regelmäßig von Verzögerungen beim Impfstoff berichtet wird. Auch in dieser Woche. Am Mittwochnachmittag informierte der Bund die Landeskoordinatoren via Mail, das PULS 24 vorliegt, dass es zu einem kompletten Lieferausfall kommt.

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In Wien ist man sauer. Mario Dujaković, Pressesprecher von Stadtrat Peter Hacker (SPÖ), machte sich dazu via Twitter Luft und berichtet aus "dem Alltag der Impfplanung". Man habe am Mittwochnachmittag um 14.29 Uhr durch ein "lapidares Mail vom Bund" erfahren, dass es "diese Woche doch keine Lieferung von AstraZeneca" gebe. Diese Woche gehe es um 11.000 Impfdosen. "Wir sind zugegeben Grantig (sic!)".

Für die nächste Woche habe man 10.300 Impfdosen von AstraZeneca angekündigt, "bisher konnte man uns erst 5.700 fix zusagen", erklärt Dujaković weiter. Für die übernächste Woche gehe es um 17.100 Dosen – "Davon kann uns derzeit keine einzige Impfdose fix zugesagt werden." Unterm Strich geht es für die drei Wochen um 38.400 Impfdosen (genug für 19.200 Menschen), bei insgesamt 32.700 "ist noch immer ein Fragezeichen dahinter".

Verteidiungsministerium: Keine Info von AZ

Wie dazu Generalmajor Andreas Pernsteiner vom Verteidigungsministerium im Gespräch mit der APA erklärte, wäre an sich vorgesehen, dass AstraZeneca immer freitags die Lieferungen für die folgende Woche bestätigt. Am vergangenen Freitag habe man von AstraZeneca nichts gehört, erst am Dienstag (6. April) hätte sich der Hersteller offiziell gemeldet und seine Lieferangaben korrigiert. "Ähnliche Phänomene" gebe es bei anderen Impfstoffherstellern nicht, sagte Pernsteiner, der speziell auf Biontech/Pfizer verwies, wo Lieferzusagen stets verlässlich umgesetzt würden und Termine halten, was sich günstig auf die logistische Abwicklung und das Einhalten von Impfplänen auswirke.

AstraZeneca dementiert

"AstraZeneca möchte noch einmal klarstellen, dass es im laufenden Austausch mit Vertretern der Europäischen Kommission bezüglich Liefermengen und -terminen steht. So wurden auch - wie üblich - letzten Donnerstag Vertreter der Europäischen Kommission über die Lieferungen für diese Woche (KW14) informiert. Die für diese Woche geplanten Dosen werden diese Woche verschickt und kommen je nach Destination möglicherweise erst am kommenden Montag an. Die für die nächste Woche geplanten Dosen werden, davon unberührt, ebenfalls nächste Woche geliefert", stellte AstraZeneca in einem Statement klar. 

Nächste Lieferung ab 14. April

Die nächsten 2.640 AstraZeneca-Vials werden ab 14. April an die Impfstellen ausgeliefert, die Bundesländer haben gestern, Mittwoch, vom dieswöchigen Lieferausfall erfahren. In der Bundeshauptstadt müssen dessen ungeachtet in dieser und in der kommenden Woche keine Impftermine mit AstraZeneca-Dosen abgesagt werden, versicherte ein Sprecher von Gesundheitsstadtrat Peter Hacker (SPÖ) auf APA-Anfrage. Man verfüge über einen "Puffer", weil man Lieferschwierigkeiten bei AstraZeneca aufgrund gewisser Erfahrungswerte mittlerweile schon miteinkalkuliere. "Jeder geplante Erststich kann stattfinden", bekräftigte der Sprecher.

AstraZeneca zentral für den heimischen Impfplan

Der Impfplan Österreichs setzt vor allem auf den Impfstoff von AstraZeneca, unter anderem, da dieser leichter zu lagern als beispielsweise der von Pfizer und Moderna. Bisher wurden in Österreich übrigens mehr als 421.000 AstraZeneca-Impfungen verabreicht. Dazu kommen mehr als 1,25 Millionen Biontech/Pfizer-Dosen und über 137.000 Immunisierungen mit Moderna. Eine genaue Aufschlüsselung der verabreichten Dosen nach Altersgruppen, Geschlecht und Impfstoff konnte das Gesundheitsministerium auf APA-Anfrage am Donnerstag vorerst nicht vorlegen.

Quelle: Agenturen / Redaktion / moe