APA - Austria Presse Agentur

Aserbaidschan übernimmt Kontrolle über Region Kalbadschar

25. Nov 2020 · Lesedauer 2 min

Im Zuge des Waffenstillstands für die Kaukasusregion Berg-Karabach hat Aserbaidschan nach eigenen Angaben die Kontrolle über den Bezirk Kalbadschar von Armenien übernommen. Wie das Verteidigungsministerium in Baku in der Nacht zum Mittwoch erklärte, betraten "Einheiten der aserbaidschanischen Armee am 25. November das Gebiet Kalbadschar". Am Freitag war bereits der Bezirk Aghdam an Aserbaidschan übergegangen, am 1. Dezember soll Laschin als letzte Region folgen.

Der Bezirk Kalbadschar liegt zwischen Armenien und der umstrittenen Region Berg-Karabach, die völkerrechtlich zu Aserbaidschan gehört aber hauptsächlich von Armeniern bewohnt und kontrolliert wird. Ursprünglich sollte die Übergabe des Bezirks bereits am 15. November erfolgen, aber die Regierung in Baku räumte Armenien aus "humanitären" Gründen mehr Zeit ein.

Vor der Übergabe des Bezirks telefonierte der russische Präsident Wladimir Putin mit seinen Amtskollegen in Aserbaidschan und Armenien. Nach Angaben des Kremls erörterte er dabei "die Modalitäten der Arbeit der russischen Friedenstruppen" in der Region. Putin plane zudem, zusammen mit der Türkei ein "gemeinsames Zentrum zur Beobachtung des Waffenstillstands" zu schaffen.

Laut dem aserbaidschanischen Verteidigungsministerium mussten vor der im Waffenstillstandsvertrag vereinbarten Übernahme von Kalbadschar zunächst die Straßen in der bergigen Region von Minen befreit werden. Vor der Ankunft der Aserbaidschaner sammelten einheimische Armenier Stromkabel ein und montierten Teile eines Wasserkraftwerks ab.

Der Maurer Gagik Jachschibekjan erklärte, die Armenier wollten den Aserbaidschanern nichts zurücklassen: "Also brennen sie ihre Häuser nieder, fällen Bäume und nehmen alles mit", sagte der 43-Jährige. Der 53-jährige Bauarbeiter Artur Kirakosjan betonte im Gespräch mit AFP-Reportern die jahrelange Feindschaft zu dem Nachbarland: "Aserbaidschaner und Armenier werden nie zusammen leben können", prophezeite er.

Auch der Klosterkomplex von Dadiwank in einem Gebirgstal in Kalbadschar fällt nun an das mehrheitlich muslimische Aserbaidschan. Das Kloster aus dem zwölften Jahrhundert gilt als eines der Hauptwerke mittelalterlicher armenischer Architektur und ist eine der wichtigsten Stätten der Armenisch-Apostolischen Kirche. In einer Fernsehansprache hat der aserbaidschanische Präsident Ilham Alijew zugesichert, die vielen religiösen und historischen Anlagen und Denkmäler in den übernommenen Gebieten zu erhalten.

Die Nachbarstaaten Armenien und Aserbaidschan hatten sich vor zwei Wochen unter russischer Vermittlung nach sechswöchigen schweren Kämpfen auf einen Waffenstillstand in der umstrittenen Kaukasusregion Berg-Karabach geeinigt. Das Abkommen sieht vor, dass beide Kriegsparteien jene Gebiete behalten dürfen, in denen sie in diesem Moment die Kontrolle hatten - für Armenien bedeutete das große Gebietsverluste. In Armenien löste das Abkommen deshalb erbitterte Proteste gegen die Regierung aus.

Quelle: Agenturen