AFP

Armenien wirft Asarbaidschan Bruch der Feuerpause vor

23. Sept. 2022 · Lesedauer 2 min

Aserbaidschan habe in der Früh von verschiedenen Standorten aus armenische Stellungen beschossen, teilte das armenische Verteidigungsministerium am Freitag auf Facebook mit.

Armenien habe zurückgeschossen. Von Aserbaidschan gab es zunächst keine Stellungnahme zu den Angaben. Der armenische Regierungschef Nikol Paschinjan hatte dem Nachbarstaat zuvor bei der UNO-Generaldebatte "unsägliche Gräueltaten" vorgeworfen.

Folter und Misshandlungen von Soldaten

Es gebe "Beweise für Folterungen, Verstümmelungen gefangen genommener oder bereits getöteter Soldaten sowie für Misshandlungen Kriegsgefangener", sagte Paschinjan am Donnerstag (Ortszeit) in seiner Rede vor den Vereinten Nationen. Der Körper einer armenischen Soldatin sei "von aserbaidschanischen Soldaten verstümmelt und auf Video aufgenommen" worden. Solche "unsäglichen Gräueltaten" seien die "direkte Folge einer jahrzehntelangen Politik der aserbaidschanischen Führung, die der Gesellschaft im Land Hass auf Armenier einpflanzt", sagte Paschinjan.

Bei heftigen Kämpfen zwischen Armenien und Aserbaidschan waren seit 13. September fast 300 Menschen getötet worden. Beide Seiten machten sich gegenseitig für die Eskalation verantwortlich. Es handelte sich um die heftigsten Gefechte seit dem Krieg zwischen beiden Ländern im Jahr 2020. Am Donnerstag vergangener Woche konnten die Gefechte gestoppt werden.

"Integrität" Armeniens verletzt

Baku habe die "Souveränität und territoriale Integrität" Armeniens verletzt, im Land zivile Infrastruktur beschossen und 7.600 Menschen zur Flucht gezwungen, sagte der armenische Regierungschef Paschinjan vor den Vereinten Nationen. Der bei der UNO-Generaldebatte ebenfalls anwesende aserbaidschanische Außenminister Dschejhun Bajramow hörte den Worten Paschinjans regungslos zu. Bajramow wird am Wochenende vor der UNO-Vollversammlung sprechen.

Die beiden Länder streiten seit Jahrzehnten über das mehrheitlich von Armeniern bewohnte Bergkarabach. Völkerrechtlich gehört das Kaukasusgebiet zu Aserbaidschan, von dem es sich aber 1991 losgesagt hatte. Der Konflikt war 2020 in einem Krieg eskaliert, der nach sechs Wochen mit einer von Russland vermittelten Waffenruhe beendet wurde.

Russische Soldaten überwachen Frieden

Als Teil der Vereinbarung schickte die Moskauer Regierung anschließend Tausende Soldaten in die Region, um den Frieden zu überwachen. Armenien ist militärisch mit Russland verbündet, das aber auch freundschaftliche Verbindungen zu Aserbaidschan aufrechtzuerhalten versucht. Aserbaidschan wird militärisch und finanziell von der Türkei unterstützt.

Quelle: Agenturen / Redaktion / msp