APA - Austria Presse Agentur

Arik Brauer verstarb mit 92 Jahren

25. Jan 2021 · Lesedauer 3 min

Österreich hat einen seiner großen Universalkünstler verloren: Arik Brauer verstarb Sonntagabend im Kreis seiner Familie im Alter von 92 Jahren. Brauer war zwar als Maler einer der Hauptvertreter der Wiener Schule des Phantastischen Realismus, reüssierte aber auch als Grafiker, Bühnenbildner und nicht zuletzt als Sänger ("Sie ham a Haus baut"). "Es gibt eine Zeit, da lebt man, und es gibt zwei Ewigkeiten, da existiert man nicht", so Brauers letzte Worte laut seiner Familie.

Wie stark die Zeit seines Lebens die Republik geprägt hat, zeigen die zahllosen Reaktionen von politischer wie künstlerischer Seite auf die Nachricht vom Tode Arik Brauers. Bundespräsident Alexander Van der Bellen bezeichnete ihn als "Künstler, wie unser Land - an kreativen Menschen so reich - nur wenige hervorgebracht hat", während Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) konstatierte: "Das Ableben von Arik Brauer macht mich tief betroffen." Und Kulturminister Werner Kogler (Grüne) erinnerte an das politische Engagement des Verstorbenen: "Arik Brauer zeigte die Schrecken des Nazi-Terrors bereits zu einer Zeit auf, als in Österreich noch niemand darüber sprechen wollte." Die Stadt Wien bot der Familie, darunter Sängerin Timna Brauer und Schauspielerin Ruth Brauer-Kvam als Töchter, ein Ehrengrab für Arik Brauer an.

Geboren wurde das spätere Universalgenie am 4. Jänner 1929 in Wien als Erich Brauer in eine russisch-jüdische Handwerkerfamilie. Der Nationalsozialismus beendete seine Kindheit im Wien der 30er-Jahre dann abrupt. Brauers Vater starb in einem Konzentrationslager, er selbst überlebte in einem Versteck die NS-Verfolgung. Nach Ende des Zweiten Weltkrieges inskribierte der erst 16-Jährige an der Akademie der bildenden Künste in Wien und unternahm nach seinem Abschluss 1951 ausgedehnte Reisen, deren Eindrücke sein Oeuvre bis zum Schluss prägen sollten.

Mit seiner Frau Naomi ließ er sich dann in Paris nieder und hatte erste Erfolge mit Ausstellungen. Als Brauer 1964 Paris wieder verließ und nach Wien zurückkehrte, genossen die Protagonisten der farbenfrohen Wiener Schule des Phantastischen Realismus bereits große Popularität.

Auf den Lorbeeren des erfolgreichen Malers ruhte sich der Umtriebige jedoch nicht aus, und so erreichte Brauers Musikkarriere in den 70er-Jahren mit Dialektliedern wie "Sie ham a Haus baut" und "Hinter meiner, vorder meiner" als Geburtshelfer des Austropops ihren Höhepunkt. Trotz ihrer dezidiert sozialkritischen Texte wurden die Nummern teils zu Volksliedern, die im allgemeinen Bewusstsein der Österreicherinnen und Österreicher verankert sind.

Die Kreativität Brauers suchte sich aber immer neue Quellen und Zugänge. So war er an Fernsehspielen beteiligt und als Grafiker, Bühnen- und Kostümbildner tätig. 1975 stattete er etwa "Die Zauberflöte" an der Pariser Oper aus und beschäftigte sich ähnlich wie seine Kollegen Ernst Fuchs oder Friedensreich Hundertwasser Anfang der 90er-Jahre mit Architektur. So entstand etwa 1993 in Wien das "Brauer-Haus". Als Professor an der Akademie zog sich Brauer indes 1997 nach zwölfjähriger Lehrtätigkeit zurück.

Anlässlich seines 85. Geburtstag widmete ihm das Leopold Museum in Wien unter dem Titel "Gesamt.Kunst.Werk" eine Werkschau, und 2019 lautete eine Geburtstagsschau im Jüdischen Museum Wien "Alle meine Künste". "Man kann Arik Brauer zu Recht als künstlerisches Universalgenie bezeichnen", zollte heute Direktorin Danielle Spera ihrem "Lebensmenschen" Respekt, der vom Österreichischen Ehrenkreuz 1. Klasse abwärts zahllose Ehrungen sein Eigen nennen konnte.

Saturiert machte das den Künstler bis zum Schluss nicht. Zuletzt arbeitete er etwa an einer Skulptur als Mahnmal für die KZ-Außenstelle am Areal des Flughafens Wien-Schwechat, die feierlich enthüllt werden soll, sobald es die Corona-Bedingungen zulassen. Und 2019 hielt er bei der Verleihung des Fritz-Csoklich-Demokratiepreises eine flammende Rede. Der laut Eigendefinition "berufliche Wunschdenker" plädierte dabei für eine "Weltdemokratie", nur dann könnten die Menschen zufrieden leben.

Quelle: Agenturen