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Appelle zur Absicherung der Behindertenbeschäftigung

Heute, 11:02 · Lesedauer 2 min

Die Arbeitsmarktsituation von Menschen mit Behinderung hat sich zuletzt massiv verschlechtert, warnen deren Vertreterinnen und Vertreter. Die Arbeitslosigkeit sei im Jänner 2026 um 13,9 Prozent gestiegen, gleichzeitig sei die Erwerbsquote weit niedriger als in der Gesamtbevölkerung, hieß es in einer Pressekonferenz am Montag. Der Ausgleichstaxfonds (ATF) als Instrument zur Finanzierung der beruflichen Inklusion sei schwer unter Druck. Gefordert sei nun die Bundesregierung.

Jüngst von der Statistik Austria veröffentlichte Zahlen bedeuteten einen deutlichen Weckruf, erklärte Klaus Widl, Präsident des Österreichischen Behindertenrats. Demnach liege die Armutsgefährdung von Menschen mit Behinderung bei 21,5 Prozent. Vor diesem Hintergrund plane die Bundesregierung ab 2027 eine schrittweise Reduktion der Zuschüsse zum unterfinanzierten ATF, nachdem sie 2026 noch 65 Mio. Euro aus dem allgemeinen Budget zur Verfügung gestellt habe.

Die Forderung des Behindertenrats daher: Es brauche eine nachhaltige Finanzierung. "Gerade in wirtschaftlich angespannten Zeiten ist es wichtig, bewährte Unterstützungsstrukturen nicht zu schwächen, sondern gemeinsam weiterzuentwickeln", betonte Widl. Und: "Menschen mit Behinderungen wollen Steuern zahlen und nicht Steuern kosten, indem sie auf Sozialleistungen angewiesen sind."

Gleichbehandlungsanwältin Christine Steger pflichtete dem bei. "Die Zahlen sind kein Zufall, sondern Ausdruck von strukturellen Barrieren." Menschen mit Behinderung würden dauerhaft aus dem Arbeitsmarkt gedrängt, und es bestehe das Risiko, dass Österreich hinter seine völkerrechtlichen Verpflichtungen - Stichwort: UN-Behindertenrechtskonvention - zurückfalle. Für eine langfristige und nachhaltige Absicherung des ATF plädierte auch Patrick Berger vom "Chancen Nutzen"-Büro im ÖGB.

Vielstimmiger Appell

Begleitet wurden die in der Pressekonferenz erhobenen Forderungen von einer Vielzahl an Presseaussendungen verschiedener Organisationen. Zu Wort meldeten sich etwa die "Integrativen Betriebe Österreich (dib)", "Bizeps", die Volkshilfe, der ÖZIV Bundesverband oder "KOBV Österreich – Der Behindertenverband". Unterstützung kam zudem von den Grünen, die vor dem finanziellen Ausbluten des ATF warnten.

Zusammenfassung
  • Die Arbeitslosigkeit von Menschen mit Behinderung ist im Jänner 2026 um 13,9 Prozent gestiegen, während ihre Erwerbsquote weiterhin deutlich unter jener der Gesamtbevölkerung liegt.
  • Vertreter wie Klaus Widl und zahlreiche Organisationen fordern angesichts der Entwicklungen eine nachhaltige Finanzierung des ATF und warnen vor einem Rückfall hinter internationale Verpflichtungen wie die UN-Behindertenrechtskonvention.