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Antisemitismus-Dokumentation in EU lückenhaft

03. Nov. 2022 · Lesedauer 2 min

Antisemitische Vorfälle werden aus Sicht der Agentur der Europäischen Union für Grundrechte (FRA) in Europa nach wie vor nur lückenhaft dokumentiert.

Ohne korrekte Daten sei die wirksame Bekämpfung antisemitischer Vorfälle schwierig, sagte FRA-Direktor Michael O'Flaherty am Donnerstag in Wien. "Es ist höchste Zeit, dass die EU-Länder ihre Bemühungen verstärken, die (...) Erfassung zu verbessern, damit Hass und Vorurteile gegenüber Juden besser bekämpft werden können."

Nur 14 der 27 EU-Länder verfügten über nationale Strategien gegen Antisemitismus, hieß es. Ungarn und Portugal registrierten solche Fälle überhaupt nicht offiziell. Einige Staaten hätten allerdings nun zumindest entsprechende Pläne.

Antisemitische Tendenzen durch Corona-Pandemie und Ukraine-Krieg befördert 

Grundsätzlich falle auf, dass die Corona-Pandemie und auch der Ukraine-Krieg antisemitische Tendenzen unter anderem durch Verschwörungstheorien befördert hätten. Gerade die Verbreitung von Hasspostings im Internet spiele eine wichtige Rolle.

In Deutschland hätten sich 2021 rund 3.000 Straftaten mit mutmaßlichem antisemitischem Hintergrund ereignet, teilte die Agentur unter Berufung auf deutsche Behörden mit. Im Vorjahr lag die Zahl bei 2.351.

Rückgang an antisemitischen Vorfällen in Österreich

In Österreich gibt es einem am Donnerstag veröffentlichten Bericht zufolge einen gegenläufigen Trend. Vom 1. Jänner 2022 bis 30. Juni 2022 wurden der Antisemitismus-Meldestelle der Israelitischen Kultusgemeinde Wien (IKG) insgesamt 381 antisemitische Vorfälle gemeldet. Im Vergleich zum selben Zeitraum des Vorjahres (562) ist das ein Rückgang um 32 Prozent, hieß es. Dieser Rückgang sei vor allem auf die Abnahme antisemitischer Vorfälle mit Coronabezug zurückzuführen. Von einer höheren Dunkelziffer sei auszugehen.

Quelle: Agenturen / Redaktion / poz