Anschober im Bürgerforum: Kritik vom Kanzler war "vom Zeitpunkt her ungewöhnlich"

15. März 2021 · Lesedauer 4 min

Beim PULS 24 Bürgerforum reagierte Gesundheitsminister erstmals im TV auf den Impf-Streit. Bürgerinnen und Bürger hatten darüber hinaus konkrete Fragen zur Impfung und zu möglichen Lockerungen.

Bei Politik-Chefreporterin Manuela Raidl im PULS 24 Bürgerforum zu Gast waren am Montag Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) und die Virologin Dorothee von Laer. Der am Wochenende von Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) vom Zaun gebrochene Streit über die österreichische Impfstoffbeschaffung interessierte die Bürgerinnen und Bürger ganz besonders.

Am Anfang des Bürgerforums wurde Anschober gefragt: "Wie lange lassen Sie sich von Kanzler Kurz demütigen? Es schlägt sich auf ihren Gesundheitszustand und somit auf ihre Leistungsfähigkeit."

In seinem ersten TV-Interview nach seinem Krankenheitsaufenthalt sagte Anschober dazu: "Ja, ich habe es schon sehr ungewöhnlich empfunden vom Zeitpunkt her. Denn wenn man im Krankenhaus ist, kann man nicht wirklich mitdiskutieren." Die Vertrauensebene zwischen ihm und dem Bundeskanzler sei aber nicht gestört, betonte der Gesundheitsminister. Er habe am Montag sehr intensiv mit dem Kanzler "in kleinem Kreis" darüber gesprochen.

Anschober lobt abgelösten Impfkoordinator

Eine weitere Frage beschäftigte sich mit dem mittlerweile abgelösten Impfkoordinator Clemens Auer, den die ÖVP suspendieren lassen wollte. Anschober brach im Bürgerforum eine Lanze für den Beamten. Dass Auer wegen der vergleichbar kleinen Menge von 100.000 Impfdosen, die man zusätzlich ankaufen hätte können, und die Auer nicht gemeldet habe, so in der Kritik steht, empfindet Anschober als "unfair". "Die 100.000 Dosen machen zu wenig aus im Vergleich. Österreich hat 31 Millionen Dosen garantiert, das reicht vollkommen", sagt der Grünen-Politiker.

Impfstoffe stehen nicht zum privaten Verkauf

"Ab wann können Privatpersonen sich einen ausgewählten Impfstoff gegen das Coronavirus kaufen? Ich möchte meine Familie bestens geschützt wissen, aber auf keinen Fall das Risiko mit dem AstraZeneca Impfserum eingehen. Wir sind alle bereit, uns impfen zu lassen, aber nicht mit AstraZeneca", lautete eine weitere Frage an den Gesundheitsminister.

Anschober verwies in seiner Antwort auf die strenge Überprüfung aller zugelassenen Impfstoffe. "Wenn man da durchkommt, muss es ein guter Impfstoff sein." Die Möglichkeit, dass Personen selbst für einen Impfstoff bezahlen und dann den Hersteller auswählen können, wird es laut Anschober nicht geben. "Das wäre das vollkommene Chaos", meint der 60-Jährige. Vorrang habe die Impfung der älteren Personen und Hochrisikogruppen. Deshalb habe er in einem Erlass geregelt, dass die Länder bei der risikobasierten Impfung bleiben sollen.

Politikberater: "Da wird schon mit harten Bandagen gekämpft"

Politikberater Thomas Hofer analysiert im Gespräch mit PULS 24 Anchor Werner Sejka den Zwist der ÖVP mit Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) und dessen Auftritt im PULS 24 Bürgerforum.

Anschober: Geimpfte sollen gewisse Freiheiten haben

Eine Outdoor Trainer fragte den Gesundheitsminister, wann Sport machen in Gruppen wieder möglich sein werde. Anschober antwortete, dass Training in Gruppen einer der nächsten Öffnungsbereiche sein werde, "weil es Sinn macht". 

Von Laar meint, dass die Bevölkerung noch durchhalten müsse, bevor es große Öffnungen geben kann. "Gerade steigen die Zahlen etwas mehr als wir gerne hätten. Also wir wären froh, wenn wir das halten oder etwas abflachen können bis zum Sommer und bis wir genug Impfungen haben", sagt die Virologin. Dies sei laut Anschober im Sommer der Fall. Bis Ende Juni rechnet er mit einer Durchimpfungsrate von 65 Prozent. 

Aus diesem Grund arbeite sein Ressort derzeit an Rechtsgrundlagen dafür, dass man als Geimpfter bestimmte Freiheiten genießen könne. Es soll eine Art App geben oder die E-Card, "wo man eins zu eins gewisse Immunitätsschritte nachweisen kann", führt der Minister seine Pläne aus. Über die rechtlichen Grundlagen werde am Donnerstag im Gesundheitsausschuss beraten. Sollte es eine breite Mehrheit im Parlament dafür geben, rechnet Anschober mit einer operativen Umsetzung bereits im April.

Quelle: Redaktion / apb