Russische SoldatenAPA/APA/AFP/ALEXANDER NEMENOV

Analysten: So geht es weiter im Ukraine-Krieg

09. Nov. 2022 · Lesedauer 3 min

Analysten der unabhängigen und Kreml-kritischen russischen Internetzeitung "Meduza" erklären, wie es in den nächsten Wochen im Ukraine-Krieg weitergehen könnte.

Demnach bereiten sich sowohl die ukrainische als auch die russische Armee "auf ernsthafte Aktionen im Winter" vor. Dabei beschränken sich die Vorbereitungen nicht nur auf die Mobilisierung und Ausbildung neuer Wehrpflichtiger sondern auch auf die Aufstellung neuer militärischer Einheiten.

Luftabwehr-Vorteil ist essentiell

Ohne einen Vorteil bei der Luftabwehr, drohe der Krieg in einer Pattsituation zu enden, so "Meduza". Daher versuchen beide Seiten "die gegnerischen Luftabwehrsysteme zu überwältigen", "sie zur Verschwendung von Munition zu zwingen" und "so viele Luftwehreinheiten wie möglich zu zerstören".

Dies sei der Grund, warum der Kreml kritische Infrastruktur, so wie Kernkraftwerke, in der Ukraine bombardiere, vermuten die Analysten. Das Ergebnis der Winter- und Frühjahrsaktionen hänge letztlich davon ab, welche Seite einen Luftvorteil erlangt.

Mobilisierung allein reicht nicht aus

Die Aufstockung von Kämpfern, wie durch die Teilmobilmachung Russlands, erhöhe nicht die Qualität der Armee. Russland fehle es an "persönlicher Schutzausrüstung", "medizinischer Ausrüstung" sowie an "modernen Waffen für alle mobilisierten Wehrpflichtigen". 

Die Ukraine mobilisiere weiterhin die Bevölkerung - die Personalreserven seien laut "Meduza" "noch lange nicht erschöpft". 

Kein Sieg ohne Unterbrechung von Waffenversorgung

Vor allem auch die Waffenlieferungen würden für den weiteren Verlauf des Krieges eine wichtige Rolle spielen.

Der Ukraine verschaffen die westlichen Waffenlieferungen einen großen Vorteil. Die Analysten sind der Meinung, dass die russische Führung wisse, dass Russland den Krieg nicht gewinnen kann, ohne die ukrainische Waffenversorgung zu unterbrechen.

Den Grund dafür, dass es der russischen Armee nicht gelingt, die ukrainischen Waffenlieferungen zu unterbrechen, sehen die "Meduza"-Analysten in Personalmangel. Moskau habe "nicht genug Kräfte, um eine Offensive durchzuführen, die die Ukraine vom Westen abschneiden würde". 

Wie geht es weiter?

Laut den "Meduza"-Analysten scheint ein Kompromiss, "der den Krieg in naher Zukunft beenden könnte" unwahrscheinlich. Für den Kreml beinhalte ein solcher Kompromiss "große territoriale Zugeständnisse der Ukraine". Dies würden jedoch weder die Ukraine noch "seine Partner im Westen" akzeptieren. Auch strategische Bombardements würden die Haltung Kiews nicht ändern, schätzen die Analysten. Russland müsse daher "neue Wege finden, um seine verbleibenden Vorteile", wie die größere Zahl von Flugzeugen und größere Reichweite von Raketen, zu nutzen.

"Solange der Kreml" oder "Kiew und seine westlichen Partner nicht mit der realen Gefahr einer totalen militärischen Niederlage konfrontiert werden, wird der Krieg weitergehen", so die "Meduza"-Analysten. 

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Dijana DjordjevicQuelle: Redaktion / ddj