APA - Austria Presse Agentur

Afghanistan: Taliban machen Verhüllung mit Niqab an Hochschulen zur Pflicht

05. Sept 2021 · Lesedauer 4 min

Die Taliban haben nach ihrer Machtübernahme in Afghanistan strenge Regeln für Frauen an privaten Hochschulen erlassen. Widerstandskämpfer im afghanischen Panjshir-Tal haben den Taliban unterdessen eigenen Angaben zufolge schwere Verluste zugefügt.

In einem langen Regelwerk der für höhere Bildung zuständigen Behörde der Islamisten wird Frauen ein Besuch privater Universitäten nur mit Gesichtsverhüllung, dem Niqab, sowie getrennt von Männern gestattet. Ist eine räumliche Trennung nicht möglich, müssen Männer und Frauen demnach durch einen Vorhang getrennt werden.

Klassen mit Frauen sollen dem Dokument zufolge nur von Frauen unterrichtet werden. Ist dies nicht möglich, sei auch Unterricht durch einen "alten Mann" mit gutem Charakter möglich. Die Vorschriften sehen zwar keine Burka-Pflicht vor, aber auch der Niqab, eine Kopf- und Gesichtsbedeckung, lässt nur einen schmalen Schlitz für die Augen frei.

Während der ersten Herrschaft der Taliban in den 1990er Jahren waren Frauen und Mädchen von Bildung weitgehend ausgeschlossen. Nach deren Ende im Jahr 2001 entstanden in vielen Städten Afghanistans private Hochschulen und Universitäten. Diese sollten am Montag wieder öffnen. In den vergangenen 20 Jahren war die Zahl von Frauen an Universitäten stark gestiegen.

Weibliches Lehrpersonal fehlt

"Das ist praktisch ein schwieriger Plan, wir haben nicht genug weibliches Lehrpersonal", sagte ein Universitätsprofessor der Nachrichtenagentur AFP. "Aber die Tatsache, dass sie Mädchen erlauben, Schulen und Universitäten zu besuchen, ist ein positiver Schritt."

Die Regeln sehen weiter vor, dass Frauen die Unterrichtsräume fünf Minuten vorher verlassen und in speziellen Räumen warten müssen, bis alle Männer das Gebäude verlassen haben. So sollen Begegnungen vermieden werden.

Kämpfe im Panjshir-Tal

Widerstandskämpfer im afghanischen Panjshir-Tal haben unterdessen den militant-islamistischen Taliban eigenen Angaben zufolge schwere Verluste zugefügt. Etwa 1.000 Islamisten seien in der einzigen Provinz, die bisher noch nicht von den Taliban kontrolliert wird, nach der Blockade einer Fluchtroute eingeschlossen worden, schrieb ein Sprecher der Nationalen Widerstandsfront am Sonntag auf Twitter. 

Alle Angreifer seien getötet worden, hätten sich ergeben oder seien gefangen genommen worden, hieß es weiter. Zudem seien alle Taliban aus dem Bezirk Parjan vertrieben worden. Die Angaben konnten nicht von unabhängiger Seite überprüft werden. Der Taliban-Sprecher Bilal Karimi wiederum schrieb am Sonntag auf Twitter, die Islamisten kontrollierten nun fünf der sieben Bezirke der Provinz.

Berichte von Sprengung

Am Samstag hatten Bewohner des Tals erklärt, dass Widerstandskämpfer eine Sprengung durchgeführt hätten, um die Hauptroute durch das Tal zu blockieren. So seien vorgerückte Taliban-Kräfte eingeschlossen worden. Der Plan sei gewesen, diese dann von Positionen auf den Bergen anzugreifen.

Ein bisheriger Parlamentarier aus der Provinz Panjshir-Tal sagte, dass es Gefechte im Bezirk Shutul und Parjan gebe. Andere Gebiete im Tal seien unter vollständiger Kontrolle des Widerstands.

Die beiden Bezirke liegen jeweils am Anfang und am Ende des Tales. Von einem Bewohner des Bezirkes Shutul hieß es, Taliban-Kämpfer seien in sein Dorf vorgedrungen und hätten mehrere geparkte Autos kaputt geschossen. Die meisten Zivilisten seien bereits davor in die Berge geflüchtet. Die Taliban-Kämpfer seien wieder abgezogen. Unbestätigten Berichten zufolge wurden sie am Weg aus Shutul aus dem Hinterhalt angegriffen.

Taliban veröffentlichten auch ein Video mit Kämpfern vor der Bezirksverwaltung von Shutul. Allerdings liegt diese an der Hauptstraße durch das Tal direkt hinter dem Taleingang, nicht im Zentrum Shutuls. Um dieses zu erreichen, muss man erst mehrere Kilometer lang eine enge Bergstraße hinauf und ins nächste Tal wieder hinunter fahren.

Papst rief zur Aufnahme von Flüchtlingen auf

Papst Franziskus hat unterdessen beim Angelus-Gebet am Sonntag zur Aufnahme von Flüchtlingen aus Afghanistan aufgerufen. "Ich bete, damit viele Länder all jene Menschen aufnehmen und schützen, die ein neues Leben suchen", betonte der Papst. Auch Binnenvertriebene sollen Unterstützung und Schutz erhalten. "Mögen alle Afghanen mit Würde in Frieden und Geschwisterlichkeit mit ihren Nachbarn leben. Mögen die afghanischen Jugendlichen Bildung erhalten", betonte der Papst.

Quelle: Agenturen / koa