APA - Austria Presse Agentur

Äthiopiens Regierung schickt Soldaten in Unruheregion

24. Dez 2020 · Lesedauer 2 min

Nach einem Überfall mit mehr als hundert Toten hat der äthiopische Ministerpräsident Abiy Ahmed Soldaten in die Unruheregion in Benishangul-Gumuz entsandt. "Das Massaker an Zivilisten in der Region Benishangul-Gumuz ist sehr tragisch", schrieb Abiy am Donnerstag auf Twitter. Um das Problem an der Wurzel zu packen, habe die Regierung Truppen in das Gebiet geschickt. Dem Fernsehsender Fana TV zufolge kam es zu Gefechten, bei denen 42 bewaffnete Männer getötet wurden.

Pfeile und Bogen sowie andere Waffen seien sichergestellt worden, so Fana TV. Wann es zu den Gefechten gekommen sei, ließ der Sender offen. Nach Angaben örtlicher Behörden hätten die getöteten Männer an dem Überfall am Mittwoch teilgenommen.

Unbekannte Männer hatten nach Angaben der staatlichen Menschenrechtskommission das Dorf Bekoji im Bezirk Bulen überfallen und mehr als 100 Menschen getötet. Die Ortschaft liegt im Gebiet Metekel, wo viele verschiedene Volksgruppen leben. Laut Amnesty International griffen die Täter etliche Angehörige der Bevölkerungsgruppen der Amhara, Oromo und Shinasha in Benishangul-Gumuz an. Die Angriffe folgen einem Abzug äthiopischer Streitkräfte aus dem Gebiet. Dies sei ein Zeichen, dass der Schutz von Menschenrechten dort stark abnehme, hieß seitens der staatlichen Menschenrechtskommission (EHRC).

In der im Westen des Landes gelegenen Region kommt es allerdings seit Monaten immer wieder zu Gewalt zwischen den Bevölkerungsgruppen. Generell gibt es in dem Vielvölkerstaat Äthiopien mit seinen mehr als 110 Millionen Einwohnern etliche ethnische Spannungen.

Am Dienstag hatte Abiy die Region besucht. Er kündigte an, er werde weitere Soldaten schicken, um die an der Grenze zum Sudan gelegene Region zu sichern.

Die staatliche Äthiopische Nachrichtenagentur meldete, fünf ranghohe Behördenvertreter seien im Zusammenhang mit Sicherheitsfragen in Benishangul-Gumuz festgenommen worden. Unter ihnen sei ein Staatsminister der Zentralregierung.

Seit Abiy 2018 sein Amt übernommen hat, kommt es auch in anderen Landesteilen immer wieder zu Unruhe und Gewalt. Im November lieferten sich in der Region Tigray im Norden Einheiten der damaligen Regionalregierung der Volksbefreiungsfront TPLF und Regierungstruppen Kämpfe. Nach sechs Wochen wurde die TPLF-Führung aus dem Amt vertrieben. Die Stationierung von Regierungstruppen in Tigray wird befürchtet, dass es nun in anderen Regionen des Landes zu einem Machtvakuum kommt.

Äthiopien, eine Föderation aus zehn ethnischen Regionen, wurde jahrzehntelang von Tigray dominiert, bis Abiy Ministerpräsident wurde und sie entmachtete. Er selbst gehört der Bevölkerungsmehrheit der Oromo an und hat auch familiäre Wurzeln in Amhara.

Quelle: Agenturen