APA - Austria Presse Agentur

7.676 erhielten in ersten drei Quartalen Staatsbürgerschaft

16. Nov 2021 · Lesedauer 4 min

Die Zahl der Einbürgerungen ist in den ersten neun Monaten des heurigen Jahres um insgesamt 21,1 Prozent im Vergleich zum Jahr davor gestiegen. Laut Statistik Austria wurde die österreichische Staatsbürgerschaft an 7.676 Personen verliehen, darunter befanden sich 1.131 Personen mit Wohnsitz im Ausland. Im Vergleichszeitraum des Vorjahres erhielten 6.336 die Staatsbürgerschaft. Etwa ein Drittel der heuer Eingebürgerten wurde bereits in Österreich geboren (2.334 Personen).

Mehr als die Hälfte der neuen Staatsbürger waren Frauen (52,3 Prozent). Der Anteil der Kinder unter 18 Jahren betrug 31,7 Prozent. Die seit dem Vorjahr bestehende Möglichkeit von Doppelstaatsbürgerschaften für Nachfahren von NS-Opfern schlägt sich deutlich in der Einbürgerungsstatistik nieder. Knapp ein Sechstel aller Personen, die in den ersten drei Quartalen die österreichische Staatsbürgerschaft erhalten haben, fallen unter die Kategorie "politisch Verfolgte und ihre Nachkommen". Konkret sind dies 1.159 der 7.676 Neo-Österreicher. Bei 21 Personen handelte es sich um NS-Opfer, beim Rest dieser Gruppe um Nachfahren.

Diese Personengruppe muss weder entsprechende Deutschkenntnisse aufweisen noch Arbeits- oder Wohnsitzerfordernisse erfüllen. Weil die Betroffenen die Staatsbürgerschaft nach ihren von den Nationalsozialisten vertriebenen Vorfahren erhalten, dürfen sie auch ihren bisherigen Pass behalten. Israel (389) und die USA (368) schoben sich damit als Herkunftsländer der Neo-Österreicher ins Spitzenfeld, gleich hinter die Türkei (718), Bosnien-Herzegowina (617) und Serbien (538) und noch vor den Kosovo (365).

SOS Mitmensch begrüßte die Staatsbürgerschaftsvergaben an NS-Opfer und an ihre Nachkommen. Laut der Menschenrechtsorganisation komme es dadurch allerdings zu erheblichen Verzerrungen in der Einbürgerungsstatistik. Der Gesamtanstieg gegenüber dem Vorjahr verdecke das weiterhin dramatisch niedrige Niveau der Einbürgerungsrate von in Österreich lebenden und hier geborenen Menschen, hieß es in einer Aussendung am Dienstag.

Die nachträgliche Einbürgerung von 2.334 in Österreich geborenen Personen sei nämlich ein Absinken gegenüber dem Jahr 2019 um 12 Prozent und nur ein minimaler Anstieg gegenüber dem Minusjahr 2020. Im gleichen Zeitraum kamen mehr als 13.000 Kinder in Österreich zur Welt, ohne die österreichische Staatsbürgerschaft zu erhalten. Das bedeute für die ersten drei Quartale 2021 ein weiteres Anwachsen der "Einbürgerungslücke" um fast 11.000 hier geborene Kinder, warnt SOS Mitmensch und fordert ein Recht auf die österreichische Staatsbürgerschaft für hier geborene und aufgewachsene Kinder, deren Eltern schon Jahre in Österreich leben. "Derzeit schickt unser Staat hier geborene Kinder sogar lieber in die Staatenlosigkeit als sie einzubürgern. Das ist unfair gegenüber den Kindern und demokratiepolitisch destruktiv", fordert SOS-Mitmensch-Sprecher Alexander Pollak ein Umdenken.

Nach dem Einbürgerungsgrund betrachtet erfolgten mehr als zwei Drittel aller Einbürgerungen aufgrund eines Rechtsanspruchs (5.287). 3.090 wurden nach mindestens sechsjährigem Wohnsitz in Österreich und aus besonders berücksichtigungswürdigen Gründen eingebürgert (z. B. nachgewiesene Deutschkenntnisse und nachhaltige Integration, Geburt in Österreich, EWR-Staatsangehörigkeit oder asylberechtigt), hieß es. Bei 1.159 Personen handelte es sich um politisch Verfolgte und deren Nachkommen.

Aufgrund der Ehe mit einem Österreicher bzw. mit einer Österreicherin wurde 434 Personen die Staatsbürgerschaft verliehen, 330 Personen erhielten sie aufgrund eines mindestens 15-jährigen Wohnsitzes in Österreich und nachhaltiger Integration. Weitere 595 Personen bekamen die Staatsbürgerschaft im Ermessen (7,8%), darunter hielten sich 562 Personen mindestens zehn Jahre in Österreich auf. Unter dem Titel "Erstreckung der Verleihung" wurden zusammen 1.794 Personen eingebürgert, davon 1.572 Kinder.

Blickt man auf die Bundesländer, wurden von Jänner bis September 2021 in allen bis auf die Steiermark mehr Personen eingebürgert als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Im Vergleich zu den ersten neun Monaten 2019 gab es allerdings nur in vier Bundesländern (Kärnten, Burgenland, Tirol und Salzburg) mehr Einbürgerungen, in fünf Bundesländern waren es hingegen weniger. Zieht man überhaupt den Vergleichszeitraum vor der Covid-19-Pandemie, also die ersten drei Quartale 2019 (7.610 Einbürgerungen) heran, gab es nur um 0,9 Prozent mehr Einbürgerungen.

Quelle: Agenturen