APA - Austria Presse Agentur

Zwischen Wienerlied und Winterreise: Roland Neuwirth ist 70

31. Okt 2020 · Lesedauer 3 min

Roland Neuwirth reiht sich ein in die Liga jener Stars, die ihren Bühnenabschied ankündigen und dann jahrelang auf Abschiedstournee gehen: So hatte der Doyen des modernisierten Wienerliedes eigentlich vor gut drei Jahren der Bühne Lebewohl gesagt - um heuer geballt zurückzukehren. Schließlich feiert der Musiker am 31. Oktober auch 70. Geburtstag - der unter anderem am 10. November mit einem großen Konzert unter dem Titel "Schall html5-dom-document-internal-entity1-amp-end Rauch" im Wiener Konzerthaus gewürdigt wird.

"Geburtstage sind ja auch ein bisschen peinlich. Ich werde ihn aber nutzen, noch einmal die verklungenen Töne vorbeifliegen zu lassen", umreißt der Jubilar das Vorhaben, zu dem sich zahlreiche Wegbegleiter angesagt haben. Dazu gehören selbstredend seine Stammformation Extremschrammeln, aber auch zwei Kombinationen, die Neuwirth erst vor kurzem an seine Seite geholt hat.

So wird auch das Radio.String.Quartet. im Konzerthaus erwartet, mit dem gemeinsam im Frühjahr das neue Album "Erd'" eingespielt wurde. Noch jungfräulicher ist die Zusammenarbeit mit Pianist Florian Krumpöck. Mit diesem hat sich Neuwirth tatsächlich an Schuberts "Winterreise" herangetraut - und diese im Wienerischen Wortklang aufgenommen, die dann erstmals in toto am 12. Dezember im Klassiktempel unter dem Titel "Wiener Winterreise" erklingen soll. "Es ging mir ja ab, das Singen", begründet das Bühnentier Neuwirth sein Comeback.

Schließlich startete die künstlerische Karriere für Neuwirth äußerst früh. Bereits im Alter von sieben Jahren schrieb der am 31. Oktober 1950 in Wien geborene Künstler sein erstes Gedicht - mit positivem Inhalt, wie in seinem Lebenslauf betont wird. Aber schon kurze Zeit später wandte er sich der Musik zu. 1964 trat er im Wurstelprater mit "selbstzugerichteter" Elektrogitarre zum ersten Mal öffentlich auf. Seinen Lebensunterhalt verdiente er sich zu dieser Zeit als Schriftsetzer in einer Partezetteldruckerei. Nach Gastspielen bei und mit diversen Bands studiert Neuwirth an der Musikhochschule, 1974 gründet er die Neuwirth Schrammeln. "10 Wienerlieder und 1 Fußpilzblues" hieß die erste Schallplatte der Gruppe (1977).

1983 ändert Neuwirth seinen Sound: Mit der dritten LP "extrem" werden aus den Schrammeln die Extremschrammeln, die Verbindung des klassischen Wienerliedes mit Rock-, Funk- und Blues-Elementen ist geboren. Es folgten weitere Tonträger, Neuwirth schrieb außerdem Orchesterwerke, das Hörspiel "Hunds (Eine Kläfforette)" und Fernsehmusik ("Tatort").

Einem ganz breiten Publikum wurde Neuwirth dann durch seinen Gastauftritt in der TV-Serie "Kaisermühlenblues" bekannt: "Mir hot's vü 'brocht", so das Resümee des Extremschrammlers. Und die Menge seiner Kompositionen - im Laufe der Zeit hat er weit über 300 Songs geschaffen - kommentierte der Meister einmal mit den Worten: "An manche Sachen kann ich mich gar nicht mehr selbst erinnern." Der Musik ist er nicht nur als Ausübender verbunden, sondern trat immer wieder auch als Lehrender an der Wiener Musikuniversität oder als Gastdozent an Schulen in Erscheinung. 1999 veröffentlichte er im Zsolnay-Verlag ein Buch über "Das Wienerlied".

Die Texte von Neuwirths Liedern, Gstanzln und Couplets treffen stets ins Schwarze. "I renn' net absichtlich ins Volk, um mich inspirieren zu lassen. Meine Lieder entstehen eigentlich mehr im Kammerl - quasi in Einzelhaft", verriet der Jubilar einst in einem APA-Gespräch. In einem anderen Interview sagte er: "I hab immer no mei Freud - wo des herkommt, was i net. Des is' wia mit der Potenz, die is' halt a do."

Dass Neuwirth als wesentlicher Vertreter des Wienerliedes gilt, zeigt sich auch an den zahlreichen Ehrungen, wurde er doch u.a. 1984 mit dem Sonderpreis der Stadt Wien, 1994 mit dem Nestroy-Ring und 2002 mit dem Silbernen Ehrenzeichen der Stadt Wien geehrt. 2012 erhielt er den Kulturpreis des Landes Niederösterreich in der Kategorie Musik, zwei Jahre zuvor das Große Ehrenzeichen für Verdienste um das Bundesland Niederösterreich und 2017 schließlich den Preis der Stadt Wien für Musik.

Quelle: Agenturen