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Zürcher Kunsthaus lässt Anzeige gegen Sprayer Naegeli fallen

Juni 14, 2020 · Lesedauer 2 min

Das Zürcher Kunsthaus hat die Strafanzeige gegen den 80-jährigen Harald Naegeli wegen der Graffiti an den Fassaden des Kunsttempels zurückgezogen. Man habe die Lage neu beurteilt. "Im Rahmen dieser Beurteilung haben wir uns dazu entschieden, eine gewisse Toleranz zu üben und nicht einen 80-jährigen Mann noch mit einer Strafanzeige einzudecken", so Stiftungspräsident Richard Hunziker.

Vergangene Woche hatte die Stiftung Zürcher Kunsthaus noch bekanntgegeben, man habe "die Sachbeschädigung angezeigt und die Sprayereien entfernen lassen". Naegeli soll im April Graffiti an den Fassaden des Kunsthauses angebracht haben und wurde dabei mittels Videoaufnahmen einwandfrei identifiziert.

Anhängig ist hingegen noch eine Strafanzeige des Kantons Zürich gegen den legendären Sprayer. Die Zürcher Baudirektion hat gegen Naegeli Strafanzeige wegen Sprayereien an einer Schule eingereicht. "Wir sind immer wieder mit Sprayereien konfrontiert und wir handeln überall gleich. Wenn jemand die Gebäude beschädigt, gibt es eine Strafanzeige", so ein Sprecher des Kantons. Die Gleichbehandlung sei oberstes Gebot.

Der 80-jährige Harald Naegeli erlangte Ende der 1970er-Jahre Berühmtheit, als er nachts und anonym Wände in Zürich mit 400 bis 600 langgliedrigen Strichfiguren bemalte. Mit diesen Provokationen löste er einen Riesenwirbel aus und wurde gerichtlich verfolgt. 1981 verurteilte ihn das Zürcher Obergericht wegen Sachbeschädigung zu neun Monaten Gefängnis und einer Geldstrafe. Naegeli floh nach Deutschland und malte dort seine Graffiti. Aus dem "Sprayer von Zürich" wurde ein international bekannter Künstler.

Quelle: Agenturen