APA - Austria Presse Agentur

Wiener Philharmoniker haben Stardirigent Thielemann gerettet

27. März 2021 · Lesedauer 2 min

Das 2019 gestartete Projekt der Wiener Philharmoniker mit Dirigent Christian Thielemann, alle Symphonien von Anton Bruckner einzuspielen, erreicht einen ungewohnten Höhepunkt. Schließlich nimmt man sich nicht nur die großen Monumentalwerke zur Brust, sondern auch jene zwei Seitenwerke, die Bruckner selbst nicht zum Kanon seiner 9 Symphonien zählte: Die Studiensinfonie und die "Nullte". Zwei Werke, die weder die Philharmoniker noch Thielemann je gespielt haben.

Es ist also eine echte Premiere, die am Sonntag im Goldenen Saal des Musikvereins stattfinden wird, wenn die beiden Symphonien eingespielt werden - vor leerem Haus. "Das ist unsere Antwort auf die Coronakrise", zeigte sich Philharmoniker-Vorstand Daniel Froschauer am Freitagabend vor Journalisten kämpferisch: "Wir haben einen richtigen Bruckner-Infekt bekommen." Und hier habe die pandemiebedingte Schließzeit sogar Vorteile: "Wir sind glücklich, dass wir nun die Zeit haben, das Ganze wirklich ordentlich zu machen."

Und auch Christian Thielemann - im Hauptberuf Chefdirigent der Sächsischen Staatskapelle Dresden - zeigte sich dankbar ob des Projekts: "Die Wiener Philharmoniker haben mich gerettet. Denn in Dresden findet eigentlich seit Monaten nichts Anständiges statt." Hier sei Wien anders, wobei auch hier die Coronaeinschränkungen positive Nebenaspekte zeitigten, habe man doch nun ungewohnt viel Zeit für die Proben zur Verfügung.

"Wir lassen uns künstlerisch nicht unterkriegen", machte Thielemann deutlich. Da sei die Fortführung des Bruckner-Projekts ein Lichtstrahl in ansonsten düsteren Zeiten: "Wir haben Glück: Wir haben Anton." Dabei seien die beiden Frühwerke alles andere als Übungsskizzen, wie man in der gemeinsamen Arbeit festgestellt habe. Deshalb sei die Bilanz für ihn klar, unterstrich Thielemann: "Bruckner hat nicht 9 Symphonien geschrieben, sondern 11."

Zu sehen und zu hören ist die Einspielung vom morgigen Sonntag dann ab 25. April auf der Klassikplattform fidelio, wo sich auch die bereits aufgenommene 1., 2., 3. und 8. Symphonie finden (www.myfidelio.at). Auf Ö1 wird das Konzert hingegen am 16. Mai ab 11.03 Uhr in der "Matinee" ausgestrahlt.

Bereits früher, nämlich am 5. April ab 9.05 Uhr in ORF 2, ist die gemeinsame Interpretation der 5. Symphonie zu erleben, die ebenfalls im März im Goldenen Saal des Musikvereins aufgezeichnet wurde. Und fest steht bereits der Endpunkt des auf fünf Jahre angelegten Bruckner-Projekts: 2024 will man alles im Kasten haben, wenn Bruckners 200. Geburtstag ansteht.

Quelle: Agenturen