APA/Martin Fichter-Wöß

Wiener Lueger-Denkmal bekommt temporäre Intervention

10. Okt. 2022 · Lesedauer 2 min

Bereits jetzt ist sie unübersehbar und erregt so manche Gemüter: Die Installation "Lueger temporär" von Nicole Six und Paul Petritsch wird zwar erst am Mittwochvormittag im Beisein von Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler (SPÖ) und dem Bezirksvorsteher der Inneren Stadt, Markus Figl (ÖVP), offiziell eröffnet, doch die knapp 13 Meter hohe und 35 Meter lange Holzkonstruktion auf dem Dr.-Karl-Lueger Platz steht bereits weitgehend.

Die Intervention beim umstrittenen Lueger-Denkmal soll auch 16 Artefakte mit einbeziehen, nämlich Umrisslinien "aller auffindbaren Lueger-assoziierten Ehren- und Denkmäler von Wien", darunter Gedenktafeln, Porträtreliefs, Brücken oder Brunnenanlagen. "Dort lagern sie nun als temporäres öffentliches Archiv, als verdichteter Erinnerungsspeicher, der zeigt, wie sich Karl Lueger vielfach und auf unterschiedlichen Ebenen in das Gedächtnis der Stadt eingeschrieben hat", heißt es in der Projektbeschreibung des "diskursiven Schaulagers".

Die 1926 beim Stubentor errichtete Denkmalanlage mit einer vier Meter hohen Bronzestatue des von 1897 bis 1910 amtierenden Bürgermeisters Karl Lueger (1844-1910) ist aufgrund von Luegers Antisemitismus umstritten. Die Installation solle ein erster Schritt in Richtung einer Umgestaltung des Platzes hin zu einem Lern- und Reflexionsort sein. Im Oktober startet die Ausschreibung des Wettbewerbs für die permanente künstlerische Kontextualisierung, organisiert von der stadteigenen KÖR (Kunst im öffentlichen Raum) und mit einem Budget von 500.000 Euro ausgestattet. Zur Teilnahme sollen fünfzehn nationale und internationale Künstlerinnen und Künstler eingeladen werden. Die Kür des Siegerprojekts ist für das Frühjahr 2023 geplant, "Lueger temporär" soll noch bis Ende September 2023 stehen.

Quelle: Agenturen