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Weltmusiker und kritischer Geist: Hubert von Goisern ist 70

Hubert von Goisern - Weltmusiker, kritischer Geist, Allrounder - feiert heute seinen 70. Geburtstag. Auch wenn er selbst eine fixe Größe der Musikszene ist, so ist die Konstante in seiner Karriere der Wechsel. Häufig inspiriert sind die kreativ fruchtbaren Brüche von Reisen. Aufenthalte bei Kopfjägern auf den Philippinen, in Tibet, bei der Primatenforscherin Jane Goodall in Tansania oder in den Südstaaten der USA - fast alles hat Spuren im künstlerischen Werk hinterlassen.

Hubert Achleitner, so sein bürgerlicher Name, wurde in Bad Goisern geboren. Mit zwölf Jahren spielte er in der örtlichen Blasmusikkapelle Trompete, mit 19 flog er raus - zu renitent. Den Wunsch, Berufsmusiker zu werden, ließ er sich zunächst immer wieder ausreden, ging als Chemielaborant nach Südafrika, später nach Kanada und schließlich nach Wien, wo er an der Musikhochschule Elektroakustik und experimentelle Musik studierte. Hubert Sullivan - er hatte zwischenzeitlich den Namen seiner damaligen Frau angenommen - fasste nach einigen Umwegen doch den fixen Plan, er wolle von der Musik leben können.

Allmählich fand er auch zur früher so verhassten Ziehharmonika. Es gibt die Mär, dass er das Instrument, das ihm einst sein Großvater geschenkt hatte und das für ihn der Inbegriff des Ewiggestrigen war, in einer schnapsbefeuerten Rebellion zerreißen wollte und dabei eine neue Spielweise entdeckte. Wie auch immer es wirklich zugegangen ist: Hubert von Goisern entwickelte eine unverkennbare Art, der "Quetsch'n" Klänge abzunötigen und machte sie zu einer Konstante in seinem musikalisch recht diversen Schaffen, in dem er Volksmusik nicht nur mit Pop, Rock und Blues mischt, sondern in das er von Rap, Punk, Elektro, Klassik und natürlich der Musik seiner Reiseziele so ziemlich alles einfließen lässt.

In Wien traf er auf den Musiker Wolfgang Staribacher und gründete mit ihm die Alpinkatzen. Nach dem nur überschaubar erfolgreichen Album "Alpine Lawine" (1988) trennte man sich wieder. Hubert behielt den Bandnamen und startete mit neuen Musikern, u.a. mit Sabine "Alpine Sabine/Zabine" Kapfinger neu durch. Mit zwei Alben ("Aufgeigen stått niederschiassen", "Omunduntn"), Hits wie "Koa Hiatamadl", "Heast as net" und "Weit, weit weg" und ausgedehnten Tourneen gingen die Alpinkatzen förmlich durch die Decke, doch just am Höhepunkt der noch jungen Bandkarriere machte er 1994 Schluss und wechselte das Metier.

Für Joseph Vilsmaiers "Schlafes Bruder" komponierte er die Filmmusik, vor der Kamera trat er in "Hölleisengretl" an der Seite von Martina Gedeck in Erscheinung. Ab 1996 war es wieder Zeit, den persönlichen und künstlerischen Horizont mit Reisen zu erweitern. Es ging nach Tibet und zu Jane Goodall nach Tansania, die ethno-musikalische Aufarbeitung beider Ausflüge gibt es auf CDs. Im November 2000 folgte dann das Album "Fön", kurz darauf erschien mit "Trad" eine Sammlung österreichische Volkslieder, beide Alben wurden mit dem Amadeus Award ausgezeichnet.

Als Botschafter für die Kulturhauptstadt Linz09 ging es dann auf die "Linz-Europa-Tour" auf der Donau: Auf einem Konzertschiff musizierte er mit Band und lokalen Künstlern zwischen Schwarzem Meer und Nordsee. 2011 konzertierte er mit unveröffentlichtem Liedgut in zahlreichen Provinz-Wirtshäusern, im Herbst erschien dann das Album "EntwederUndOder", das ihm mit "Brenna tuats guat" spät aber doch die allererste Nummer eins in den heimischen Charts bescherte.

Nach einer Reise durch die Südstaaten der USA tourte er Ende 2014 zuerst mit den neuen Kompositionen durch die heimischen Lande, das blueslastige Album "Federn" erblickte erst danach das Licht der Welt. Eine längere Pause nutzte er zum Schreiben und brachte 2020 seinen ersten Roman "flüchtig" heraus. Es folgten das Studioalbum "Zeiten & Zeichen" und die gleichnamige Tour, die am 2. November in Salzburg vorerst zu Ende gegangen ist und 2023 als "Neue Zeiten alte Zeichen"-Tour eine Fortsetzung finden soll.

Den Geständnissen, vor allem in jungen Jahren ein fauler Hund gewesen zu sein, und dem sorgsam gepflegten Image als tiefenentspannter Weltenbummler zum Trotz wird Hubert von Goisern nachgesagt, ein Perfektionist zu sein. Die Liste der Instrumente, die er spielt, ist lang, das Publikum darf oder muss sich jedes mal auf etwas Neues einlassen. Zu seiner Heimatgemeinde Bad Goisern, wo er Ehrenbürger ist und der er mit der bluesige Übertragung von "Georgia On My Mind" auf "Goisern" ein musikalisches Denkmal setzte, hat er ein ambivalentes Verhältnis. Dass ihn von volkstümlicher Musik ebenso wie von seinem prominenten Mit-Goiserer Jörg Haider Welten trennen, musste dem Publikum anfangs erst vermittelt werden.

Politisch hat er immer klare Kante gezeigt - ob der "Ex-Goiserer" (Jörg Haider, später im Text ersetzt durch "HC", Anm.) in "Iawaramoi" von der Wirtshauskanzel aus die "Hütt'n zuadrahn" will oder in "Snowdown" die Wahrheit um Asyl ansucht. Nachdem Andreas Gabalier die Bundeshymne nicht inklusive Töchter singen wollte, weil er es in der Volksschule anders gelernt habe, bewies von Goisern, dass das durchaus möglich ist und outete sich als Verfechter der "Töchter". Immer wieder warb er im Umfeld der Grünen, etwa bei der Landtagswahl in Oberösterreich oder für die Wiederwahl von Bundespräsident Alexander Van der Bellen. Bei seiner diesjährigen Tour machte er auch klar: Es darf keinen Platz für Verschwörungstheorien und Wissenschaftsfeindlichkeit geben, denn "was's wiegt, des hat's".

Sein Privatleben hält er eher bedeckt. Hubert von Goisern ist verheiratet, hat erwachsene Kinder und lebt in Salzburg.

(S E R V I C E - www.hubertvongoisern.com)

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  • Hubert von Goisern - Weltmusiker, kritischer Geist, Allrounder - feiert heute seinen 70. Geburtstag. Auch wenn er selbst eine fixe Größe der Musikszene ist, so ist die Konstante in seiner Karriere der Wechsel. Häufig inspiriert sind die kreativ fruchtbaren Brüche von Reisen. Aufenthalte bei Kopfjägern auf den Philippinen, in Tibet, bei der Primatenforscherin Jane Goodall in Tansania oder in den Südstaaten der USA - fast alles hat Spuren im künstlerischen Werk hinterlassen.