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"Weltmacht Liebe": Schau im Prunksaal der Nationalbibliothek

Heute, 12:04 · Lesedauer 4 min

Die Liebe regiert die Welt? Zu dieser Behauptung will sich nicht einmal das Kuratoren-Duo der Ausstellung zum Thema Liebe versteigen, die ab Freitag im Prunksaal der Österreichischen Nationalbibliothek (ÖNB) zu sehen ist. Aber sie ist eine Weltmacht und als solche gerade in der heutigen Zeit dafür geeignet, Krieg und Krisen etwas entgegenzuhalten, sagte Bernhard Fetz, mit Katharina Kaska Kurator der Schau "Weltmacht Liebe. Eine Reise durch die Jahrhunderte", am Donnerstag.

"Liebe ist durch alle Kulturen und Epochen wohl eine der stärksten Emotionen, die wir Menschen kennen", sagte Michaela Mayr, die am 1. April ihr Amt als neue Generaldirektorin der Nationalbibliothek antritt, bei der Presseführung. Sie evoziere auch andere große Emotionen wie Hass, Eifersucht und Neid und habe auch so manchen Krieg ausgelöst, sagte Fetz unter Verweis auf den Trojanischen Krieg. "Bella gerant alii, tu felix Austria, nube!" ("Kriege mögen andere führen, du, glückliches Österreich, heirate!") zitierte dagegen Kaska das Motto der Heiratspolitik der Habsburger und verwies darauf, dass etwa Maria Theresia, die ihrem Gatten Franz Stephan in Liebe verbunden war, von ihren 16 Kindern nur ihrer Lieblingstochter Maria Christine eine Liebesheirat erlaubt habe.

Es sei völlig unmöglich, alle Facetten der Liebe erschöpfend zu behandeln und daher sei der Anspruch der von einem umfangreichen bei Kremayr & Scheriau erschienenen Katalog begleiteten Schau auch nicht gewesen, "ein Liebesinventar" zu geben. Es sei eher darum gegangen, über dieses Großthema die Breite der eigenen Bestände präsentieren zu können, meinte Fetz und konstatierte: "Die Liebe ist eine Konstante, aber stark von sozialen und kulturellen Bedingungen abhängig."

Für die bis 1. November laufende Ausstellung, die wie immer kaum gegen die Architektur des Prunksaals bestehen kann, wurden daher nur ein paar Themen gewählt, die man mit wertvollen Objekten illustriert. Vom Schöpfungsmythos, bei dem etwa ein Koran aus dem 16. Jahrhundert, ein Werk Platons und Freuds "Jenseits des Lustprinzips" als Exponate dienen, geht es über Eigenliebe und unerreichbare Liebesideale (etwa anhand von Dantes Beatrice oder der Dulcinea, die von Cervantes` "Don Quijote" angehimmelt wird) über Fragen von Macht ("Don Juan"), Übersteigerung ("Lulu", "Werther" u.ä.) und Trauer bis zur Nächstenliebe, die sich mehr an die Allgemeinheit als an einzelne Objekte richtet.

Ein Schnitzler-Walzer

Manche erstaunliche Dinge sind unter den rund 100 Exponaten zu entdecken, etwa schlüpfrige Illustrationsdetails eines alten "Decamerone" oder die Erstausgabe eines von Arthur Schnitzler selbst komponierten "Liebelei"-Walzers. Dass die Art der Präsentation in den alten Vitrinen und mit antiquiert wirkenden Schautafeln längst nicht mehr zeitgemäß ist, sollte der neuen ÖNB-Chefin bewusst sein, immerhin hat man mit Hörstationen oder einer eigenen Station, an der Besucherinnen und Besucher selbst Liebesbotschaften gestalten und hinterlassen können, aber ein wenig Multimedialität eingebracht.

Klassische Liebesbriefe dürfen in so einer Ausstellung natürlich nicht fehlen. Aus der österreichischen Literatur des 20. Jahrhunderts hat man jedoch Zeichnungen eines der bekanntesten Liebespaare ausgewählt. Von Ernst Jandl ist das Blatt "the brain & the heart" zu sehen, auf dem Zunge und Mund Hirn und Herz verbinden, von Friederike Mayröcker die Zeichnung "an die Kandare genommen": Eine Frau mit Pony-Frisur führt an einer Leine ein rotes Herz spazieren. Unweigerlich kommt einem da das berühmte Zitat aus Ödön von Horváths "Geschichten aus dem Wiener Wald" in den Sinn, mit dem sich der Fleischhauer Oskar mehr bedrohlich als liebevoll an Marianne wendet: "Du wirst meiner Liebe nicht entgehen."

(S E R V I C E - "Weltmacht Liebe. Eine Reise durch die Jahrhunderte", Ausstellung im Prunksaal der Österreichischen Nationalbibliothek, Wien 1, Josefsplatz 1, 20. März bis 1. November, Di bis So 9-18 Uhr, Do 9-21 Uhr, Juni bis September: tgl. 9-18 Uhr, Do 9-21 Uhr, www.onb.ac.at )

Zusammenfassung
  • Im Prunksaal der Österreichischen Nationalbibliothek läuft von 20. März bis 1. November die Ausstellung 'Weltmacht Liebe', die mit rund 100 Exponaten verschiedene Facetten der Liebe durch die Jahrhunderte beleuchtet.
  • Zu den ausgestellten Objekten zählen ein Koran aus dem 16. Jahrhundert, Werke von Platon, Freuds 'Jenseits des Lustprinzips' sowie seltene Liebesbriefe und Zeichnungen bekannter österreichischer Autoren.
  • Die Ausstellung kombiniert klassische Präsentation mit multimedialen Elementen wie Hörstationen und einer Station für individuelle Liebesbotschaften, um das Thema Liebe zeitgemäß und interaktiv zu vermitteln.