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Weihnachtsmärchen: "Weihnachten in Prag" von Jaroslav Rudiš

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Ein Mann streift am Heiligen Abend durch das verschneite Prag. Seine Freunde, die ihn eingeladen haben, sind telefonisch nicht erreichbar. Also lässt er seinen Koffer im Schließfach und dreht eine Runde. Etwa die "Zoorunde" auf ein paar Bierchen in Gasthäusern mit Namen wie "Zum Nilpferd", "Zum Goldenen Tiger" oder "Zum kleinen Hirschen". Es gibt an sich viele Gründe, zu Jaroslav Rudiš' Geschichte "Weihnachten in Prag" zu greifen. Derzeit sind es jedoch besonders viele.

Das vom Musiker und Comiczeichner "Jaromír 99" stimmungsvoll illustrierte Büchlein eignet sich nämlich ideal als Last-Minute-Weihnachtsgeschenk, bei dem man kaum etwas falsch machen kann, aber auch zur eigenen mentalen Vorbereitung auf das Kommende. Während in der Wirklichkeit der übliche Warmwettereinbruch den Schnee wegfrisst, diverse Viren den Menschen zu schaffen machen und sonst wie immer Einkaufshektik statt Besinnlichkeit den Advent-Alltag bestimmen, spaziert man mit Rudiš' Protagonisten im Schneefall durch die stille Moldaustadt, in der wundersamer Weise die Wirtshäuser nicht nur allesamt offen haben, sondern auch die freundliche Bewirtung selbstverständlich ist: "Bestellen muss man nicht, wie in jedem guten Lokal bekommt man das Bier hier ungefragt hingestellt."

Doch auch andere sind nicht bei Familienfeiern um Ess- und Gabentisch versammelt, sondern auf den Straßen unterwegs. Kavka etwa, den alle nur Kafka nennen, der aber nicht wie sein berühmter dichtender Namensvetter bei der Versicherung, sondern bei der Post arbeitet, und dessen Kopf an jedem 24. Dezember wie eine Laterne zu leuchten beginnt. Oder der König von Prag, der über die Schlüssel der Stadt verfügt oder zumindest über eine Methode, alle Türen der Stadt aufzubekommen (was ihn freilich schon das eine oder andere Mal hinter Schloss und Riegel gebracht haben dürfte). Oder die Italienerin Stella, deren verstorbener Freund sich in die Kirchen, Beisln und Straßenbahnen von Prag verliebt hatte. Gemeinsam zieht man zur Kirche "Maria Schnee" und zur Moldau, wo man einem Weihnachtskarpfen die Freiheit schenkt, trinkt das eine oder andere Bier und wartet auf das Christkind ... Das kommt tatsächlich, und es sieht ganz anders aus, als man es sich vorstellt.

(Von Wolfgang Huber-Lang/APA)

(S E R V I C E - Jaroslav Rudiš: "Weihnachten in Prag", Mit Illustrationen von Jaromír 99, Luchterhand, 96 Seiten, 16,50 Euro)

ribbon Zusammenfassung
  • Ein Mann streift am Heiligen Abend durch das verschneite Prag. Seine Freunde, die ihn eingeladen haben, sind telefonisch nicht erreichbar. Also lässt er seinen Koffer im Schließfach und dreht eine Runde. Etwa die "Zoorunde" auf ein paar Bierchen in Gasthäusern mit Namen wie "Zum Nilpferd", "Zum Goldenen Tiger" oder "Zum kleinen Hirschen". Es gibt an sich viele Gründe, zu Jaroslav Rudiš' Geschichte "Weihnachten in Prag" zu greifen. Derzeit sind es jedoch besonders viele.

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