APA/TOBIAS STEINMAURER

Wahl-Wiener Gatzmaga freut sich aufs Wettlesen in Klagenfurt

17. Juni 2022 · Lesedauer 3 min

Vor zwölf Jahren ist der gebürtige Düsseldorfer Clemens Bruno Gatzmaga aufgrund einer Job-Anfrage nach Wien gekommen. Mit einem Freund betreibt er hier ein Ausstellungsbüro und fühlt sich auch sehr wohl. Ist er gekommen, um zu bleiben? "Meine 18 Monate alte Tochter ist jedenfalls Wienerin. Sie wurde hier geboren", strahlt er. Zumindest halb eingemeindet ist auch er schon: Beim Österreichischen Buchpreis kam er in die Debüt-Endrunde. Nun tritt er um den Bachmann-Preis an.

Sein im Februar 2021 erschienener Debütroman "Jacob träumt nicht mehr" gab einen Einblick in die gestresste und getriebene Welt von Marketing- und Werbebranche, in der junge Menschen zwischen Aufträgen und Terminen verglühen. Teilweise sei die Geschichte durchaus aus eigenem Erleben gespeist, gibt Gatzmaga im Gespräch mit der APA zu. Der ausgebildete Literaturwissenschafter hat in einer Digitalagentur als Werbetexter gearbeitet. "Das hat lange Spaß gemacht. Irgendwann nicht mehr. Da war es wichtig, durchzupusten."

In die Phase der Neuorientierung kam auch die Romanidee. Mit knapper Hauptsatz-Sprache und dem Einbeziehen vieler eigener Erfahrungen wurde die Geschichte des Workaholic Jacob ein schlüssiges und intensives Ganzes und in Zeiten der geschlossenen Buchhandlungen über Social Media Resonanz zum Debüterfolg. "Schreiben nimmt immer mehr Raum ein", sagt der 37-Jährige, der seine Masterarbeit "Zur Poetik des Traums bei Franz Kafka und Sigmund Freud" schrieb. Doch Storytelling betreibt er derzeit vor allem in seinem 2018 mit Julian Oppmann gegründeten Ausstellungsbüro "Machen". "Bei uns trifft Museumspraxis auf Digitalexpertise. Wir bieten Lösungen in Zeiten des kommunikativen Umbruchs", wirbt das Büro, das als Vorzeige-Projekt auf den Auftrag zum Relaunch des Borusseums, des Vereinsmuseums von Borussia Dortmund, verweisen kann. Mit Fans und Verein wurde dafür ein 120-seitiges Ausstellungsdrehbuch entwickelt, das nach einem detaillierten "Matchplan" umgesetzt wird.

Als literarischer Autor werde er weiterarbeiten, ist er sicher. "Es gibt ein Heft mit vier, fünf Romanideen. Mit Ideen bin ich immer recht schnell. Die wirkliche Arbeit ist das Umsetzen." In Klagenfurt werde er aber keinen Romanauszug, sondern eine geschlossene Geschichte lesen, erzählt Gatzmaga. "Der Text ist aus mir rausgepurzelt. Ich hatte gleich das Gefühl, das könnte ein Bachmann-Text sein." Bald nach dem Auswerfen des Köders hat Jurorin Brigitte Schwens-Harrant angebissen.

Das Sprachbild ist nicht zufällig gewählt: Das Klagenfurter Autorenvideo zeigt Clemens Bruno Gatzmaga in voller Anglermontur, mal auf einer Wien-Fluss-Brücke, mal in den Öffis, mal an einem Teich und schließlich auf einer Parkbank genüsslich eine Sardinendose öffnend. "Humor kann helfen - hoffentlich", begründet er die Wahl seines Sujets und gibt zu: "Ich liebe es zu angeln." Meist geht er jedoch in Schleswig-Holstein auf Hechte und Barsche. Und deutlich mehr als im Wiener Donaukanal im Trüben zu fischen lachen ihn die blauen Gewässer der österreichischen Seen an.

Da sollte sich doch ein Sprung in den Wörther See ausgehen? "Ich war noch nie in Klagenfurt und freu mich total auf die Stadt", versichert der Autor und Kurator. "Ich freue mich auch sehr darauf, viele Autorinnen und Autoren kennenzulernen." Und es wirkt, als freue er sich auch darauf, seinen Text vorzutragen. "Der Text steckt voller Leben und hat einen bestimmten Rhythmus. Wenn man sich darauf einlassen kann, macht es richtig Spaß!" Viel Vorfreude also. Und welcher Spruch fällt dem ehemaligen Werbetexter auf die Schnelle für seinen eigenen Klagenfurt-Auftritt ein? "Alle schauen auf die ganz großen und die ganz kleinen Fische. Die besten sind aber die mittelgroßen."

(Das Gespräch führte Wolfgang Huber-Lang/APA)

(S E R V I C E - https://bachmannpreis.orf.at/, https://www.clemensbruno.com)

Quelle: Agenturen