APA - Austria Presse Agentur

Vor Bond Nr. 25: Die rot-weiß-rote Seite des Geheimagenten

24. Sept 2021 · Lesedauer 4 min

James Bond wäre ohne Österreich nicht denkbar. Zumindest nicht die erfolgreiche Filmreihe. Zahllose Drehorte und Schauspieler kamen aus Austria, am berühmtesten wurden Klaus Maria Brandauers Auftritt als Bösewicht Maximilian Largo im einzigen Warner Bros.-Bond "Sag niemals nie" (1983) und Christoph Waltz als Ernst Stavro Blofeld in "Spectre" (2015) - einen Part, den er auch im neuen Abenteuer "Keine Zeit zu sterben" (2021) innehaben wird.

Der erste Österreicher, der mit James Bond in Berührung kam, war aber der legendäre jüdische Schauspieler Peter Lorre. Der 1933 emigrierte Charakterdarsteller spielte in der amerikanischen TV-Verfilmung von "Casino Royale" (1954) den Bösewicht Le Chiffre - noch acht Jahre vor dem ersten "offiziellen" 007-Film "James Bond jagt Dr. No". Bereits im zweiten Abenteuer, "Liebesgrüße aus Moskau", kam dann Lotte Lenya zu ihrem großen Auftritt. Als Bonds KGB-Gegenspielerin Rosa Klebb erlangte die geborene Wienerin 1963 großen Ruhm, nachdem sie gemeinsam mit ihrem Mann Kurt Weill vor dem Nationalsozialismus in die USA geflohen war.

Vier Jahre später wäre beinahe Helmut Qualtinger bei Bond zum Zug gekommen. Der Paradewiener hätte in "Man lebt nur zweimal" als Vorläufer von Waltz die Rolle des Bösewichts Ernst Stavro Blofeld übernehmen sollen, wurde aber im letzten Moment wegen seiner mangelnden Körpergröße abgelehnt. Stattdessen übernahm Donald Pleasence die Rolle als Gegenüber von Sean Connery. Im folgenden Bond-Film hatte ein Österreicher einen wichtigen, wenn auch nicht sichtbaren Part: Sportstar Toni Sailer sprang als Double von 007-Darsteller George Lazenby bei den in der Schweiz gedrehten Skiszenen in "Im Geheimdienst ihrer Majestät" (1969) ein.

Dem außerhalb der offiziellen Bond-Reihe laufenden Remake von "Feuerball" (1965) verdankte schließlich Klaus Maria Brandauer 1983 einen ordentlichen Karriereschub. Für "Sag niemals nie" wurde er von Sean Connery persönlich verpflichtet, der nach "Diamantenfieber" noch einmal in die Rolle des Geheimagenten schlüpfte und mit dem er sich im Verlauf der Dreharbeiten anfreundete, obgleich er im Film als Oberverbrecher Maximilian Largo auf der Gegenseite steht.

Dass etwas von Bonds Coolness oder Ruhm auch bei einem kleineren Auftritt abfärbt, hofften danach auch drei weitere Österreicher. Für "Der Hauch des Todes" wurde das 20-jährige Fotomodell "Kim" Andrea Stockinger für drei Drehtage verpflichtet und kassierte 1987 dafür immerhin 50.000 Schilling. Die Szene, in der die ehemalige Miss Austria dem Bond-Girl Maryam d'Abo (Kara Milovy) im Palais Schwarzenberg ein Cartier-Kleid verkauft, wurde jedoch im Final Cut nicht berücksichtigt. Der Schauspieler Christian Schmidt ("Müllers Büro") agierte in dem Film zudem als Stand-In für Bond-Darsteller Timothy Dalton. Und in "Casino Royale" saß der niederösterreichische Croupier Andreas Daniel am Pokertisch neben Daniel Craig als 007.

Und dann schlug 2015 die große Stunde für Christoph Waltz, als der Tarantino-Liebling für "Spectre" den Part des Franz Oberhauser vulgo Ernst Stavro Blofeld übernahm, den diabolischen Stiefbruder von James Bond, der auch im 25. Bond-Abenteuer "Keine Zeit zu sterben" zurückkehren soll. Aber diese beeindruckende Riege an Akteuren ist nicht der einzige rot-weiß-rote Beitrag zum Franchise.

Neben den Darstellern bekamen in drei Filmen auch österreichische Schauplätze eine Hauptrolle. Während die Anfangssequenzen von "Der Spion, der mich liebte" (1977) zwar in einem fiktiven Alpendorf in Österreich spielen, jedoch nicht dort gedreht wurden, sind die Produzenten bei "Der Hauch des Todes" (1987) der Einladung von Wiens Bürgermeister Helmut Zilk (SPÖ) gefolgt, der verkündete, man könne man auch "gerne die U-Bahn in die Luft sprengen". So wurde Timothy Dalton im Wiener Rathaus als neuer Bond-Darsteller präsentiert, gedreht wurde danach unter anderem im 18. Bezirk, im Prater, bei Schloss Schönbrunn, den Sofiensälen und den Gasometern. Wiens 9. Bezirk diente außerdem als zusätzliche Kulisse für Bratislava. Die Cello-Rutschpartie im Schnee über die tschechisch-österreichische Grenze wurde auf der Naggler-Alm in Kärnten inszeniert, Special Effects mit dem Aston Martin am Weißensee und in einem Tunnel bei Sachsenburg nahe Spital.

Für größere Aufregung und ein richtiges Bond-Fieber in Vorarlberg sorgten 2008 dann die Dreharbeiten in Feldkirch und Bregenz für den 22. Bond-Film "Ein Quantum Trost". Mehr als sieben Minuten von der Seebühne und dem Bregenzer Festspielhaus schafften es in den Final Cut - was das Stadtmarketing der Vorarlberger Hauptstadt gleich für geführte Bond-Rundgänge nutzte.

Und schließlich kamen beim 24. Bond-Abenteuer "Spectre" nicht nur Christoph Waltz, sondern auch die Steiermark und Tirol zu Ehren. So trifft Bond seinen Informanten Mr. White im Jagdhaus Seewiese am Altausseer See, bevor er sich zur vermeintlichen Bergklinik aufmacht - in Wahrheit das Gipfelrestaurant Ice Q am Tiroler Gaislachkogel.

Quelle: Agenturen