APA - Austria Presse Agentur

US-Schauspieler mit Wiener Wurzeln: August Zirner wird 65

07. Jan 2021 · Lesedauer 3 min

August Zirner hat eine große Liebe zu Wien, auch wenn er nicht in der Stadt geboren wurde. Die Eltern des stillen Künstlers mussten auf der Flucht vor den Nazis aus der Donaumetropole in die USA emigrieren. Dort, im kleinen Städtchen Urbana, kam der heute im deutschen Sprachraum erfolgreiche Schauspieler am 7. Jänner 1956 zur Welt - und feiert nun seinen 65. Geburtstag.

Zirners jüdische, verwitwete Großmutter Ella Zirner-Zwieback leitete vor der Machtübernahme der Nazis das Modekaufhaus Zwieback in der Kärntner Straße, besaß aber auch das Palais mit dem Nobelrestaurant "Drei Husaren" und zahlreiche weitere Güter. Nach der Enteignung durch das NS-Regime flohen Ella und ihr Sohn Ludwig in die USA. Zirners Vater, ein Pianist und Dirigent, leitete später in Illinois eine Opernschule. Seine Mutter, eine Grafikerin, die 1934 das Plakat für den Opernball entworfen hatte, war ebenfalls aus Wien nach Amerika ausgewandert.

Zirner wuchs aus diesem Grunde in den USA auf, deren Staatsbürgerschaft er bis heute besitzt. Allerdings verlegte er nach dem Schulabschluss in den 1970ern seinen Wohnsitz nach Europa und wurde Schüler am Wiener Max-Reinhardt-Seminar. Von dort aus startete der Schauspieler eine Karriere, die ihn vom Debüt am Volkstheater Wien zu Engagements in Hannover, Wiesbaden oder München führte. In den vergangenen Jahren war er in Wien etwa in den Kammerspielen in Glattauers "Vier Stern Stunden" zu sehen. Über Wien sagte er einmal im APA-Interview: "Mein Verhältnis zu dieser Stadt kann man am besten mit dem beschreiben, was Hans Weigel einmal zu meiner Mutter gesagt hat: Wien muss man hassen, um es lieben zu können."

Mittlerweile ist Zirner eines der bekannten Fernsehgesichter des deutschen Sprachraums und war bereits in unzähligen TV-Filmen zu sehen. Zugleich machte er sich aber auch im Kino einen Namen und flimmerte etwa in Volker Schlöndorffs "Homo Faber" (1990) oder Stefan Ruzowitzkys Oscar-gekröntem "Die Fälscher" über die Leinwand.

Heute ist der vielseitige Künstler, der seit Jahrzehnten in Deutschland lebt, immer wieder auch in Österreich auf der Bühne zu sehen. Ab 6. Februar ist er - so Corona nicht neuerlich einen Strich durch die Rechnung macht - am Salzburger Landestheater als Robert Schuster in Alexandra Liedtkes Inszenierung von Thomas Bernhards "Heldenplatz" zu sehen. Zudem frönt er als Flötist mit dem Spardosen-Terzett seiner zweiten Leidenschaft, dem Jazz. Dabei scheint sich das Talent in der Familie zu vererben. Zumindest ist eines seiner vier Kinder in die Fußstapfen des Vaters getreten: Schauspieler Johannes Zirner.

Ans Aufhören denkt er aber nicht, wie er der Deutschen Presse-Agentur kurz vor seinem 65. Geburtstag sagte. "Ich arbeite wahnsinnig gerne und will das auch weiterhin tun." Was ihn aber viel mehr umtreibt als der anstehende Geburtstag, sind der Zustand der Gesellschaft und die Situation der Künstler angesichts der Corona-Krise. "Es ist einfach traurig, dass sich die Welt in Vernünftige und Unvernünftige teilt", sagt er zum Umgang der Gesellschaft mit der Pandemie. Ihm sei unverständlich, weshalb "Menschen nicht einsehen können, dass es nicht schlimm ist, ein paar Monate mit Einschränkungen zu leben und sich zurückzuziehen". Der Grad der Verwöhnung im Land sei sehr hoch. Zur Situation seiner Branche sagt der Schauspieler: "Der Staat vergisst, dass Deutschland eine Kulturnation ist. Es ist aber auch eine Erkenntnis, dass sich der Staat nicht auf die Eigenverantwortung der Bürger verlassen kann."

Quelle: Agenturen