APA - Austria Presse Agentur

US-Schauspieler Bruce Dern ist 85 Jahre alt

04. Juni 2021 · Lesedauer 4 min

Der Oscar spielt in der Schauspielerfamilie Dern eine wichtige Rolle: Laura Dern (54) hat die begehrte Trophäe im Vorjahr für ihre Nebenrolle in "Marriage Story" erhalten, Mutter Diane Ladd (85) war bereits dreimal für die Auszeichnung nominiert. Und bei Vater Bruce Dern hat die Nominierung 2014 als bester Hauptdarsteller für "Nebraska" einer langen Karriere neuen Schwung verpasst. Am Freitag feiert der Mime seinen 85. Geburtstag.

Sein Comeback verdankte Dern damals einer schrägen Rolle als verwirrter Familienvater mit zerzauster Sturmfrisur in dem Road-Movie von Alexander Payne. Darin verwandelt er sich in den schrulligen Woody Grant, der einem absurden Traum nachjagt. Er glaubt einem Werbeversprechen, wonach im Nachbarstaat Nebraska ein Lottogewinn in Millionenhöhe auf ihn wartet, den er sich persönlich abholen will. Beim Filmfest in Cannes wurde er zum besten Schauspieler gekürt.

Auch mit Mitte 80 schraubt Dern das Tempo nicht zurück. Im vorigen September versicherte der passionierte Langstreckenläufer, dass er weiterhin joggen gehe, "trotz der schlechten Hüften", sagte der Schauspieler im Interview mit dem Filmportal "Awards Radar". Er bedauerte aber, dass wegen der Coronapandemie die Dreharbeiten zu der TV-Serie "Goliath" brach liegen würden. In der vierten Staffel der Kriminal-Anwaltsserie spielt Dern an der Seite von Billy Bob Thornton mit.

Er ist selten Hollywoods "Leading Man", dafür aber ein Meister in Nebenrollen, oft als Bösewicht, Psychopath oder Eigenbrötler. In dem Action-Thriller "Death in Texas" (2020) schlug er als blutrünstiger Drogenboss zu. In dem Drama "The Artist's Wife" (2020) spielte er an der Seite von Lena Olin einen dementen Künstlergatten, in dem Drogenthriller "White Boy Rick" (2019) mit Matthew McConaughey war er als Großvater zu sehen.

In dem Tarantino-Film "Once Upon A Time in Hollywood" trat er 2019 als der verschrobene Rancher George Spahn auf, auf dessen Grundstück Sektenführer Charles Manson und dessen Anhänger in den 60er-Jahren mehrere Monate lebten. Quentin Tarantino, ein erklärter Bewunderer Derns, holte den Schauspieler zuvor als brutalen Sklavenhalter in "Django Unchained" (2012) und für den Western "The Hateful Eight" (2015) als rassistischen General vor die Kamera. Neben Tarantino zählt Dern Regisseure wie Elia Kazan, Alfred Hitchcock, Francis Ford Coppola und Alexander Payne zu seinen Favoriten.

Dern, der 1936 als Sohn einer Politikerfamilie in Chicago geboren wurde (sein Großvater war Gouverneur des US-Bundesstaates Utah), lernte sein Handwerk in Lee Strasbergs renommierter New Yorker Schule, aber auch bei Trash-Meister Roger Corman ("Die wilden Engel"). In Kazans "Wild River" gab er 1960 mit einer kleinen Nebenrolle sein Filmdebüt. Hitchcock holte ihn 1964 an der Seite von Tippi Hedren und Sean Connery für den Psychothriller "Marnie" vor die Kamera. Auch in dem Comedy-Thriller "Familiengrab", Hitchcocks letztem Film, arbeiteten die beiden 1975 noch einmal zusammen.

In dem Western "Die Cowboys" (1971) war Dern der Bandit, der die von John Wayne gespielte Figur erschoss. Als Charakterdarsteller glänzte Dern in dem Kostümfilm "Der große Gatsby" (1973), nach einem Drehbuch von Francis Ford Coppola. An der Seite von Robert Redford und Mia Farrow spielte er den Millionär Tom Buchanan.

Seine erste Oscar-Nominierung als bester Nebendarsteller holte Dern 1979 mit dem Vietnam-Veteranen-Film "Coming Home - Sie kehren heim", an der Seite von Jon Voight und Jane Fonda. Dern hatte in Hollywood auch Durststrecken, doch mit ungewöhnlichen Rollen machte er immer wieder auf sich aufmerksam, etwa als verschrobener Großvater einer Polygamistenfamilie in der TV-Serie "Big Love", die er ab 2006 fünf Jahre lang drehte.

Als Schauspielerfamilie schrieben Dern, Ex-Ehefrau Ladd und Tochter Laura in Hollywood Geschichte, als sie 2010 auf dem berühmten Bürgersteig "Walk of Fame" auf einen Schlag drei Sterne erhielten. Künstlerisch nimmt sich Dern gerne kleine Freiheiten heraus, die er mit dem Begriff "Dernsies" umschreibt. Das seien "kleine Dinge, die man einbringt, etwa Charakterzüge oder Dialoge, die nicht im Skript stehen", erzählte er Journalisten bei den Festspielen in Cannes, wie "Filmmaker Magazine" 2013 berichtete.

Hitchcock muss das offenbar geschätzt haben. Er habe den Regisseur am ersten Drehtag von "Familiengrab" gefragt, warum er, Dern, den Zuschlag für die Rolle bekommen habe. Hitchcock habe ihm geantwortet, er sei unterhaltsam und unberechenbar - "und deshalb bist du hier".

Quelle: Agenturen