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Tim Bendzko veröffentlicht Album mit "zwei Welten"

Vaterschaft und Pandemie haben zuletzt das Leben von Tim Bendzko mitgeprägt. Ein Album, "das 2021 gefühlt fertig war", wie der Popsänger im APA-Interview erzählte, fühlt sich "wegen der Gesamtsituation" nicht mehr richtig an. So nahm er weitere Songs auf, bis vom ursprünglichen Album "nicht mehr viel übrig" blieb. Am 31. März erscheint nun "April", das bisher stärkste Werk des Musikers. "Ich bin beim Schreiben ein bisschen in einer Harakiri-Stimmung gewesen", lachte er.

"So frei nach dem Motto: was hat man nach diesen zweieinhalb Jahren noch zu verlieren? Da kann man auch ein bisschen was wagen", führte der Ostberliner aus. Mit der ursprünglichen Produktion war Bendzko "nicht unzufrieden", aber 2021 oder 2022 ein Album zu veröffentlichen, "das versucht, ein bisschen Mut zu machen, und optimistisch in die Zukunft guckt", hätte irgendwie nicht gepasst, "weil wir da alle noch mit anderen Dingen beschäftigt waren".

Auf "April" präsentiert Bendzko seine bisher besten Texte, sein Gesang hat so viele Farbtöne wie nie. "Ich kann nicht begründen, warum", sagte der Künstler, der am 9. April seinen 38. Geburtstag feiert, am Donnerstag bei einem Wien-Aufenthalt. "Vielleicht, weil ich den großen Drang hatte, dass es ein sehr abwechslungsreiches Album wird. Und das gelingt besser, wenn man Zeit hat. Wenn man die Songs in drei Monaten schreibt, ist es einfacher, einen roten Faden zu finden. Das hat aber den Nachteil, dass alles durch die gleiche Brille gesehen wird. So dachte ich, ich probiere mal ein paar Sachen aus."

Der Titel "April" versteht sich als Programm, launisch geht es auf dem Album zu. "Es hat zwei Welten", erklärt Bendzko. "Es fängt sehr optimistisch an, dann geht alles schief, dann wird es wieder optimistisch, dann geht wieder alles den Bach runter - und es endet positiv. So kam ich auf 'April', weil dieser Titel das Leben widerspiegelt und die letzten zweieinhalb Jahre sowieso. So ist es halt, es gibt immer ein Auf und Ab. Immer wenn man glaubt, jetzt ist alles gut und man hat sein Leben sortiert, kann man die Uhr danach stellen, dass irgendwas Komisches passiert."

Mit "Wer rettet die Welt für mich" schrieb Bendzko eine Fortsetzung seines Hits "Nur noch kurz die Welt retten". Letzterer Song habe ihm seit dessen Veröffentlichung vor zwölf Jahren etwas vor Augen geführt: "Jedes Jahr heißt es: 'Mensch, das gibt's ja gar nicht, wie sehr das Lied gerade passt.' Das heißt, es gibt jedes Jahre eine Krise, von der wir denken, das ist die schlimmste aller Zeiten. Das drückt immer die positiven Dinge weg. Wir haben als Menschheit unfassbar viel erreicht. Auf einen langen Zeitraum gesehen, ist die Entwicklung positiv. Aber wir sehen das nicht, weil wir uns von den großen Krisen ablenken lassen."

Er selbst bleibe trotz der Weltlage "tatsächlich optimistisch", versicherte Bendzko. "Weil ich glaube, dass wir in der Lage sind, Energien zu bündeln und was zu schaffen, wenn es wirklich ernst wird. Wir haben in einem Jahr einen Corona-Impfstoff entwickelt, eine unglaubliche Leistung. Leider können wir solche Leistungen immer erst dann bringen, wenn der Druck extrem groß ist. Das ist so ein bisschen meine Angst beim Thema Klimawandel, dass noch sehr viel Leid notwendig ist, bis wir dann sagen: 'Ok, wir müssen alles da reinstecken.' Aber ich glaube, es ist möglich!"

Mit "Das Glück kommt zurück" hat Bendzko ein Lied am Start, das in den nächsten Jahrzehnten Menschen mit gebrochenem Herzen aus jenem spricht. "Ganz viele Songs für das Album habe ich zu ganz kleinen Bildern geschrieben", erläuterte der Musiker. "Bei dem Song hatte ich die Szene vor mir, wie zwei Erwachsene an einem Tisch sitzen und der eine den anderen tröstet. Ganz einfach. Der Song hat keine andere Aufgabe, als zu trösten. Weil es geht vorbei!"

Und dann gibt es noch den Track "Das Leben wieder leben". Bendzko: "Wenn uns jetzt irgendwas bewusst geworden ist, hoffe ich zumindest, dann, wie wichtig es ist, zusammenzukommen." Essen bestellen, per Video kommunizieren, Filme getrennt vor dem Bildschirm ansehen - das gehe zu Lasten der zwischenmenschlichen Begegnung. "Das größte Problem von allen Industrieländern ist es, wenn wir uns nicht mehr miteinander verbunden fühlen, dass immer mehr Menschen sich isolieren."

2020 kam Bendzkos Sohn auf die Welt. Was sich dadurch für ihn verändert hat? "Ich mache alles nicht mehr für mich, sondern für meine Familie." Bildlich gemeinter Nachsatz: "Man geht nicht als erster durch die Türe, sondern hält sie auf."

(Das Gespräch führte Wolfgang Hauptmann/APA)

(S E R V I C E - www.timbendzko.de)

ribbon Zusammenfassung
  • Vaterschaft und Pandemie haben zuletzt das Leben von Tim Bendzko mitgeprägt.
  • Ein Album, "das 2021 gefühlt fertig war", wie der Popsänger im APA-Interview erzählte, fühlt sich "wegen der Gesamtsituation" nicht mehr richtig an.
  • So nahm er weitere Songs auf, bis vom ursprünglichen Album "nicht mehr viel übrig" blieb.
  • Mit "Wer rettet die Welt für mich" schrieb Bendzko eine Fortsetzung seines Hits "Nur noch kurz die Welt retten".