Tierisch rund: "Animalia" in der Heidi Horten Collection
Rund 90 Werke - ein bunter Mix aus Gemälden, Skulpturen, Videoarbeiten und Fotografien - aus dem 20. und 21. Jahrhundert warten auf Besucherinnen und Besucher im 1. und 2. Stock des Privatmuseums - mit Ausnahme eines riesigen Bronze-Affen, der bereits im Nahbereich der Kassa einen Vorgeschmack auf die tierischen Begegnungen gibt.
Zentraler Impuls ist der Begriff "Animalia". Dieser bezeichnet laut den Presseunterlagen im Sinne des Naturforschers Carl von Linné eine Ordnung, die Mensch und Tier gleichrangig zusammenfasst und somit der Grenzziehung zwischen Mensch und Tier gegenübersteht. "Wie positioniert der Mensch sich im Verhältnis zum Tier und wie definiert er darin sein Selbstbild? Welche kulturellen Zuschreibungen, Projektionen und Machtverhältnisse gehen aus dieser Unterscheidung hervor?", umriss Direktorin Verena Kaspar-Eisert zentrale Fragen, die von den Werken teils plakativ und dann wieder subtil-augenzwinkernd behandelt werden.
Museumsgründerin Heidi Horten waren Tiere ein großes Anliegen, erklärte Kaspar-Eisert am Donnerstag bei einer Presseführung. Folglich mag es nicht überraschen, dass Tierdarstellungen auch umfangreich in die Sammlung eingingen und nun das Fundament der Ausstellung bilden. Sie werden ergänzt durch einige Leihgaben. Angelegt ist die Schau wie ein thematischer Parcours mit sechs Kapiteln.
Das Tier als (Überlebens)Partner
Los geht es mit dem Tier als Partner. Katze und Hund werden gegenübergestellt und ums Eck wird auch dem Pferd Tribut gezollt - etwa mit Gemälden von Marc Chagall. Anna Jermolaewa ordnete 40 Katzenporträts an, die mit ihren unterschiedlichen Gesichtsausdrücken sofort daran erinnern, wer der wahre Star im Internet ist. Sie alle sind als oberste Mäusefänger in der Eremitage in St. Petersburg angestellt. Ein Text der Künstlerin klärt darüber auf, dass Katzen erstmals von Zarin Elisabeth bestellt wurden, da sie große Angst vor Ratten und Mäusen hatte. Seitdem waren sie beinahe immer präsent in der Einrichtung - nur während des 2. Weltkriegs wurden fast alle aufgegessen. "Heute haben wir eine gebratene Katze aufgegessen. Hat sehr gut geschmeckt", hielt ein Zehnjähriger in einem Tagebuch fest. Später wurden sie wieder in die Stadt gebracht, um einem unglaublichen Rattenproblem beizukommen. Echte (Überlebens)Partner eben.
Das Tier als wissenschaftliche Kategorie wird etwa mit von Gelatin in Glasgefäße eingelegten Stofftieren, die wie kryptische Wesen wirken, aufgegriffen. Der Abschnitt zu "Das Tier als Spiegel des Selbst" befasst sich primär mit feministischen Positionen. Neben Gustav Klimts "Dame im Pelz" hängt etwa Birgit Jürgenssens selbstermächtigendes "Selbst mit Fellchen", das ihr halb unter einem Fuchsfell verdecktes Gesicht mit gespitzten Lippen zeigt. Maria Lassnig ist mit einem Gemälde ("Schmetterling") vertreten, das sie sehnsüchtig auf einen Schmetterling blicken lässt.
Dass Tiere auch als Bestien gesehen werden, verdeutlicht Alfred Kubin mit zwei gewohnt düsteren Arbeiten. Selva de Carvalho erkennt auch im Patriarchat eine Bestie und lässt eine Schlange in ihrer Arbeit aus Baumwollstoff "A Boa Esperanca" kurzerhand in einen Phallus beißen.
Die "UR Mutter" neben "snackworst"
"Tiere werden auch auf ihre Fleischlichkeit reduziert und als Ware konsumiert", hielt Annkathrin Weber, neben Véronique Abpurg eine der beiden Kuratorinnen der Schau, fest. So wird kurzerhand der mächtigen "UR Mutter" - eine große Skulptur eines lila-weiß-farbenen Schweins von Lena Henke - das Gemälde "snackworst" von Kristof Santy gegenübergestellt, das - genau - Snackwürste zeigt.
Als "gedankliches Experiment", so Abpurg, wird die Ausstellung mit dem Kapitel "Das eigenständige Tier" abgeschlossen. Es zeigt Arbeiten, die versuchen, die Grenze zwischen Mensch und Tier aufzuheben, sie als Gefährten und Mitakteure zu verstehen. Vertreten ist hier etwa das Interspezies-Kollektiv CMUK, dem Ute Hörner, Mathias Antlfinger und zwei Graupapageien namens Clara und Karl angehören. Letzteren werden (problematische) Bücher vorgelegt, die sie höchst kunstvoll bearbeiten - also primär in viele kleine Teile zerlegen.
Mosbacher zeichnet mitgebrachte Hunde
Das Rahmenprogramm zur Ausstellung wartet u.a. mit einem "Hundesalon" am 18. April (11 bis 18 Uhr) auf, wobei Alois Mosbacher, der selbst mit einem Gemälde in der Schau vertreten ist, Porträts von mitgebrachten Hunden anfertigt. Das Event ist bereits ausgebucht, zuschauen kann man aber allemal.
(S E R V I C E - "Animalia. Von Tieren und Menschen" von 27. März bis 30. August in der Heidi Horten Collection. Wien 1, Hanuschgasse 3, tgl. außer Di 11-19 Uhr, Do 11-21 Uhr, www.hortencollection.com ; Katalog "Animalia. Begegnungen von A bis Z" um 39 Euro erhältlich)
Zusammenfassung
- Die Ausstellung "Animalia. Von Tieren und Menschen" zeigt ab 27. März bis 30. August rund 90 Werke in der Heidi Horten Collection in Wien.
- Die Schau beleuchtet das Verhältnis von Mensch und Tier in sechs thematischen Kapiteln, mit Beiträgen von Künstlerinnen und Künstlern wie Marc Chagall, Gustav Klimt und Anna Jermolaewa.
- Ein zentrales Motiv ist die Gleichrangigkeit von Mensch und Tier, inspiriert von Carl von Linnés Begriff "Animalia".
- Das Rahmenprogramm umfasst unter anderem einen ausgebuchten Hundesalon am 18. April, bei dem Alois Mosbacher Hunde porträtiert.
- Der Ausstellungskatalog ist für 39 Euro erhältlich; geöffnet ist täglich außer Dienstag von 11 bis 19 Uhr, donnerstags bis 21 Uhr.
