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Theater in der Josefstadt ist im "Höhenflug" und muss sparen

08. Juni 2022 · Lesedauer 4 min

Elf Premieren kündigt das Theater in der Josefstadt für die kommende Saison an, die mit "Anna Karenina" eröffnet wird und die Josefstadt-Debüts von Robert Meyer (er spielt in Ostrowskijs "Der Wald") und Regielegende Dieter Dorn (er inszeniert zwei Stücke von Beckett und Feydeau an einem Abend über Traum und Albtraum, Sinn und Unsinn) bringt. Die Schlagzeile, die sich Intendant Herbert Föttinger wünscht, lautet übrigens: "Die Josefstadt befindet sich im Höhenflug."

Diesen Höhenflug versuchte der Theaterleiter bei dem Pressegespräch am Mittwoch anhand von Charts mit den Auslastungszahlen zu belegen. "Ich hab zum ersten Mal in meinem Leben Taferln mit - das hat aber weniger mit Jörg Haider als mit Gesundheitsminister Rudolf Anschober zu tun." Aus Sicht Föttingers belegen die Kurven die grassierende Ausbreitung des "Josefstadt-Theatervirus". Während coronabedingt die Auslastung in der Josefstadt im November und Dezember bei 35 und 33 Prozent grundelte, zeigte die Kurve nun stark nach oben: "Im Mai passiert das Theaterwunder Josefstadt, da sind wir bei 80 Prozent Auslastung." In den Kammerspielen sei man nach 95 Prozent im Oktober auf knapp 40 Prozent im Dezember abgestürzt und hielt im Mai wieder bei 85 Prozent. Die Gesamtauslastung der bisherigen Saison bezifferte er auf Nachfrage mit durchschnittlich 73 Prozent (beide Spielstätten gemeinsam), am Ende werde man vermutlich bei 75 Prozent landen.

"Ein schwieriges Jahr war es allesamt - weil wir aufgrund von Corona 55 Vorstellungen total absagen mussten", sagte Föttinger. 190 Vorstellungsänderungen in beiden Häusern sei "eine Zahl, die unglaublich ist, und die es dem Theater wirklich schwer macht. Man habe in dieser Saison über 260 positive Fälle registriert, alleine bei der Leseprobe zu dem Stück "Leopoldstadt" habe sich gleich die Hälfte der Mitwirkenden infiziert. "Entscheidend ist, dass wir nicht versuchen, das Theater totzuschreiben. Niemand weiß, wie der Herbst wird. Ich glaube aber nicht, dass es zu einem Lockdown kommt."

Derzeit halte man bei rund 15-16.000 Abonnenten, sagte der Theaterleiter. Das seien 1.500 bis 2.000 weniger als vor der Pandemie, "und wir werden uns sehr viel einfallen lassen, sie zurückzuholen". Etwa mit "Anna Karenina" ("Silvia Meisterle in einer großen Titelrolle - das hat sie sich verdient."), dem Start einer politischen Ibsen-Trilogie in der Inszenierung von David Bösch (Günter Franzmeier kommt fix ins Ensemble und spielt den Badearzt Stockmann) oder einer "Ritter, Dene, Voss"-Inszenierung von Peter Wittenberg (er inszeniert mit Sandra Cervik in der Ritter-Rolle und Maria Köstlinger in der Dene-Rolle sowie Johannes Krisch die siebente Bernhard-Premiere der Direktion Föttinger).

"Wir gehen sehr siegesbewusst in die nächste Spielzeit", versicherte Föttinger. 2 Mio. Euro habe man sich durch das Fertigproben von Produktionen für die kommenden zwei Spielzeiten erspart, insgesamt müsse man in diesen beiden Jahren 7 Mio. einsparen, "das ist das große Problem". Der Aufsichtsrat habe dem Theater auferlegt, nicht wie bisher mit 10 Mio. Euro Jahreseinnahmen zu kalkulieren. "Jetzt müssen wir mit 7,5 Mio. Euro rechnen, aber Bund und Stadt Wien sind nicht bereit, die Differenz abzudecken." Die Unternehmensberatungsfirma BDO habe aufgezeigt: "Unser Einsparungspotenzial ist, dass wir weitaus weniger produzieren. Es war ja ein verrücktes Unternehmen, es ging immer nur um: spielen, spielen, spielen!" Daher werde man Schließtage einführen und Doppelvorstellungen streichen. Diese Entlastungen für das Theater sollen dauerhaft bleiben. Doch in der übernächsten Saison will Föttinger wieder mehr Premieren als heuer anbieten, wo man einige Wiederaufnahmen noch nicht im Abo angeboten habe. "Das ist das Sparprogramm, das möglich ist durch die vorproduzierten Produktionen."

Die von Bund und Stadt insgesamt zusätzlich gezahlten 3,2 Mio. (von 5,5 Mio. Euro) seien keine Entschuldung gewesen, sondern "eine Zusatzförderung, die wir jetzt verwenden". 2024 müsse es wieder "eine Sockelerhöhung geben". Dass der Stiftungsvorstand künftig Thomas Drozda heißt, "wurde mir mitgeteilt, und ich musste das zur Kenntnis nehmen", sagte Föttinger. "An der Entscheidungsfindung waren wir nicht beteiligt." Das sei "statutenmäßig nicht ganz korrekt passiert - wir hatten aber keine Alternative anzubieten."

Alternativen für den Intendanten gibt es derzeit auch keine. Auf Ersuchen der Journalisten formulierte er jedenfalls auch die Negativ-Schlagzeile selbst: "Föttinger verlässt 2026 die Josefstadt."

(S E R V I C E - www.josefstadt.org)

Quelle: Agenturen