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Stipsits: Sich vor Fremden auszuziehen, "hat etwas Absurdes"

03. Okt. 2022 · Lesedauer 6 min

Thomas Stipsits alias Callboy Georgy Hillmaier kehrt ins Kino zurück: Nach dem Erfolg des ersten Teils - "Love Machine" war etwa publikumsstärkster Film beim Österreichischen Filmpreis 2020 - findet sich der Frauenversteher in "Love Machine 2" nun unerwartet in der Vaterrolle wieder. Mit der APA hat Stipsits über Sexszenen, Vereinbarkeit von Familie und Beruf und darüber, was ihn mit seiner Rolle verbindet, gesprochen. Der Film startet am 6. Oktober in den Kinos.

APA: Wie war es für Sie, in die Rolle des Georgy Hillmaier zurückzukehren?

Thomas Stipsits: Wenn man einen Charakter entwickelt und ihn nochmal spielen darf, fällt extrem viel Vorarbeit weg. Es macht irrsinnig Spaß, weil man mit dem bereits entwickelten Charakter neue Dinge ausprobieren kann. Das Team war nahezu dasselbe wie beim ersten Teil. Natürlich ist das, was wir gemacht haben, Arbeit. Aber es herrschte teilweise schon Skikurs-Stimmung.

APA: Hat es sich beim Dreh genauso angefühlt wie beim ersten "Love Machine"-Film?

Stipsits: Wir hatten unseren Waldemar (Georgy Hillmaiers Sohn, Anm.), den Fred, der uns auf Trab gehalten und ganz schön veräppelt hat. Irgendwann hat er gespürt, wann die Kamera läuft und dass er da etwas tun muss. Er musste nur einmal im Film "Papa" sagen und hat es nie gesagt. Kaum war die Kamera aus, sagte er mit einem schelmischen Grinsen "Papa, Papa, Papa".

APA: War es für Sie immer klar, dass Georgy neben einem guten Callboy auch ein guter Vater sein wird?

Stipsits: Ja, weil der Georgy ein Mensch ist, der Menschen mag und einen gewissen Gerechtigkeitssinn hat. Ich habe das Gefühl, er achtet zuerst auf die anderen und vergisst sich selbst ein bisschen. Er bekommt sein eigenes Leben nicht auf die Reihe. Bei dem Film ist schön, dass man sieht, wie ein leichtfüßiger Charakter - jemand, der wie ein Fisch ist, den man nicht halten kann - langsam in diese Vaterrolle hineinwächst.

APA: Georgy hat Probleme bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Das wird meist Müttern zugeschrieben. Kennen Sie das aus Ihrem eigenen Leben?

Stipsits: Ja, natürlich. Es ist jammern auf hohem Niveau, aber es gibt keine Regelmäßigkeiten in meinem Beruf. Man muss die Struktur immer wieder neu erfinden. Wir sind Gott sei Dank mit Omas und Opas, die uns viel abnehmen, und diversen Kindermädchen gut versorgt. Andererseits bietet der Beruf die große Freiheit, ein Monat, im Sommer auch zwei Monate, Pause zu machen und mit den Kindern zu verbringen.

APA: Georgy verbringt im neuen Film Zeit in einem buddhistischen Kloster in Thailand und zitiert dann gerne "den Buddha". Warum vertieft er sich gerade in den Buddhismus?

Stipsits: Ich glaube, weil es die Religion ist, die dem Georgy am Nächsten ist. Ich habe das Gefühl, Buddhismus ist eine relativ entspannte Religion und dass dieser Zugang zum Leben dem Georgy taugt. Dieses "Wenn es heute passiert, ist es gut, wenn es morgen passiert, ist es auch okay." Ich bin mir nicht sicher, ob er mit Kalkül nach Thailand gefahren ist. Er hat sich dorthin treiben lassen und gemerkt, die sind sehr entspannt und singen viel, da bleibe ich eine Zeit lang.

APA: Wie ähnlich sind Sie und Georgy sich?

Stipsits: Der Georgy ist jemand, der Menschen mag, das teilen wir zu 100 Prozent. Wenn es hart auf hart kommt, ist er halbwegs verlässlich, und das bin ich auch. Auch Züge seiner Tollpatschigkeit sehe ich bei mir, und wir können beide Dinge, die zu erledigen sind, lange vor uns herschieben. Was Haushalt betrifft, bin ich das Gegenteil von Georgy - ich bin ein Monk und mag es gerne zusammengeräumt.

APA: Wie hilfreich ist Ihr Job als Kabarettist beim Dreh einer Komödie?

Stipsits: Ich glaube schon, dass es hilft. Ich mache das jetzt schon 20 Jahre lang, da bekommt man ein gewisses Gefühl für Timing. Das kann man aber nicht eins zu eins von der Bühne auf den Film übertragen.

Ich habe gelernt, dass gerade bei der Komödie weniger mehr ist. Wenn die Szene an und für sich schon sehr absurd ist, muss ich dem Absurden mit meinem Spiel nicht noch eins draufsetzen. Die Gefahr ist groß, weil es lustig ist, wenn man zu dick aufträgt. Aber lustiger wird es, je realer man spielt. Wenn mir bei Drehbuchbesprechungen etwas einfiel, hat sich Andreas (Schmied, Regisseur, Anm.) auf mich verlassen und gemeint "Passt, das lassen wir so drin."

APA: Sex ist eines der Hauptthemen des Films. Wie fühlte es sich an, die Sexszenen zu drehen?

Stipsits: Es war komplette Routine (lacht). Es hat etwas Absurdes, sich vor fremden Menschen auszuziehen. Es ist aber nicht so aufregend, wie man sich das vorstellt. Der Ablauf ist sehr, sehr technisch. Man sitzt mehr oder weniger nackt herum, der Genitalbereich wird abgeklebt. Im zweiten Teil habe ich eine Sexszene mit Angelika Niedetzky, die ich schon lange kenne. Wenn man sich lange kennt, ist die Scheu nicht so groß, man nimmt es mit Humor. Es gab dabei ein Problem mit dem Licht, wir saßen aber schon nackt aufeinander. Sie haben uns dann gebeten, gleich in der Position bleiben. Dann saßen wir nackt aufeinander und haben über das Einkaufen geredet. Und plötzlich hieß es: "Licht steht und jetzt Leidenschaft!"

Das Team hat Sicherheit gegeben - wir haben besprochen und geprobt, jeder ist nur so weit gegangen, wie er wollte, damit sich niemand unwohl fühlt. Einen Kuss finde ich schwieriger, den kann man nicht faken.

(Das Gespräch führte Ines Garherr/APA)

(ZUR PERSON: Thomas Stipsits wurde 1983 in Leoben geboren. Im Jahr 2004 erhielt er gemeinsam mit Klaus Eckel, Pepi Hopf und Martin Kosch den Österreichischen Kabarettförderpreis, 2012 gemeinsam mit Manuel Rubey den Österreichischen Kabarettpreis. Derzeit ist der Kabarettist mit Wurzeln in Stinatz mit seinem Soloprogramm "Stinatzer Delikatessen - ein Quasi Best Of" auf Tour. Als Schauspieler war er etwa im Kinofilm "Baumschlager" und im "Tatort" zu sehen, mit seinen "Stinatz-Krimis" wurde er zum Bestsellerautor.)

(S E R V I C E - http://lovemachine.derfilm.at/)

Quelle: Agenturen