APA/APA/ERWIN SCHERIAU/ERWIN SCHERIAU

Stefanie Wergers Abschied: Im Grazer Orpheum flossen Tränen

30. Okt. 2022 · Lesedauer 3 min

Fast ein halbes Jahr ist sie noch einmal auf Tournee gewesen, am Samstag war dann wohl endgültig Schuss. Stefanie Werger verabschiedete sich mit zwei ausverkauften Konzertabenden im Grazer Orpheum von ihren Fans. Bei der letzten Zugabe, ihrem programmatischen Abschiedssong "Langsam wea I miad", flossen erwartungsgemäß einige Tränen auf der Bühne und im Publikum.

Pünktlich kurz nach halb acht brandete Jubel auf, als Werger und ihre drei musikalischen Mitstreiter die Bühne des Orpheums betraten. Von Beginn an ist klar: das ist ein Heimspiel für die 71-Jährige aus Maria Lankowitz. Werger begrüßte "Freunde, Bekannte, Verwandte, Ärzte, Pfleger-innen und -außen und alle, die schauen gekommen sind, ob ich's eh noch derpack'". Mit einem vom Publikum (überwiegend fünfzig plus) Radetzkymarsch-mäßig durchgeklatschten "Lust auf Liebe" startete "Steffi" in ihr aus alten Hits, eigenen Lieblingssongs und Material von ihrer neuen CD bestehendes Programm.

"Bist du deppert, singen de guat", raunte sie anerkennend, als sich das Publikum in "Sehnsucht nach Florenz" als sattelfest beim Text erweist. Ihren legendären raubeinigen Charme lässt Werger im Lauf des Konzerts bei ihren kabarettgerecht ausgearbeiteten Zwischenansagen noch öfter aufblitzen; stets am Grat zwischen altersweiser Rührseligkeit und populistischem Bürgerunmut wandernd, aber trotzdem sympathisch, weil ganz offensichtlich ehrlich und echt.

Das Abschiedsprogramm machte einmal mehr klar, dass mit Werger eine archetypische Vertreterin des Austropop der zweiten Stunde (die erste war in den 1970ern) ihr Bühnenoutfit an den Nagel hängt. Das betrifft auch die neuen Nummern, deren Melodien mit wenigen Ausnahmen wie der Klimasong "Die Erde hat Fieber" durchwegs so klingen, als hätte ein Algorithmus irgendetwas von Christian Kolonovits neu zusammengewürfelt. Ein bisschen abtörnend war, dass die halbe musikalische Kulisse (Schlagzeug, Bass, Saxofon, Backgroundstimmen) aus der Retorte, beziehungsweise aus dem programmierten Keyboard kam; auch wenn Wergers Langzeit-Gitarrist Goran Mikulec und sein Nebenmann sich beim abwechselnden Würgen und Streicheln ihrer Instrumente redliche Mühe gaben.

Aber darum ging es letzten Endes ja auch nicht. Das Publikum war gekommen, um "seine" Steffi noch einmal auf der Bühne zu sehen. "Alles, was zählt", "I denk no vü zu oft an di", "Vaterland", "Salzige Küsse" - da fehlte keiner ihrer zumeist kleineren Hits. Auch die rabenschwarze Moritat von der Männermörderinnen - "Asche zu Asche" - gab es noch einmal zu hören.

Eine "Pipipause" (O-Ton Werger) war zwischendurch auch angesagt, nachdem ein- und ausgehendes Publikum bereits in der ersten Spielhälfte die Dame auf der Bühne zu einer Zurechtweisung veranlasst hatte. Werger absolvierte den Abend über weite Strecken im Sitzen. Zwischendurch erhob sie sich tapfer und deutete bei "Flamenco Touristica" sogar ein Tänzchen an. Wergers Stimme erwies sich als ungebrochen stark. Nach der logischen letzten Nummer des regulären Programms, "Stoak wie a Felsen" brauchte das Publikum nicht allzu lange auf die Zugaben warten. "I wü' di g'spian" sang Werger alleine am Keyboard. Mit diesem makellos vorgetragenen Lied, eines ihrer ersten und wohl auch besten, setzte sie ein kleines, letztes Glanzlicht, bevor sie sich mit dem Titelsong ihrer Tournee ganz förmlich verabschiedete, in dem es unter anderem heißt: "Es ist Zeit, dass i geh'."

Tränen, Küsschen, Blumen, Ehemann Karl-Heinz und das gesamte Team auf der Bühne; stehender Applaus, selbstredend. Nachdem alle anderen die Bühne zum Schluss verlassen hatten, stand Werger noch für ein paar Momente alleine im Scheinwerferlicht am Bühnenrand, deutete mit einer Geste an, das Publikum umarmen zu wollen. Dann wandte sie sich ab und ging.

Quelle: Agenturen