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Stadt Salzburg will moderne Kulturstadt werden

10. Feb. 2022 · Lesedauer 3 min

Die Stadt Salzburg verfolgt eine neue Kulturstrategie, die weit über den Tellerrand der "Hochkultur" hinaus reicht und Vielfalt sowie Modernität betont. Groß geschrieben werden etwa verbesserte Rahmenbedingungen und Entwicklungsmöglichkeiten für Kulturschaffende, eine bessere Vernetzung mit Wissen- und Wirtschaft, eine Neubelebung der Altstadt oder mehr Kultur in den Stadtteilen. Der Kulturausschuss des Gemeinderates hat das 86 Seiten schwere Papier am Donnerstag beschlossen.

Mit dem neuen Marschplan soll vor allem das etwas verstaubte Kulturbild Salzburgs rund um Mozart, Festspiele und Weltkulturerbe zurecht gerückt werden. Man will sich als "eine kulturell moderne und kreative Stadt" präsentieren, weil diese Vielfalt "sowohl in der öffentlichen Wahrnehmung und Außendarstellung als auch im Selbstverständnis der Stadt zu wenig betont" wird, wie es in der Präambel heißt. Der Startschuss zu diesem Vorhaben fiel bereits im Herbst 2018 auf Initiative des Kultur-Ressortchefs Vbgm. Bernhard Auinger (SPÖ), der Initiative "Salzburg 2024" (ursprünglich für eine Bewerbung Salzburgs als europäische Kulturhauptstadt) und dem städtischen Kulturressort. Ab Anfang 2020 wurde unter breiter Einbindung der Kulturszene an der Strategie gefeilt.

An fünf großen Schrauben soll nun gedreht werden. Die erste heißt Rahmenbedingungen und Möglichkeiten zur Entwicklung. Hier geht es um die gezielte Förderung des kreativen Nachwuchses genauso wie eine Unterstützung der Einrichtungen bei der Anpassung an neue Anforderungen. Ein ganz zentrales Vorhaben sind faire Gehälter für Kulturschaffende und Beschäftigte in Kultureinrichtungen ("Weg von der Armutsgrenze"). Als Orientierung nimmt man die Vorschläge des Dachverbands Salzburger Kulturstätten, im Gleichklang mit dem Land sollen dazu die öffentlichen Förderungen schrittweise gehoben werden. Angestrebt wird auch ein "Kultur-Euro", also einen Zuschlag zur Ortstaxe um einen Euro pro Übernachtung. Dieses Geld soll zur Erhaltung der kulturellen Infrastruktur und zur Förderung neuer Projekte herangezogen werden. Dieser Kultur-Euro ist aber noch keineswegs auf Schiene: ÖVP und FPÖ sind dagegen, außerdem kann dies ohnehin nur das Land beschließen.

Eine besondere Aufgabe - immer noch Teil der ersten "Schraube" - wird in neuen Formaten und Konzepten im Bereich der Kunstproduktion, -vermittlung und Kulturarbeit gesehen, etwa in der Verankerung von Digitalität. Auch das Raumangebot, von Proberäumen bis zu neuen Auftrittsmöglichkeiten, soll erweitert werden.

Der zweite große Bereich gilt einer besseren Vernetzung der Kunst mit Wissenschaft und Wirtschaft. Drittens will man die Altstadt neu nutzen und beleben. Hier soll dem künftigen Welterbe-Besucherzentrum eine zentrale Rolle zukommen. Angeregt wird auch eine stärkere Verankerung von zeitgenössischer Kunst und Kultur, wofür ein genreübergreifendes Festival-Format entwickelt werden soll. Das vierte Stellrad strebt eine bessere kulturelle Teilhabe der Stadtteile an. So sollen etwa Räume für Vereine oder Kulturschaffende gefunden und zur Verfügung gestellt werden. Außerdem sollen Freiräume definiert werden, wo die Stadt Infrastruktur (Licht, Strom, Sanitäranlagen, Müllentsorgung) für die niederschwellige kulturelle Nutzung zur Verfügung stellt. Und den fünften Bereich bilden Zukunftsthemen der Stadt und des Zentralraums.

Sämtliche Vorschläge finden sich in einem "Fahrplan" wieder, der einen Überblick beinhaltet, bis wann welches Vorhaben umgesetzt werden soll und wer dafür verantwortlich ist.

Abgesegnet wurde die Strategie mit der breiten Stimmen-Mehrheit von ÖVP, SPÖ und Bürgerliste (Grüne), die Volkspartei ohne den Kultur-Euro. Formal das letzte Wort hat der Gemeinderat.

Dagegen ausgesprochen hat sich heute nur die FPÖ, die von "Themenverfehlung" und "Nullnummer" spricht. Statt auf "neue innovative Punkte" zu setzen, wolle man die "Eier legende Wollmilchsau" erfinden. "Auch wenn einzelne Punkte die Zustimmung der FPÖ finden, ist es im Gesamten einfach zu wenig", so FPÖ-Gemeinderätin Renate Pleininger.

Quelle: Agenturen