APA - Austria Presse Agentur

Spektakulärer "Judas" mit 360-Grad-Brille in Graz

Juni 04, 2020 · Lesedauer 2 min

Lang war die erzwungene Theaterpause, doch am Mittwoch hat das Grazer Schauspielhaus wieder seine Pforten geöffnet. Gezeigt wurde "Judas", ein Monolog von Lot Vekemans, den die Besucher via 360-Grad-Brille erleben konnten. Diese Präsentation brachte das intensive, packende Spiel von Fredrik Jan Hofmann ebenso zur Geltung wie den stimmungsvollen Kirchenraum, der als Spielort diente.

Die Produktion gastierte schon in vielen katholischen und evangelischen Kirchen der Steiermark, doch die Aufführung zur Wiedereröffnung des Theaters war trotzdem eine Art Premiere. Konzipiert für acht Besucher, die in bequemen Drehsesseln im Foyer sitzen, wurde der Monolog durch die Virtual-Reality-Brille zu einer sehr persönlichen Angelegenheit. Hofmann gestaltete den Monolog für dieses Projekt in der Leechkirche, die durch ihre überschaubare Größe und den schlicht-stimmungsvollen Raum prädestiniert dafür ist. Der Besucher befindet sich virtuell in der Mitte des Raumes und kann durch eine Drehung des Kopfes dem Darsteller überall hin folgen.

Der Text lotet die Figur des Judas in viele Richtungen aus - nicht der Verräter, der von der Bibel aufwärts in Kunstdarstellungen aller Art 2.000 Jahre lang abgebildet wurde, steht hier im Vordergrund, sondern ein Mensch, der Fragen stellt. Einer, der Jesus gefolgt war, ohne immer und in jedem Moment von ihm überzeugt zu sein, aber immer willens, die Idee mitzutragen. Fredrik Jan Hofmann spielt das schnörkellos und direkt, klar und mit großer Präsenz. Verstärkt wird diese fast greifbare Präsenz noch durch die 360-Grad-Brille, die die Vorstellung zu einer Privataufführung für jeden einzelnen Zuschauer macht. Niemand, der die Sicht behindert, kein störendes Husten oder Zuckerlrascheln, fast könnte man sich dauerhaft für diese Form der Präsentation erwärmen.

Bleibt zu hoffen, dass das Schauspielhaus die Brillen bald wieder für eine Aufführung nützt - die Möglichkeiten sind unglaublich vielfältig und reizvoll. Man sollte aber in Einweg-Kopfhörer investieren oder das Publikum anregen, selbst welche mitzubringen. Dass man den Ton aller Brillen gleichzeitig hört, erschwert an manchen Stellen doch ein wenig die Konzentration.

(S E R V I C E - "Judas" von Lot Vekemans im Grazer Schauspielhaus mit 360-Grad-Virtual-Reality-Brille. Aufführungen von 4. bis 25. Juni, jeweils um 16.00, 18.00 und 20.00 Uhr. www.schauspielhaus-graz.com)

Quelle: Agenturen