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Simply Red in Ischgl: Solides Stilgebräu bei Schneefall

02. Apr. 2022 · Lesedauer 3 min

Post-Corona-"Normalität" in Ischgl: Die Band Simply Red rund um Mastermind Mick Hucknall eröffnete Samstagnachmittag die Frühlingskonzertserie "Spring Blanc" auf der Idalp in Ischgl. Bei diesem "Top of the Mountain Spring Concert" auf 2.300 Metern Seehöhe boten die Briten bei Schneefall ihr bewährtes Soul-Funk-Pop-Rock-Gemisch und einen gut gelaunten und sangesfreudigen Mick Hucknall, der auf bewegungsaffine, laut Veranstalter rund 10.000 Besucher traf.

Den Frühling hatte sich der 61-jährige Rotschopf und Bandvorstand Hucknall allerdings anders vorgestellt. "Es ist ein Abenteuer", sagte er im Vorfeld des Konzertes vor allem in Bezug auf seine Stimme, die auch bei tiefen Temperaturen und Schneefall funktionieren müsse.

Eine Stunde und einige Lieder wie "Look at you now" oder "She ́s got it bad" später stellte sich heraus, dass sie diesen Umständen tatsächlich standhielt, wenngleich sein überaus markantes Gesangsorgan nicht ganz an die bekannten und gerühmten Glanzleistungen seiner besten Zeiten anschließen konnte. Hohe Lagen gelangen nicht immer ganz perfekt, früher zeitweise gehörter exaltierter Stimmausdruck wich zudem in Ischgl oft einer Gesangsleistung, die lieber auf Nummer sicher ging.

Der Bandapparat selbst groovte bei alldem aber durchaus beträchtlich, was nicht zuletzt auch an dem Bassisten Steve Lewinson und dem Schlagzeuger Roman Roth lag, die ihre auferlegte Bandpflicht mehr als erfüllten. Dasselbe galt auch etwa für den Perkussionisten Kevin Robinson, der von Zeit zu Zeit zur Trompete griff und den Gitarristen Kenji Suzuki, welcher zum Teil auch Rock-Soli einstreute, die die Band recht weit wegen von ihrem an sich gerne gehegten und gepflegten "weißen Soul" trieben.

Ebenjene Soul-Auslegung nahm allerdings volle Fahrt auf, als der Tränendrück-Klassiker "Holding back the years" oder der Überhit "If you don't know me by now", den die Band in den Zugabe-Block verfrachtet hatte, erklangen. Diese "weiße" Spielart einer eigentlich "schwarzen" Musik zeichnete sich in diesen Fällen durch eine gehörige Dosis Pop-Zusatz aus, sodass lautstarkes Mitsingen problemlos und jederzeit möglich war.

Es waren schließlich auch diese Songs und diese Passagen, die die Stimme von Hucknall aufblühen ließen. Klang diese bei funkigeren Teilen relativ dünn und ging gar etwas in der Musik unter, so war sie bei genügend Musik-Zurückhaltung und Emotionsnotwendigkeit voll da und entließ Simply Red aus jedwedem womöglich aufkommendem Nostalgie-Verdacht.

Insgesamt setzte die Band damit live das fort, was sich schon auf ihrem letzten Studioalbum "Blue Eyed Soul" im Jahr 2019 manifestiert hatte. Simply Red im Heute stehen für grundsolide Popmusik mit Weitblick, die noch immer deutlich spannender ist als das, was einem das breitenwirksame Formatradio vorsetzt, aber klar weniger interessant als so mancher "schwarzer" Gegenwartspop-Entwurf.

Damit einher geht aber auch altersweise Verlässlichkeit und eine fast schon als lässige zu bezeichnende Art von Überraschungsarmut. Auch in Ischgl gab es, bis auf den stärker und schwächer werdenden Schneefall, keine wirklichen Überraschungen. Nach der dritten Zugabe war nach rund 80 Minuten Schluss, das Publikum hatte getanzt, eifrig Beifall bekundet und mitgesungen. Und Hucknall hatte sich keine gröberen Stimmschwächen erlaubt und das Corona-gebeutelte Ischgl zurück auf die Konzert-Bühne gehoben.

Quelle: Agenturen