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Sexorgien und Ölfässer gegen den Krieg auf ARCO-Kunstmesse

Heute, 11:20 · Lesedauer 5 min

Mit einem "Nein zum Krieg" äußerte sich am Mittwoch Spaniens Regierungschef Pedro Sánchez so klar wie kein zweiter Staatschef in Europa gegen den Angriff der USA und Israels auf den Iran. In einer Fernsehansprache forderte er das sofortige Ende der Kriegshandlungen im Nahen Osten. Seine Forderungen hallten auch auf der Madrider ARCO-Kunstmesse wider, die am Donnerstag offiziell vom spanischen Königspaar eröffnet wird.

Sánchez sah sich zu einer offiziellen Stellungnahme genötigt, nachdem US-Präsident Donald Trump Spanien als "schrecklichen Verbündeten" kritisierte und mit der Einstellung aller Handelsbeziehungen drohte. Grund für Trumps neuesten Wutausbruch: Spanien hatte den USA Anfang der Woche verboten, deren Militärstützpunkte in Südspanien für Angriffe auf den Iran zu nutzen. Man verurteile das iranische Regime, das seine Bürger, insbesondere Frauen, unterdrücke und auf abscheuliche Weise ermorde. Gleichzeitig betonte Sánchez aber sein "Nein zum Bruch des Völkerrechts und Nein zu der Annahme, die Welt könne ihre Probleme nur durch Konflikte und Bombardierungen lösen."

Auf der Madrider ARCO-Kunstmesse steht am Stand der ADN Galerie aus Barcelona ein schwarzes Fass. Es handelt sich um ein Rohölfass, auf das in weißen Lettern die Erklärung der UN-Menschenrechte von 1948 gedruckt ist. Die Skulptur thematisiert die Widersprüche zwischen dem wirtschaftlichen Interesse am Öl und den universellen Menschenrechten. Der Spanier Eugenio Merino ließ sich für sein Werk von den Theorien des schwedischen Wissenschaftlers und Klimaaktivisten Andreas Malm über den "fossilen Kapitalismus" inspirieren und weitete diese auf die kriegerische Aktualität aus. "Öl ist der Motor all jener Konflikte und den damit verbundenen Menschenrechtsverletzungen, die wir derzeit erleben müssen", erklärt Merino am ARCO-Stand der APA.

Merino hatte bei der Produktion seines "Fasses der Menschenrechte" eigentlich den Angriff der USA auf das südamerikanische Erdölförderland Venezuela und die Festnahme des venezolanischen Präsidenten Nicolas Maduro im Jänner im Kopf. "Doch der Angriff der USA und Israels auf den Iran zeigt leider, dass dieses Thema heute aktueller ist als je zuvor", so Merino. Das Regime in Teheran verletze Menschenrechte. Aber Merino bezweifelt, dass es Trump um die Verteidigung dieser geht und betont, dass im Zusammenhang mit dem Iran-Krieg derzeit mehr über die steigenden Öl- und Gaspreise gesprochen wird.

Aufmerksamkeit für Werk einer afghanischen Künstlerin und Menschenrechtsaktivistin

Eugenio Merino ist der Enfant terrible der spanischen Kunstszene, hat stets die medienwirksamsten Werke auf der ARCO. Doch auf der heurigen ARCO-Ausgabe erregt kein Werk mehr Aufmerksamkeit als "Brot, Arbeit, Freiheit" der afghanischen Künstlerin und Menschenrechtsaktivistin Kubra Khademi am Stand der belgisch-französischen Galerie Eric Mouchet.

Es ist eine Serie von Aktzeichnungen und lesbischer Sex-Orgien, in denen Frauen wie EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen, Angela Merkel, Kamala Harris, Hillary Clinton oder Mexikos Präsidentin Claudia Sheinbaum gezeigt werden. "Es ist ein Appell an die mächtigen und einflussreichen Frauen dieser Welt sich zu vereinen, um einen dauerhaften Wandel in der vom Patriarchat dominierten Politik anzuführen", erklärt Khademi im APA-Gespräch. Die sexuellen, erotischen und unbekleideten Darstellungen sollen dabei keine Provokation sein, sondern ein "Symbol von Gleichheit, körperlicher Freiheit und Einheit im Kampf" sein.

"Wenn mächtige Frauen sich verbünden, kann die Welt eine Bessere sein!"

In einigen der großformatigen Gouachen auf Papier mit Blattgold-Elementen sind die Frauen in mythologischen und religiösen Motiven abgebildet, um eine neue Weltordnung zu skizzieren, in der die weibliche Kraft, Liebe und Zärtlichkeit Krieg und patriarchale Gewalt entgegenstehen. Es wirkt wie ein Heilsversprechen: Wenn mächtige Frauen sich verbünden, kann die Welt eine Bessere sein! Doch Khademi gesteht ein, dass sie die Hoffnung in die führenden Politikerinnen verliert, die anscheinend immer mehr den Weg ihrer männlichen Kollegen folgen.

Der Titel ihres Werks "Brot, Arbeit und Freiheit" spiele auf die grundlegenden, weltweiten Rechte an, die afghanischen Frauen unter den Taliban größtenteils verwehrt würden, während Armut, Angst, Unterdrückung und Verfolgung herrschten, so Khademi. "Was Frauen heute im Iran erleiden müssen, ist schlimm. Doch in meiner Heimat sieht ihre Lage sogar noch schlechter aus", gibt Khademi zu und erinnert daran, dass sich seit Ende Februar der kriegerische Konflikt zwischen den afghanischen Taliban und Pakistan wieder massiv verschärft habe. "Ein Konflikt, unter dem wie immer vor allem Frauen und Kinder am meisten leiden müssen".

Die 1989 in Kabul geborene Künstlerin lebt seit 2015 im Exil in Paris, da sie aufgrund ihrer Arbeiten über Geschlechterrollen, kulturelle Identität, soziale Gerechtigkeit und über Rechte von Frauen, Kindern und Minderheiten im Fadenkreuz der Taliban steht und ihr die Ermordung drohte.

Shirin Neshat zeigt Foto aus der Serie "Die Frauen Allahs"

Auf der ARCO, Südeuropas größter und wichtigster Messe für zeitgenössische Kunst, zeigen jedoch viele Kunstwerke, die weit vor den jüngsten kriegerischen Konflikten im Nahen Osten entstanden sind, wie aktuell sie bleiben.

Fast versteckt in einer Ecke am Stand der Lia Rumma Gallery erinnert uns ein Foto der in den USA lebenden iranischen Künstlerin Shirin Neshat daran, wie präsent die Vergangenheit ist. Das Foto aus der Serie "Die Frauen Allahs" stammt aus dem Jahr 1995 und zeigt eine Frau im schwarzen Tschador, die mit rot bemalten Händen ein Gewehr hält, das fast ihre Lippen berührt. Auch in der Green Art Gallery aus Dubai sind iranische Künstler vertreten. Deren Galerist konnte aufgrund des Konflikts und der iranischen Gegenangriffe auf US-Militärbasen in mehreren Ländern im Nahen Osten jedoch nicht nach Madrid fliegen.

(Von Manuel Meyer/APA)

(S E R V I C E - ARCO-Kunstmesse Madrid: www.ifema.es/en/arco/madrid )

Zusammenfassung
  • Spaniens Regierungschef Pedro Sánchez forderte in einer Fernsehansprache ein sofortiges Ende der Kriegshandlungen im Nahen Osten und kritisierte den Angriff der USA und Israels auf den Iran.
  • Spanien untersagte den USA die Nutzung seiner Militärstützpunkte für Angriffe auf den Iran, woraufhin US-Präsident Trump mit Handelsstopp drohte und Spanien als "schrecklichen Verbündeten" bezeichnete.
  • Auf der ARCO-Kunstmesse in Madrid thematisiert Eugenio Merino mit einem Ölfass, bedruckt mit der UN-Menschenrechtserklärung, die Verstrickung von Ölinteressen und Menschenrechtsverletzungen in aktuellen Konflikten.
  • Die afghanische Künstlerin Kubra Khademi zeigt mit ihrer Serie "Brot, Arbeit, Freiheit" Aktzeichnungen mächtiger Frauen in Sexorgien als Appell für weibliche Solidarität und Freiheit, besonders im Kontext der Unterdrückung afghanischer Frauen.
  • Die ARCO-Kunstmesse in Madrid steht dieses Jahr besonders im Zeichen von Werken, die auf die aktuellen Konflikte im Nahen Osten und die Verletzung von Menschenrechten aufmerksam machen.