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"Sehnsucht": Stationentheater im Bronski & Grünberg

14. Juni 2020 · Lesedauer 3 min

Es geht wieder los. Endlich. "Sehnsucht - nach allen möglichen Sachen" hieß am Samstag der erste Abend, für den das kleinen "Bronski html5-dom-document-internal-entity1-amp-end Grünberg"-Theater in Wien-Alsergrund nach dem Lockdown wieder seine Türen öffnete. Sehnsucht nach Theater, nach Show, nach Bühnenerlebnissen zählt definitiv dazu. Daraus wurde ein kleiner, charmanter Abend, der nichts weiter sein will als ein Lebenszeichen.

Es geht wieder los. Endlich. "Sehnsucht - nach allen möglichen Sachen" hieß am Samstag der erste Abend, für den das kleinen "Bronski & Grünberg"-Theater in Wien-Alsergrund nach dem Lockdown wieder seine Türen öffnete. Sehnsucht nach Theater, nach Show, nach Bühnenerlebnissen zählt definitiv dazu. Daraus wurde ein kleiner, charmanter Abend, der nichts weiter sein will als ein Lebenszeichen.

Über drei Monate hatte die Kleinbühne coronabedingt geschlossen. Nachdem die Stadt Wien heuer mit 120.000 Euro erstmals einen größeren Förderbetrag zugesagt hatte, konnte die Krise bewältigt werden. Und Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler (SPÖ), die ihre Sehnsucht nach einem lebendigen Kulturbetrieb ebenfalls unter die kleine Schar von 30 Gästen mischen ließ, konnte sich persönlich davon überzeugen, dass dieses Geld gut angelegt ist.

Das Bronski & Grünberg Team setzt diesmal zwar nicht auf jene Schiene, mit der es sich einen Platz in Wiens Theaterlandschaft gesichert hat, nämlich respektlose Klassikerbearbeitungen und gnadenlose Lustspielexzesse, sondern mischt aus ein paar bereits vorhandenen Zutaten einen originellen, etwas mehr als einstündigen Abend, der als eine Art Stationentheater für drei Kleingruppen zu je zehn Zuschauer funktioniert, die so die Theaterräumlichkeiten durchwandern.

Da fungiert zunächst der Theater- als eine Art Warteraum, eine gemütliche Lounge mit Getränken, Musik und Buster-Keaton-Filmen. Weiter geht es durch einen Hinterhof in einen hübsch dekorierten Proben- und Lagerraum, in dem Julia Edtmeier und Jakob Semotan eine Groschenromanlesung veranstalten: Aus der Annäherung einer Castingagentin und eines Cowboydarstellers wird eine überaus handfeste Affäre, deren Schilderung nicht ohne Drastik bleibt.

Danach folgen drei Jacques-Brel-Lieder (darunter "Le gaz"), auf Deutsch hingebungsvoll dargeboten von Benjamin Vanyek, begleitet von Alexander Jost (Klavier) und Nikolaus Messner (Cello), in der plüschigen Flamingo-Bar des Hauses, wo der Theaterstaub von Jahrhunderten konserviert zu sein scheint. Zum Abschluss versammeln sich alle drei Besuchergruppen im Theatersaal und lauschen ein paar melancholischen, todessehnsüchtigen Liedern von Kyrre Kvam. Hier begegnet man auch in einem Liedtext den einem Gedicht entlehnten Namen der einzelnen Stationen wieder: "Ich leb', ich sterb', ich brenn und ich ertrinke".

Hier brennt man fürs Theater, für die Kunst, suggeriert der Abend. Gestorben wird nicht. Buster Keaton hat es im schlafwandlerischen Überleben tausend lebensgefährlicher Szenen vorgezeigt. Nicht nur den Kasperl, auch den (Überlebens-)Künstler kann keiner erschlagen. - "Sehnsucht" steht bis 21. Juni noch dreimal auf dem Programm. Danach will man sich in der Müllnergasse der eigenen Theatersehnsucht widmen. Und jene Produktion von "Onkel Wanja" für den Herbst vorbereiten, die im Frühjahr coronabedingt abgesagt werden musste.

Quelle: Agenturen