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Sanremo-Festival hält Italien im Bann

Heute, 08:10 · Lesedauer 3 min

Die Olympischen Winterspiele sind zu Ende und schon beginnt in Italien ein weiteres Großevent. Am Dienstag startet das traditionelle Sanremo-Musikfestival, das Millionen Italienerinnen und Italiener pünktlich zur Hauptsendezeit vor dem Fernseher versammelt. Der Sieger des fünftägigen Popmusik-Wettbewerbs vertritt automatisch Italien beim Eurovision Song Contest in Wien.

Carlo Conti, künstlerischer Leiter und Moderator der diesjährigen Festivalausgabe, moderiert die Show an der Seite der italienischen Popqueen Laura Pausini. Sie hat bei der Eröffnungsfeier der Olympischen Winterspiele in Mailand am 6. Februar die italienische Hymne gesungen. An ihrer Seite wird jeden Abend ein weiterer Co-Moderator stehen.

Die Veranstaltung ist über die Jahre zu einer Mischung aus Modernität und Tradition geworden, die ein sehr heterogenes Publikum Abend für Abend begeistert. Der Mix aus Musik, Spektakel und Glamour beschert der öffentlich-rechtlichen TV-Anstalt RAI, die das Event überträgt, stets hohe Einschaltquoten. Altstars der italienischen Popmusik wie Patty Pravo und Raf treten im Wettbewerb gegen Rapper wie Fedez und J-Ax an, sowie aufsteigende Sterne, wie die Erbin des Autoimperiums Lamborghini, Elettra Lamborghini.

Schon Wochen vor dem Start der 75. Ausgabe ist der Popmusik-Wettbewerb das große Thema: in den Zeitungen, im Fernsehen, in den sozialen Medien. Täglich gibt es Kandidaten-Interviews in den Blättern und auch das Magazin "TV Sorrisi e Canzoni" hat traditionell eine Woche vor Beginn des Spektakels die erste große Fotostrecke mit Klatsch und Tratsch auf den Markt gebracht.

In dem sonst beschaulichen Städtchen an der italienischen Riviera bereiten schon Wochen vor Beginn des Events zahlreiche RAI-Mitarbeiter alles für den großen Ansturm der Fans vor. In der Innenstadt haben sie eine große Bühne zum Public-Viewing aufgebaut, Straßen abgesperrt und vor dem Teatro Ariston Sperrzäune montiert, um die Schaulustigen vom roten Teppich fernzuhalten.

Nach fünf Tagen wird ein Sieger gekürt

Nach fünf Tagen wird ein Sieger gekürt - und damit automatisch Italiens Beitrag für den Eurovision Song Contest (ESC) in Wien im Mai. Das "Festival della Canzone Italiana", so der offizielle Name, ist der älteste Popmusik-Wettbewerb Europas. Sanremo gibt es bereits seit 1951. Seitdem findet der Gesangswettbewerb jedes Jahr im Winter statt - in den ersten Jahren noch im Casino von Sanremo, seit 1977 im Teatro Ariston.

Für den ersten großen Erfolg sorgte 1958 Domenico Modugnos Auftritt mit seinem Hit "Nel blu dipinto di blu", der auch als "Volare" bekannt ist. In den Folgejahren feierten auf der Bühne von Sanremo damals noch weniger bekannte Musiker ihre ersten großen Erfolge. Adriano Celentano, Milva, Gigliola Cinquetti, Lucio Dalla, Iva Zanicchi, Mina und später die Band Måneskin - sie alle wurden mit ihren Auftritten in Sanremo zu großen Stars.

Im Laufe der Jahre setzte sich immer mehr der Unterhaltungscharakter des Festivals durch. Die Gruppe Ricchi e Poveri glänzte 1981 mit ihrem Kultsong "Sarà perché ti amo". Im Jahr darauf nährten Al Bano und Romina Power mit "Felicità" die deutsche und österreichische Italiensehnsucht. 1983 zog Toto Cutugno mit "L'Italiano" nach. Auch Italo-Barden wie Eros Ramazzotti und Vasco Rossi starteten ihre erfolgreichen Karrieren beim Sanremo-Festival.

Zusammenfassung
  • Am Dienstag startet das 75. Sanremo-Musikfestival, das Millionen Italienerinnen und Italiener fünf Tage lang vor den Fernseher lockt.
  • Der Sieger des Popmusik-Wettbewerbs vertritt Italien im Mai beim Eurovision Song Contest in Wien, wobei die Show von Carlo Conti und Laura Pausini moderiert wird.
  • Das traditionsreiche Festival, das seit 1951 stattfindet und seit 1977 im Teatro Ariston ausgetragen wird, vereint Pop-Legenden, Rapper und Newcomer und sorgt jedes Jahr für hohe Einschaltquoten bei RAI.