Salzburger Festspiele: Hinterhäuser lässt Frist verstreichen
Der aktuelle Intendantenvertrag endet einen Monat nach den Festspielen 2026. Es gibt eine Vereinbarung über eine dritte Funktionsperiode, die am 1. Oktober 2026 beginnen und regulär bis Herbst 2031 dauern würde. Es gebe aber auch eine Klausel, die Hinterhäusers Verhalten gegenüber dem Direktorium und gegenüber Dritten regle, betonte die Vorsitzende des Kuratoriums, Landeshauptfrau Karoline Edtstadler, nach der Sitzung am 26. Februar. Und das Gremium sei "geschlossen" der Ansicht, dass der Intendant Bedingungen zur Fortsetzung seines Vertrages über den 30. September hinaus nicht erfüllt habe.
Das Kuratorium unterbreitete Hinterhäuser aber das Angebot, noch ein Jahr weiterzumachen, um eine geordnete Übergabe zu ermöglichen. Dazu wurde ihm eine Bedenkzeit bis zum vergangenen Freitag, den 13. März, eingeräumt. Der Intendant hat diese Frist aber verstreichen lassen, bis Montagnachmittag langte bei Edtstadler keinerlei Rückmeldung ein.
Neben der Causa Hinterhäuser steht am Freitag auch die Frage einer neuen Schauspielleitung an, mit der die Turbulenzen Hinterhäusers überhaupt erst ausgelöst worden sind, weil der Intendant die frühere Burgtheaterdirektorin Karin Bergmann favorisiert hat, obwohl diese nicht am vom Kuratorium ausdrücklich verlangten Ausschreibungsverfahren teilgenommen hatte. Für den Fall eines Abgang von Hinterhäuser im Herbst könnte sich das Kuratorium für die oder den Bestgereihte/n des Hearings aussprechen, damit die Planung für 2027 gesichert ist. Grundsätzlich fällt diese Personalentscheidung in die Kompetenz der künstlerischen Leitung. Das heißt, die nächste Intendantin bzw. der nächste Intendant könnte dann auch die Schauspielleitung wieder neu besetzen.
Möglicherweise wird am Freitag auch die Neuausschreibung der Präsidentschaft beschlossen. Die fünfjährige Funktionsperiode von Kristina Hammer endet heuer zu Jahresende. Die Präsidentin hat sich bisher öffentlich nicht dazu geäußert, ob sie sich für fünf weitere Jahre bewerben wird. Eine Trennung von Hinterhäuser könnte hier ein Rolle spielen, denn das berufliche Verhältnis der beiden verlief nicht gerade harmonisch.
Und schließlich steht demnächst auch die Ausschreibung der kaufmännischen Direktion an. Der Vertrag mit Lukas Crepaz, der die Funktion seit dem 1. April 2017 bekleidet, endet zwar erst mit Ende März 2027, es ist aber durchaus möglich, dass die Ausschreibung nun auch gleich mit auf den Weg gebracht wird. Crepaz ist in dieser Position völlig unumstritten, seine Verlängerung dürfte nur ein Formalakt sein. Und das nicht nur, weil bei ihm alle Fäden des Monsterprojekts "Festspielbezirk 2030" zusammenlaufen, sondern weil er auch sonst fachlich und vor allem auch menschlich großes Ansehen genießt.
Auch Sanierungsprojekt ein Thema
Neben den personellen Weichenstellungen muss das Kuratorium am Freitag aber auch bei der Sanierung der Festspielgebäude und dem Ausbau des Großen Festspielhauses weitere Pflöcke einschlagen. Zum einen soll nun geklärt werden, ob das Große Festspielhaus für ein oder für zwei Jahre nicht zur Verfügung steht. Das Kuratorium hatte dazu im Dezember eine Prüfung in Auftrag gegeben, ob durch eine Verschiebung eines Teiles der Arbeiten auf die Zwischensaisonen die Sperre auf ein Jahr - 2028 - verkürzt werden kann.
Zum anderen muss die Frage der Ersatzspielstätte entschieden werden, die für die Zeit, in der das Große Festspielhaus nicht bespielt werden kann, benötigt wird. Zuletzt standen das Areal neben der Stiegl-Brauerei im Stadtteil Maxglan und eine Fläche des Stiftes St. Josef im Stadtteil Nonntal zur Disposition. Jedenfalls hat das Kuratorium bereits im Dezember vorgegeben, dass diese Spielstätte auch für die anderen Kulturträger, die das Große Festspielhaus nutzen, zur Verfügung stehen muss - das sind beispielsweise die Osterfestspiele, das Salzburger Adventsingen oder die Salzburger Kulturvereinigung. Für die Ersatzspielstätte wurde ein Kostendeckel von maximal 34,8 Mio. Euro eingezogen. Für das Bauprojekt selbst liegt die Kostenobergrenze bei 395 Mio. Euro.
Zusammenfassung
- Markus Hinterhäuser hat die Frist für eine einjährige Verlängerung seines Intendantenvertrags bis zum 13. März verstreichen lassen, sodass das Kuratorium der Salzburger Festspiele am Freitag über das weitere Vorgehen entscheidet.
- Neben der Nachfolge Hinterhäusers stehen auch die Neubesetzung der Schauspielleitung und eine mögliche Neuausschreibung der Präsidentschaft zur Diskussion, da die Funktionsperioden von Kristina Hammer und Lukas Crepaz in den nächsten Jahren enden.
- Für die anstehende Sanierung und den Ausbau der Festspielgebäude wurden ein Kostendeckel von 34,8 Mio. Euro für die Ersatzspielstätte und eine Kostenobergrenze von 395 Mio. Euro für das Gesamtprojekt festgelegt.
