APA/APA/AFP/OLI SCARFF

"Revolver": Meisterwerk der Beatles mit revolutionärem Cover

04. Nov. 2022 · Lesedauer 4 min

Die Beatles hatten mit "Revolver" 1966 einen riesen Schritt von der rockenden Gruppe mit Sixties-Vibe zu einer Pop-Band gemacht, die im Studio mit moderner Technik experimentierte. "Für mich war das Album ein Meisterwerk ab dem Moment, ab dem ich es zum ersten Mal gehört habe", sagte Klaus Voormann, der das bahnbrechende Artwork dazu gestaltete, im APA-Interview. "Mir war klar, dass mein Cover ähnlich fortschrittlich sein muss."

Dieser Tage erschien eine Neuauflage von "Revolver". Giles Martin, Sohn des legendären Beatles-Produzenten George Martin, hat dafür einen zeitgemäßen Stereo-Mix angefertigt. Dieser war längst überfällig, denn die Beatles hatten sich auf die Mono-Abmischung konzentriert. Stereo schien damals noch weniger wichtig. Die Stereo-Version hatte bisher den irritierenden Effekt, dass man - besonders bei der Benützung von Kopfhörern - auf einem Kanal die Instrumente, auf dem anderen den Gesang hörte.

Auf die Qualität des neuen Mixes angesprochen, sagte der in Berlin geborene Voormann, der als Freund seit Hamburger-Tagen nahe an den Beatles war: "Ich bin nicht so ein Hi-Fi-Freak, das kann ich so nicht beurteilen. Aber die Musik ist zeitlos. Sie ist sehr sparsam und intim. Das finde ich das Bestechendste und das Beste. Die Songs sind so zart, da braucht man gar nix anderes, kein Großaufgebot an Streichern oder zehn Gitarren."

Was er damals zu hören bekam, sei "erstaunlich" gewesen und sei es noch heute, betonte der 84-jährige Musiker und Grafiker. "'Revolver' war der größte Schritt in eine neue Richtung. Aber einen Schritt vorwärts haben die Beatles bei jedem Album gemacht. Die sind nie stehengeblieben wie viele andere Bands, wenn diese ihr Erfolgsrezept gefunden haben. Die Beatles waren eine Band, die sich ständig weiterentwickelt hat - immer was Neues. Jedes Mal passiert etwas. Sie haben jedes Mal für die damalige Zeit das Beste gemacht."

Voormann erinnert sich noch genau an den Moment, an dem er den Auftrag bekam, das Cover zu "Revolver" zu gestalten: "Da ruft dich John Lennon an, von der Band Beatles, der erfolgreichsten und wichtigsten der Welt, und fragt dich, ob du eine Idee für ein Cover hast und dieses entwerfen würdest. Da fällst du doch aus allen Wolken, das kann man nicht fassen. Das war der Wahnsinn."

Auf die Frage, ob ihm bewusst gewesen sei, dass er eine revolutionäre Arbeit schuf (für die er einen Grammy erhielt), antwortete Voormann ohne zu zögern. "Ja, ab dem Moment, wo ich gemerkt habe, ich habe völlig freie Hand. Mir war klar, dass das Cover ähnlich fortschrittlich sein muss wie die Musik." Der Zeit der Flower-Power, der Psychedelic und bunten Farben wollte Voormann mit seinem Entwurf "entgegensteuern", wie er erzählte. "Als ich mich auf schwarz-weiß festlegte, fanden die Beatles das sofort toll. Die sind ja schlau, die haben das verstanden."

Die Entstehung des "Revolver"-Covers hat Voormann in einer Graphic Novel festgehalten. Diese ist über seine Internetseite (voormann.com) erhältlich. "Ich gehe immer mehr nach dem, was ich sehe, und nicht nach dem, was ich lese. Darum war mir die Graphic Novel ein Anliegen. Da ist das Bild wichtiger als das Wort."

Drei Mal ist das Cover in der Deluxe-Box von "Revolver" enthalten, auf der Verpackung, auf dem original Mono-Mix und auf der neuen Stereo-Version. In die Prachtausgabe hat man außerdem Session-Outtakes der "Revolver"-Songs auf eine Doppel-LP gepackt. "Das find ich klasse", urteilte Voormann. "Ich freue mich, wenn das für Fans so toll aufbereitet ist. Die Leute, speziell jene, die noch nie in einem Studio waren, können miterleben, wie das Album zustande kommt."

Noch einmal taucht Voormann zum Abschluss des Gesprächs in die Vergangenheit ein und erinnert sich an eine nach seinen Worte "irre" Zeit: "So kurz nach dem Krieg war noch alles zerbombt, wir waren am Zusammenraufen - und dann kamen diese Engländer und machten so tolle Musik. Wir haben uns so glücklich gefühlt. Die standen im Rotlichtviertel von Hamburg zusammen mit Gangstern und Nutten auf der Bühne. Und wir saßen da und schauten sie uns an", schmunzelte der Deutsche.

(Das Gespräch führte Wolfgang Hauptmann/APA)

Quelle: Agenturen