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Regisseurin Marie Kreutzer: "Preise sind wie Lotto"

10. Dez. 2022 · Lesedauer 3 min

Marie Kreutzer gehörte mit ihrem feministischen Sisi-Drama "Corsage" zu den Topnominierten beim 35. Europäischen Filmpreis, der am Samstag in Islands Hauptstadt Reykjavík vergeben wurde. In den Sparten Regie und Bester Film triumphierte jedoch Ruben Östlund mit "Triangle of Sadness". Vicky Krieps gewann allerdings die Sparte der Darstellerinnen. Mit der APA sprach Kreutzer über die Parallele von Preisen und Lottospielen, den Druck von Erwartungshaltungen und ihre Mission.

APA: "Corsage" ist Ihr bisher größtes Projekt, das gut aufgeht. Werden die großen Filme weiter Ihr Weg sein?

Marie Kreutzer: Es ist nicht mein Ziel. Womit ich mir momentan am schwersten tue, sind die Erwartungen, die auf mich einprasseln. Man hat immer den Eindruck in unserer Gesellschaft, dass es mehr und höher gehen muss. Ich habe meine Projekt immer sehr intuitiv ausgewählt, und es wird wohl darauf hinauslaufen, dass ich das wieder so mache. Die Größenordnung wird sich dann zeigen. Aber der Erfolg macht das dann leichter - was auch immer es wird.

APA: Ist der Erfolg von "Corsage" für Sie auch ein Zeichen, dass feministischer Film kommerziell erfolgreich sein kann?

Kreutzer: Total. Wir hatten natürlich auch ein Glück mit dem Thema, weil Sisi momentan wieder so eine starke Marke ist. Das hilft beim Publikum. Aber zugleich ist es schön, dass die Menschen dann ein anderes Frauenbild zu sehen bekommen - einen Film, der zeigt, was es auch heute noch heißt, eine Frau zu sein: Wir müssen gefallen, um geliebt zu werden.

APA: Das ist eine Thematik, mit der Sie sich als Filmemacherin schon wiederholt beschäftigt haben...

Kreutzer: Ich wähle eine Geschichte nicht aus, um etwas Bestimmtes zu sagen. Aber ich bin ein bisschen auf der Mission, dem Publikum komplexe Frauenfiguren näher zu bringen. Die Frage der Produzenten und Förderer ist immer: Wird man diese Frau mögen? Und deshalb ist es gut, wenn die Antwort Ja ist.

APA: Sie haben immerhin eine von drei Nominierungen in einen Preis ummünzen können. Wie geht es Ihnen persönlich mit dem Glamour und den Auszeichnungen der Branche?

Kreutzer: Bei Nominierungen und Preisen muss man sich immer im klaren sein: Es ist Glück. Das kann man nicht planen. Was ich gelernt habe, ist, dass Preise wie Lotto sind - man kann gewinnen oder nicht. Aber das sagt nichts aus. Der Wettbewerb findet viel früher statt - wenn es um die Förderungen geht. Und dass man danach wieder in eine Konkurrenz gepusht wird, ist fast schade. Aber die große Leistung der Europäischen Filmakademie ist, Aufmerksamkeit auf den europäischen Film zu generieren!

(Das Gespräch führte Martin Fichter-Wöß/APA)

Quelle: Agenturen