Protest bei Neujahrskonzert im Fenice-Theater
Die Anstecknadel wurde an das Publikum verteilt - als Zeichen des Protests gegen Venezi, teilten die Mitarbeiter des Theaters laut Medienangaben mit. Sie forderten ein dringendes Treffen mit Theaterintendant Nicola Colabianchi, um über die Situation zu diskutieren. Venezi sollte im kommenden Oktober die Leitung des namhaften Opernhauses übernehmen.
Seit Wochen herrscht in Venedig Proteststimmung gegen die Ernennung der 35-Jährigen. Dahinter stehen auch politische Gründe. Venezi wurde kurz nach dem Amtsantritt von Premierministerin Giorgia Meloni vor drei Jahren zur musikalischen Beraterin der Rechtsregierung ernannt und von der Ministerpräsidentin mehrfach gelobt. Zudem erhielt sie eine Auszeichnung von Melonis rechter Regierungspartei Fratelli d'Italia. Venezi hat noch nie ein großes Opernorchester geleitet. Kritiker bemängeln, dass ihre Erfahrungen als Dirigentin zu gering für eine so bedeutende Position wie die der Musikdirektorin des Teatro La Fenice seien.
Bemängelt wird außerdem, dass Venezis Ernennung ohne Rücksprache mit Orchester, Chor und Mitarbeitenden erfolgte und lediglich durch eine Pressemitteilung bekannt gegeben wurde. 300 Beschäftigte wehren sich gegen die Entscheidung. Rückendeckung erhielten Venezi und Intendant Colabianchi vom Bürgermeister von Venedig, Luigi Brugnaro. Dieser beklagte einen regelrechten "Kreuzzug" gegen die junge Dirigentin.
Bürgermeister von Venedig als Vermittler
"Ich denke, es wäre sinnvoll, Venezi eine Chance zu geben. Vor einigen Tagen habe ich die Idee vorgeschlagen, eine gemeinsame Probe auf neutralem Boden zu organisieren, damit sich die Dirigentin und das Orchester kennenlernen und sehen können, ob sie zusammen musizieren können. Ich arbeite daran, dass dies möglich wird", sagte Brugnaro, der Präsident der Fenice-Stiftung ist.
Das Neujahrskonzert im Fenice-Theater in Venedig macht in Italien dem Wiener Neujahrskonzert Konkurrenz. Das Wiener Neujahrskonzert wird seit 2003 in Italien nicht mehr live gesendet, sondern zeitversetzt vom Staatsfernsehen RAI erst am Nachmittag gezeigt. Dafür strahlt RAI das Konzert des Fenice-Theaters aus. Das löst jedes Jahr erneut Proteste unter italienischen Musikfans aus, die gern das Neujahrskonzert aus dem Wiener Musikverein live sehen würden.
Zusammenfassung
- Beim Neujahrskonzert im Fenice-Theater in Venedig protestierten Orchestermitglieder und Dirigent mit einer Anstecknadel gegen die Ernennung der 35-jährigen Beatrice Venezi zur Musikdirektorin.
- 300 Beschäftigte des Theaters lehnen die Entscheidung ab, da Venezi bisher kein großes Opernorchester geleitet hat und ihre Ernennung ohne Einbindung des Personals erfolgte.
- Das Konzert wurde in Italien live übertragen, während das Wiener Neujahrskonzert seit 2003 nur zeitversetzt gezeigt wird, was jährlich Proteste unter italienischen Musikfans auslöst.
