APA/APA/ÖNB

ÖNB zeigt im Prunksaal Gartenkunst einst und heute

Man muss schon zweimal hinschauen, um die historische Ansicht mit der heutigen Realität in Einklang zu bringen: Um 1900 bot der Wiener Türkenschanzpark noch einen deutlich anderen Anblick, wie eine schwarz-weiß Fotografie aus dieser Zeit belegt. Sie ist Teil der neuen Sonderausstellung "Von Gärten und Menschen" im Prunksaal der Österreichischen Nationalbibliothek, die die Entwicklung der Landschaftsarchitektur ebenso thematisiert wie die Auswirkungen der Klimakrise.

Immerhin komme der Bereitstellung sowie Gestaltung von Grünoasen und Freiräumen angesichts der "akuten ökologischen Krise" eine besondere Bedeutung zu, betonte ÖNB-Generaldirektorin Johanna Rachinger am Mittwoch. Aber nicht nur deshalb bieten die 130 Exponate zu 70 verschiedenen Gärten einen Einblick in die Wechselwirkung von Natur und Gesellschaft. "Gärten ohne Menschen sind nicht denkbar, nicht möglich", meinte Kurator Christian Maryška, weshalb er gemeinsam mit seiner Kollegin Lilli Lička vielfach auch Personen in den Fokus rückt.

So sind etwa Künstler und Politiker wie Gustav Klimt oder Bruno Kreisky in ihren Gärten zu sehen, aber natürlich spielt auch die Habsburger Monarchie und ihre Leidenschaft für Pflanzen sowie Gartengestaltung eine Rolle. Dass Pop-Up-Events etwa schon vor 200 Jahren en vogue waren, verdeutlicht ein Kupferstich, der einen temporären Garten im Palazzo della Ragione in Padua zeigt. Dieser wurde, inklusive extra angelegtem Hügel mit Tempel, anlässlich des Besuchs von Kaiser Franz I. errichtet - Nachhaltigkeit spielte dabei wohl keine so große Rolle.

Naturgemäß verändern sich Gärten und Parkanlagen über die Zeit - nicht nur wie im eingangs erwähnten Beispiel des Türkenschanzparks, dessen Baumgruppen vor mehr als 100 Jahren noch deutlich kleiner und niedriger waren. Auch die Auswirkungen der Jahreszeiten bringt man im Prunksaal zum Ausdruck, hat doch der Fotograf Johannes Hloch eigens eine Serie dazu angefertigt, die verschiedene Anlagen im Wandel des Jahreskreises zeigt. Wenige Schritte weiter erfährt man mehr über die wissenschaftliche Lehre der Gartenkunst und Landschaftsarchitektur, während gegenüberliegend eine Schautafel die wichtigsten Stile vom Jahr 1500 bis heute kompakt zusammenfasst.

Ein Großteil der Zeichnungen, Stiche, Fotografien und Pläne widmet sich Wien, aber auch etliche Beispiele aus den Bundesländern sowie ehemaligen Kronländern der Monarchie lassen sich finden. Am eindrücklichsten sind die historischen Ansichten immer dann, wenn man selbst einen Vergleich zur Jetztzeit anstellen kann und sich etwa in den Darstellungen des prunkvollen englischen Gartens rund um die heutige Schwarzenbergallee im Wiener Stadtteil Neuwaldegg verliert. Wo vor über 200 Jahren unzählige Gartenelemente, kleine Wege und Gebäude das weitläufige Areal zierten, hat mittlerweile die (ungestaltete) Natur wieder Oberhand.

(S E R V I C E - Ausstellung "Von Gärten und Menschen. Gestaltete Natur, Kunst und Landschaftsarchitektur" im Prunksaal der Österreichischen Nationalbibliothek, Josefsplatz 1, 1010 Wien, 30. März bis 5. November, Di-So 10-18 Uhr, Do bis 21 Uhr, Juni-September auch Mo 10-18 Uhr, Katalog zur Ausstellung, hrsg. von Lilli Lička, Christian Maryška, 260 S., 29,90 Euro, www.onb.ac.at)

ribbon Zusammenfassung
  • Man muss schon zweimal hinschauen, um die historische Ansicht mit der heutigen Realität in Einklang zu bringen: Um 1900 bot der Wiener Türkenschanzpark noch einen deutlich anderen Anblick, wie eine schwarz-weiß Fotografie aus dieser Zeit belegt.
  • Aber nicht nur deshalb bieten die 130 Exponate zu 70 verschiedenen Gärten einen Einblick in die Wechselwirkung von Natur und Gesellschaft.