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NS-Propagandafilm "Die große Liebe" vor 80 Jahren erschienen

06. Juni 2022 · Lesedauer 4 min

Die Lieder aus dem Film sind Evergreens, die Romanze "Die große Liebe" mit Zarah Leander und Viktor Staal verschwand jedoch in der Versenkung. Am 12. Juni vor 80 Jahren kam der Propagandafilm ins Kino. Die Rechte an ihm liegen heute bei der Murnau-Stiftung in Wiesbaden. Der Film gilt als der größte Kinoerfolg während der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft. Etwa 28 Millionen Menschen dürften in den Lichtspielhäusern des NS-Staates gesehen haben.

"Die große Liebe" unter der Regie von Rolf Hansen (1904-1990) war der vorletzte Film, den die schwedische Schauspielerin Zarah Leander bei der Ufa drehte, bevor sie 1943 Deutschland verließ. Nach dem Krieg wurde das Machwerk der Leander (1907-1981) als Propaganda für Nazideutschland angelastet. Die Hits "Davon geht die Welt nicht unter" und "Ich weiß, es wird einmal ein Wunder gescheh'n", komponiert von Michael Jary, stammen jedoch aus dem Film.

Der Durchhaltestreifen wurde mitten im Krieg produziert: Es geht um den Fliegeroffizier Paul Wendlandt (Staal) und die Varieté-Sängerin Hanna Holberg (Leander). Sie lernen sich in Berlin kennen, als der stramme Soldat für einen Tag aus Nordafrika in der Hauptstadt weilt. Seine Penetranz, mit der er die Sängerin für sich gewinnen will, lesen heutige Zuschauer wohl eher als Stalking. Damals aber galt das wohl als schickes Umwerben und romantisch. Jedenfalls machen die Kriegseinsätze des männlichen Helden und die Auftritte der Sängerin ein regelmäßiges Zusammensein der Verliebten schwer.

Sängerin Hanna spricht ihre Enttäuschung über den allzu engagierten Mann auch aus: "Er fährt heut Nacht wieder weg - ohne Befehl." Das wird aber im Laufe des Films natürlich als Egoismus vorgeführt. Die Hochzeit des Paares muss mehrmals verschoben werden. Als Wendlandts bester Freund fällt, will er sich von Hanna trennen. Doch dann wird er selber abgeschossen und Hanna, die nach dem Beginn des Kriegs gegen Russland allmählich Verständnis fürs Militärische aufbringt, besucht ihren verletzten Verlobten im Lazarett.

Es ist ein bizarres Happy End für das Paar. Dem Publikum wird unverhohlen eine Lektion in Unterordnung und vor allem weiblicher Opferbereitschaft für das große Ganze erteilt. In weiteren Rollen sind zum Beispiel Grethe Weiser als Hannas geschwätzige Zofe Käthe und Paul Hörbiger als Hannas Musikdirektor Alexander Rudnitzky zu sehen - der Komponist liebt die Sängerin, steht ihr bei, muss aber auf sie verzichten. Er ist weich und ein Verlierertyp, kein so harter Kerl wie der Flieger.

Für einen Unterhaltungsfilm wird ungewöhnlich offen mit dem Krieg umgegangen. Gezeigt werden Nächte im Luftschutzkeller, aber eben auch "völkischer" Zusammenhalt und Stolz während der Bombardierungen. Eine kaum fassbare Geschichte ereignete sich bei der Filmproduktion rund um den Textdichter Bruno Balz, der oft als Hitlers Hitschreiber bezeichnet wird. Balz überlebte zwar den Krieg und starb erst 1988 mit 85 Jahren, er wurde aber als Schwuler von den Nazis verfolgt.

Florian Illies beschreibt das erlittene Leid in seinem Buch "Liebe in Zeiten des Hasses" wie folgt: "Bruno Balz wird auf Erlass von Joseph Goebbels für 24 Stunden aus dem Gestapo-Gefängnis in der Prinz-Albrecht-Straße 8 entlassen. Balz hat wegen seiner Homosexualität eingesessen, ist tagelang gefoltert worden, aber die Ufa hat Goebbels signalisiert, dass der neue Film von Zarah Leander nicht ohne Lieder von Balz zu Ende gedreht werden könne."

Und weiter heißt es in Illies' Bestseller: "Balz wird im Morgengrauen nach Babelsberg gefahren. Unter den Augen der Gestapo komponiert er dort in nur 24 Stunden zwei seiner größten Songs: "Ich weiß, es wird einmal ein Wunder geschehen" und "Davon geht die Welt nicht unter". Beides erweist sich als unzutreffend."

(S E R V I C E - www.murnau-stiftung.de/movie/332)

Quelle: Agenturen