APA - Austria Presse Agentur

No Angels machen sich beim Comeback keinen Stress

01. Juni 2021 · Lesedauer 4 min

Im Fernsehen läuft "Friends", die Radiosender spielen neue Songs der No Angels und junge Leute tragen bunte Shirts von Ed Hardy. Willkommen im Jahr 2021, in dem popkulturelle Trends der 2000er reihenweise zurückkommen. Wie etwa die Casting-Girlband No Angels, die am Freitag mit "20" ihr Comeback-Album veröffentlicht. Dabei geht es die Band eher gemütlich an.

"Viele in unserem Alter schwelgen gerade in Erinnerungen und denken an die 90er und Anfang 2000er. Das hat bestimmt auch mit der Pandemie zu tun, die für alle nicht einfach ist und in der viele lange isoliert waren", sagte Sandy Mölling der Deutschen Presse-Agentur. Die blonde Sängerin ist kürzlich 40 geworden, hat zwei Kinder und lebt mit ihrer Familie seit Jahren in Los Angeles.

Die No Angels, in den 2000er Jahren die wohl erfolgreichste Girlband Deutschlands, spüren bei ihrem Comeback nach sieben Jahren kaum Erfolgsdruck. "Es geht nicht um Nummer-Eins-Hits. Wir machen uns keinen Stress mehr, an die Spitze der Charts zu kommen", so Sandy Mölling. "Natürlich sind wir ehrgeizige Frauen, die ihr Bestes geben wollen. Wir haben einen hohen Anspruch an uns selbst. Aber es muss nicht die Eins sein."

"Es ist eine andere Zeit. Wir müssen uns gar nicht in dieses schnelllebige Getummel schmeißen, sondern können einfach mal genießen, was wir tun und wofür wir stehen. Das ist viel wichtiger als Chartplatzierungen", ergänzte Jessica Wahls (44).

Ein Blick zurück: Zur Jahrtausendwende startet der Privatsender RTL II eine deutsche Version der Castingshow "Popstars", noch vor dem Dauerbrenner "Deutschland sucht den Superstar". Nach dem großen Erfolg der Spice Girls suchen die Macher ein deutsches Pendant.

Von mehr als 4.500 jungen Frauen bleiben am Ende Nadja Benaissa, Lucy Diakovska, Sandy Mölling, Vanessa Petruo und Jessica Wahls übrig. Alle um die 20, optisch divers, selbstbewusst. Mit "Daylight In Your Eyes" landeten sie 2001 ihren ersten großen Hit und werden zur wohl erfolgreichsten Frauenband Deutschlands.

Nach dem recht frühen Ausstieg Petruos, einer mäßig erfolgreichen ESC-Teilnahme, fünf Alben und einigen Trennungen verkündeten die No Angels 2014 das Aus - bis jetzt.

"Wir vier haben eigentlich erst im letzten Jahr angefangen, darüber zu sprechen. Als unsere Musik bei den Streamingdiensten erhältlich wurde und eine Fan-Euphorie ausbrach, haben wir uns dieser Idee so richtig geöffnet", erklärte Mölling das Comeback der No Angels (deutsch: "Keine Engel").

In der Tat bricht im November 2020 eine neue Begeisterungswelle unter den Fans aus, als die großen Hits der damaligen "Popstars"-Bands bei Spotify und Co. verfügbar gemacht werden. Die Vier beschließen, wieder zusammen zu arbeiten. Nach mehreren Jahren Funkstille trafen sie sich per Video-Chat, gründeten eine WhatsApp-Gruppe und entwickelten die Idee, zum 20-jährigen Jubiläum ihren Debüthit neu aufzunehmen.

"Wir haben eine ganz besondere Verbundenheit, tiefen Respekt und tiefe Liebe zueinander", erklärte Mölling. "Ich kann mich nicht daran erinnern, dass bei uns mal so richtig die Fetzen geflogen sind", ergänzte Wahls, die mittlerweile beim Radio arbeitet.

Auf "20" haben die Musikerinnen alte Hits wie "When The Angels Sing", "There Must Be An Angel" oder "Rivers Of Joy" in ein moderneres Gewand gepackt, ohne dabei allzu viel am Sound zu verändern. "Wir waren schon vorsichtig, um die Nostalgie und Besonderheit der alten Zeit nicht zu verlieren", sagte Mölling.

Die 2000er-Chartstürmerinnen steuern auch vier neue Songs bei. "Mad Wild" oder "We Keep The Spirit Alive" sind frische Popnummern, die perfekt in die heutige Radiolandschaft passen. Mal funky, mal im 80er-Sound. Es scheint fast so, als seien die No Angels nie weggewesen.

Im nächsten Sommer geben die vier Frauen, die mittlerweile verstreut in Berlin, Leipzig, Bulgarien und Los Angeles leben, ein Konzert in der Berliner Wuhlheide. Und es müsste schon mit dem Teufel zugehen, wenn es dabei bleiben würde.

Quelle: Agenturen