APA - Austria Presse Agentur

Neuer Justizthriller von John Grisham: "Der Polizist"

18. Mai 2021 · Lesedauer 3 min

Stuart Kofer ist ein bekannter Mann in der Kleinstadt Clanton im ländlich geprägten US-Bundesstaat Mississippi. Er ist "Der Polizist", nach dem der neue Justizthriller von Bestsellerautor John Grisham seinen Titel bekommen hat. Die Einwohner des Ortes kennen den stellvertretenden Sheriff als engagierten Ordnungshüter. Aber der Charakter des Polizisten hat auch eine andere Seite.

Zu Beginn des Romans kommt Kofer mitten in der Nacht nach Hause. Seine Freundin Josie erkennt, dass er wieder einmal stark betrunken ist, und wie fast immer in diesem Zustand wird er auch an diesem Abend gewalttätig. In einem bemerkenswert kompakten ersten Kapitel fasst Grisham eine dramatische Entwicklung zusammen. Rasend vor Wut schlägt Kofer auf seine Freundin ein, bis diese reglos liegen bleibt. Ihre beiden heranwachsenden Kinder haben sich eingeschlossen, so dass Kofer nicht an sie herankommt. Als es eine Weile im Haus ruhig geblieben ist, wagt sich Josies 16-jähriger Sohn Drew aus seinem Versteck und entdeckt den leblosen Körper seiner Mutter. Aus Angst um sein eigenes Leben und das seiner Schwester nimmt sich Drew die Dienstwaffe des Polizisten und erschießt ihn im Schlaf.

Mord an einem angesehenen Polizisten, das kann im Süden der USA im Jahr 1990 nur eine Folge haben: die Todesstrafe. Aber in Clanton lebt der Anwalt Jake Brigance, den Grisham schon in seinen Erfolgsromanen "Die Jury" und "Die Erbin" als Experten für scheinbar aussichtslose Justizfälle eingesetzt hat. Der Richter beruft Brigance zu Drews Pflichtverteidiger, wohl wissend, dass dies die einzige Chance für den Jungen ist, einer Hinrichtung zu entgehen. Denn für die meisten Einwohner von Clanton und Umgebung steht fest, dass sie für einen Polizistenmörder nur ein Todesurteil akzeptieren würden.

John Grisham kennt die Lebensumstände der Menschen im amerikanischen Süden bestens. Er selbst wurde 1955 im Bundesstaat Mississippi geboren und arbeitete dort als Anwalt in einer Kleinstadt, bevor er Anfang der 90er-Jahre seine äußerst erfolgreiche Karriere als Verfasser von Justizthrillern begann. Ausführlich stellt Grisham im Roman dar, unter welche Bedingungen die Justiz unter diesen Umständen arbeitet. Brigance muss am eigenen Leib erfahren, wie sich die Menschen von ihm und seiner Familie abwenden, weil er einen Polizistenmörder verteidigt. Für den größten Teil der Bevölkerung sind Uniformen und die staatliche Macht hinter ihnen unantastbar. Grisham stellt diese Hintergründe behutsam und sorgfältig dar. Zahlreiche Stimmen kommen zu Wort und ergeben so in ihrer Gesamtheit ein überzeugendes Gesellschaftsporträt.

Grishams Romane sind berühmt für ihre spannenden Gerichtsverhandlungen, die häufig die Auflösung der Justizfälle bringen, oft mit überraschenden Wendungen. "Der Polizist" läuft natürlich auch auf eine solche Gerichtsverhandlung hinaus. Sorgfältig in der Erzählung vorbereitet, setzt die Verhandlung erst ein, als rund drei Viertel des Romans vorbei sind. Spannung ist auch hier garantiert.

Mit "Der Polizist" hat John Grisham ein weiteres Mal einen spannenden Justizthriller geschrieben, der durch die Besonderheiten des amerikanischen Rechtssystems und die Darstellung der Gesellschaft überzeugt, in der die Geschichte spielt. Grishams Begabung, sich spannende Handlungen auszudenken, kommt hier wieder einmal bestens zum Tragen.

(S E R V I C E - John Grisham: "Der Polizist", Aus dem Amerikanischen von Bea Reiter, Imke Walsh-Araya, Kristiana Dorn-Ruhl. Heyne Verlag, 670 Seiten, 24,70 Euro)

Quelle: Agenturen